„Eine von Lottes Stärken ist das Fahren aus dem Bauch heraus“ – Belgischer Nationaltrainer zuversichtlich, dass auch eine angeschlagene Kopecky chaotische Weltmeisterschaften meistert

Radsport
Freitag, 14 August 2026 um 9:00
ParisRoubaixFemmes2026_LotteKopecky
Lotte Kopecky erlebt bereits eine deutlich rundere Saison als im Vorjahr, und das spiegelt sich auch in ihren Eindrücken von der Tour de France Femmes wider. Kopecky war nicht die Kapitänin, spielte aber eine Schlüsselrolle bei den Sprint­siegen von Lorena Wiebes und wurde selbst einmal Zweite.
Mit einem starken Tour-Auftritt im Rücken kann die Belgierin die Weltmeisterschaften in Montreal mit neuem Selbstvertrauen angehen: "In Frankreich zeigte die Form eindeutig nach oben. Das ist vielversprechend für die Weltmeisterschaften."
Angesichts eines harten Rennens in Kanada freut sich Nationalcoach Ludwig Willems umso mehr, dass seine designierte Kapitänin bereit ist, wie er im Interview mit WielerFlits ausführt: "Für Lotte sind die Weltmeisterschaften jedes Jahr ein Ziel. Aber sie muss mental stark sein. Ist das der Fall, weiß sie, dass sie diesen Kurs auf jeden Fall bewältigen kann."

Taktikexpertin

Ein Vorteil, der Kopecky laut Willems von vielen Rivalinnen abhebt, ist die taktische Reife, mit der sie bereits zwei WM-Titel in Serie in Glasgow und Zürich geholt hat.
"Zudem sind die Weltmeisterschaften immer ein besonderes Rennen, in dem taktisch viel passieren kann. Weil ohne Funk gefahren wird, verkrampfen viele, die es gewohnt sind, aus dem Wagen dirigiert zu werden. Eine von Lottes Stärken ist dagegen das Fahren nach Bauchgefühl. In solchen Finals trifft sie oft zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen. Man kann noch so viele Pläne machen – die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren, ist viel entscheidender."
"In Glasgow war Lotte die Topfavoritin, da durfte man den Sieg erwarten. Der Kurs in Zürich war eigentlich zu schwer. Trotzdem gewann sie dank ihres Rennblicks – und weil die niederländische Mannschaft einen taktischen Fehler machte – nach einem kuriosen Rennen. Auch wenn sie an diesem Tag nicht die stärkste Fahrerin war."
Demi Vollering bei der Tour de France Femmes 2026
Demi Vollering bei der Tour de France Femmes 2026
Diese Fähigkeit müsste im kommenden Monat mehr denn je tragen, sollte Kopecky erneut durchkommen. Trotz erfolgreicher Erholung von den gesundheitlichen Problemen 2025 fehlt der Belgierin noch etwas der Funke von damals, als sie fast den gesamten Giro d’Italia Women gewann und vor zwei Jahren in Topform war.

Was tun gegen die Niederländerinnen (und Vollering)?

Die niederländische Auswahl wirkt erneut bärenstark, mit Tour de France Femmes-Siegerin Demi Vollering, die erneut dem schwer fassbaren Regenbogentrikot nachjagt. Kopecky scheint nicht ganz auf Augenhöhe mit ihrer Ex-Teamkollegin, doch Willems bleibt gelassen, weil die Weltmeisterschaft ein sehr spezielles Rennen ist.
"Aber das war schon letztes Jahr so. Und trotzdem ging es irgendwie schief. Bei einer WM wie dieser schauen nicht alle auf uns, sondern auf die Niederländerinnen. Das wird wieder besondere Rennszenarien erzeugen."
"Hinter Vollering gibt es etwa zehn Fahrerinnen auf sehr ähnlichem Niveau, und Lotte zähle ich weiterhin dazu. In einem Rennen, das ihr liegt, ist sie nach wie vor Weltklasse. Zudem kann sie sich in den nächsten Wochen unter Idealbedingungen vorbereiten. Vor der WM gibt es kaum noch Wettkämpfe. Mit ihrer Erfahrung weiß sie genau, wie sie diese Phase steuern muss", schließt Willems.
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