ANALYSE – Jonas Vingegaard zeigt seine beste Kletterleistung 2026; Muss sich Tadej Pogačar Sorgen machen?

Radsport
Mittwoch, 27 Mai 2026 um 11:00
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Etappe 16 des Giro d’Italia war womöglich das deutlichste Signal, das Jonas Vingegaards Saison bislang gebraucht hat. Der Fahrer von Team Visma | Lease a Bike legte in Carì einen starken Auftritt hin und festigte seine Führung. Vor allem aber zeigte er erstmals in diesem Jahr eine Leistung, die als Argument taugt, Tadej Pogacar im Sommer bei der Tour de France ernsthaft herauszufordern.
Seine ersten Kletterauftritte reichten zwar, um den Giro d’Italia anzuführen und die erste Grand Tour der Saison zu dominieren, doch gemessen an früheren Leistungen und jenen seiner Rivalen waren sie wenig beeindruckend.
Laut „Na1chaca“, einem X-Nutzer, dessen Leistungsabschätzungen von Vingegaard selbst in der Vergangenheit als sehr genau bestätigt wurden, fuhr Vingegaard den Blockhaus mit 6,35 W/kg über 37 Minuten; Pila mit 6,39 W/kg über 40 Minuten und nun Carì mit 6,77 W/kg über 30:50 Minuten.

Zahlen im Kontext

Diese Leistungswerte entstanden nicht unter identischen Bedingungen. Die Blockhaus-Etappe war 244 Kilometer lang; das Aostatal bot 133 Kilometer mit mehreren kategorisierten Anstiegen; die Etappe nach Carì am Dienstag hatte lediglich 113 Kilometer. Dennoch sammelten sich fast 3000 Höhenmeter, also keine leichte Aufgabe, zumal Team Visma | Lease a Bike den ganzen Tag ein hohes Tempo fuhr.
Es war zu erwarten, dass Vingegaard an diesem Anstieg höhere Wattwerte tritt, zumal er etwas kürzer und möglicherweise der einfachste der drei war. Anders als die anderen kam er jedoch in der dritten Rennwoche, in der die Müdigkeit bereits etliche Fahrer erwischt hat.

Wie ordnet sich Carì im Vergleich zu Pogacars und Vingegaards früheren Tour-de-France-Leistungen ein

Die beste Kletterleistung der Geschichte gehört Pogacar, als er das Plateau de Beille mit 6,98 W/kg über 39:50 Minuten fuhr. Vingegaard verlor an jenem Tag der Tour de France 2024 fast eine Minute auf den Slowenen. Allerdings trat er 6,85 W/kg, eine herausragende Zahl, bei der er seinen Rivalen über mehrere Kilometer das Tempo fahren ließ. Die Tour 2024 sah Pogacar, Vingegaard und auch Remco Evenepoel auf einem Niveau, das für alle drei ihr bisher höchstes bei der Tour darstellte.
Diese Werte könnten in diesem Sommer außer Reichweite sein, doch auch 2025 erreichte keiner der Fahrer solche Zahlen. Bei der Tour des Vorjahres fuhr Pogacar 6,74 W/kg über 35 Minuten am Hautacam; während Vingegaard am Mont Ventoux – eine flache Etappe bis zum Schlussanstieg – 6,52 W/kg über 54 Minuten leistete.
Die Zahlen von 2025 sind für den Vergleich am treffendsten, da sie die jüngsten Duelle des Duos abbilden. Vingegaards Anstieg nach Carì erfolgte in einer kürzeren Etappe und nach einem Ruhetag, doch falls die Schätzungen stimmen, nähert sich sein Klettern erstmals wieder dem Topniveau des vergangenen Sommers.
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Pogacar schärft den Klettermotor in Spanien

Tadej Pogacar bestreitet nach seinem laufenden Höhentrainingslager in der Sierra Nevada die Tour de Suisse. Der Weltmeister fuhr einen frühjahrsklassikerfokussierten Frühling, trainierte kürzere, explosivere Einsätze und legte Muskelmasse zu, die ihm den Sieg bei Mailand–Sanremo bescherte und ihn so nah wie nie an Paris–Roubaix heranbrachte.
Nach seinem Triumph bei Lüttich–Bastogne–Lüttich gegen Paul Seixas startete Pogacar bei der Tour de Romandie. Er räumte ein, in der Schweiz noch zu schwer gewesen zu sein, seine Kletterleistungen lagen deutlich unter seinem Optimum.
Auf Etappe 1 fuhr er Ovronnaz mit 6,58 W/kg über 28 Minuten; den Jaunpass auf Etappe 4 mit 6,81 W/kg über 21 Minuten. Vingegaards Kletterniveau war in diesem Jahr bislang wohl höher – doch beide sollten realistisch rechtzeitig zur Tour 2026 ihr Topniveau erreichen.
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Wie Visma mehrfach betonte, findet Vingegaard sein bestes Level eher bei seiner zweiten Grand Tour der Saison. Zudem sahen wir 2024, dass auch Tadej Pogacar nach seinem Giro-Sieg bei der Tour ein höheres Niveau erreichte.
Eine Grand Tour erfordert weit mehr als einzelne Kletterleistungen, doch Visma zeigt, dass man UAE Team Emirates – XRG weiterhin auf Augenhöhe Paroli bieten kann. Während Vingegaard seinem ersten Corsa-Rosa-Sieg entgegenfährt, wird er die Tour zudem mit weniger Druck angehen als in den vergangenen Jahren.
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