Der
Giro d'Italia beginnt an diesem Freitag, und in einem jüngsten Interview blickt Ex-Visma-Profi
Jos van Emden auf einen sehr speziellen Vorfall vor 10 Jahren zurück. Der frühere Profi beschuldigt Alexander Foliforov deutlich, sich beim denkwürdigen Bergzeitfahren des Giro 2016 an ein Auto gehängt und sich so zum Sieg betrogen zu haben.
Die explosiven Aussagen fielen in einem Interview mit
Wielerevue, in dem van Emden, inzwischen Sportdirektor bei Visma, den russischen Kletterer Alexander Foliforov direkt beschuldigte, beim Bergzeitfahren 2016 an der Alpe di Siusi betrogen zu haben, um zu gewinnen.
Dieser Tag war von Kontroversen geprägt. Das Ergebnis schlug ein wie eine Bombe, zumal der damals 24-Jährige zuvor weder in noch außerhalb der WorldTour je eine vergleichbare Kletterleistung gezeigt hatte. Das russische Team war per Wildcard dabei und startete das Bergzeitfahren ohne echten Etappenanwärter. An einem Tag, an dem im 11-Kilometer-Zeitfahren eigentlich nur die stärksten Kletterer der Rundfahrt um den Sieg fahren sollten, überraschte Foliforov als Frühstarter mit einer unglaublichen Zeit.
Van Emden gehörte damals zum Visma-Team, das mit
Steven Kruijswijk in Rosa fuhr. Die beiden fuhren exakt dieselbe Zeit, doch der Sieg ging an Foliforov. In der Folge setzte Steven Kruijswijk seine Karriere ohne Grand-Tour-Etappensieg fort, etwas, das ihm auch später nicht mehr gelingen sollte. Van Emden nimmt das schwer, weil er fest davon überzeugt ist, dass Foliforov sich den Sieg erschummelte.
„Es war ein gemischtes Gefühl, denn natürlich war da Enttäuschung. Er war der Beste, wurde aber von einem betrügerischen Russen geschlagen“, sagte der Ex-Profi dem niederländischen Medium. „Steven wird seine Karriere ohne einen Etappensieg bei einer Grand Tour beenden. Das ist ein Verlust für jemanden von solchem Format.“
Er schildert detailliert, was seiner Ansicht nach Foliforov tat und warum – ohne Dopingvorwurf, aber mit dem Hinweis auf Betrug in aller Öffentlichkeit: „An einem Punkt lag dieser Russe mehr als eine halbe Minute zurück, dann lag er weit vor Steven, und im Ziel verlor er wieder viel Zeit. Es ist glasklar, dass er am Auto hing“, argumentierte er.
Foliforov während seines karriereprägenden Zeitfahrens an der Alpe di Siusi
Van Emden konfrontierte Alexander Foliforov
Auf die „Foliforov-Frage“ gab es nie vollständig klare Antworten. Der Fahrer wurde zwar Fünfter auf der abschließenden Bergetappe dieses Giro, zeigte jedoch nie wieder eine Kletterleistung, die nur annähernd an jenen Tag heranreichte. Der Russe gewann das Bergtrikot bei der Tour of the Alps 2017 und beendete 2018 im Alter von 26 Jahren seine Karriere.
Van Emden kam nicht darüber hinweg, was er als klaren Regelverstoß ansieht. „Einen Tag später bin ich zu ihm hin und habe später noch einmal mit ihm darüber gesprochen. Obwohl er kaum Englisch sprach. Ich sagte zu ihm: ‚Erzähl mir, wie du dieses Zeitfahren eigentlich gewonnen hast.‘ Ein anderer übersetzte für ihn. Seine Reaktion war: ‚Erzähl du mir, wie du das Zeitfahren 2017 gewonnen hast (Korrektur: Es ist unklar, worauf van Emden sich bezieht, Red.).‘ Ich antwortete: ‚Anders als du – indem ich hart gefahren bin.‘“
„Es ist seltsam, dass das niemand gefilmt hat, denn auch damals gab es schon genügend Handys“, fuhr er fort. Das niederländische Team schien mit seinem Kapitän auf Giro-Kurs, doch ein Sturz auf Etappe 19 besiegelte ein Fiasko-Finale der Corsa Rosa, auch dieses Ziel ging verloren.
„Steven ging damals gut damit um, weil ihm klar war, dass es ein größeres Ziel zu erreichen gab. Aber ja, ich kann mir nicht vorstellen, dass ihn das kaltlässt.“