Wout Van Aert ordnet seinen Gesamtsieg bei der
Dänemark-Rundfahrt unter die bedeutendsten Erfolge seiner Karriere ein. Der Belgier feierte bei seinem Renncomeback nicht nur drei Etappensiege, sondern sicherte sich auch souverän den Gesamttitel.
Der Kapitän von
Visma - Lease a Bike beendete die Rundfahrt mit 21 Sekunden Vorsprung auf Lukas Kubis. Auf der Schlussetappe nach Rødovre brachte er seinen Vorsprung sicher ins Ziel, während Rasmus Søjberg Pedersen nach einem von einem späten Massensturz geprägten Finale den Tagessieg feierte.
Seltener Gesamterfolg nach langer Zwangspause
Den Grundstein für seinen Gesamterfolg legte Van Aert bereits an den ersten drei Renntagen. In Aalborg setzte er sich aus einer stark dezimierten Spitzengruppe durch, in Skive rang er Jensen Plowright im Fotofinish hauchdünn nieder und auf der Königsetappe nach Vejle ließ er schließlich auch Lukas Kubis hinter sich.
„Dieser Gesamtsieg bedeutet mir wirklich etwas“, sagte Van Aert gegenüber
VTM Nieuws. „Ich bekomme nicht oft die Chance, um die Gesamtwertung zu fahren, deshalb freue ich mich, das wieder einmal erlebt zu haben.“
Obwohl Van Aert in seiner Karriere zahlreiche große Eintagesrennen gewonnen hat, boten sich ihm nur selten Gelegenheiten, um den Gesamtsieg einer Rundfahrt zu kämpfen. Der Triumph bei der Dänemark-Rundfahrt 2026 ist erst der dritte Rundfahrtsieg seiner Profikarriere – nach seinen Erfolgen bei derselben Rundfahrt im Jahr 2018 sowie der Tour of Britain.
Besonders wertvoll macht diesen Erfolg der Zeitpunkt seines Zustandekommens. Nach einer Ellbogenverletzung und einer anschließenden Infektion hatte Van Aert die Tour de France verpasst und nutzte die Dänemark-Rundfahrt, um seine Form nach der unfreiwilligen Wettkampfpause zu überprüfen.
Die Schlussetappe entwickelte sich dabei keineswegs zu einer entspannten Ehrenrunde. Eine 21 Fahrer starke Ausreißergruppe zwang Visma - Lease a Bike, den gesamten Nachmittag über das Tempo im Feld zu kontrollieren, ehe die Flucht auf den Schlussrunden wieder gestellt wurde. Van Aert wollte sich anschließend auch im Sprint noch um ein Top-Ergebnis bemühen, wurde jedoch eingeklemmt, bevor ein Massensturz das Feld kurz vor dem Ziel auseinander riss.
„Vorne war eine sehr große Gruppe weg, und wir wollten aus der Etappe trotzdem etwas machen“, erklärte der Belgier. „Es hat mich frustriert, dass ich eingeklemmt wurde. Ich wollte um ein Ergebnis fahren, aber vor allem bin ich froh, dass ich sicher ins Ziel gekommen bin.“
Gerade nach den turbulenten Tagen zuvor war diese Erleichterung für Van Aert besonders groß. Bereits auf der Auftaktetappe wurde er durch einen Massensturz ausgebremst. Auf der Königsetappe musste er zudem dem gestürzten Teamkollegen Ashlin Barry ausweichen und geriet dabei kurzzeitig von der Straße.
Keiner dieser Zwischenfälle brachte ihn jedoch vom Erfolgskurs ab. Sein elfter Platz in Rødovre genügte, um den Gesamtsieg ungefährdet nach Hause zu bringen.
„Die Beine sind gut, also kann ich mit Vertrauen in die nächsten Rennen gehen“, sagte Van Aert.
Begeisterung über die dänischen Fans
Nicht nur sportlich zog Van Aert ein positives Fazit. Auch die große Begeisterung der Zuschauer entlang der Strecke hinterließ beim Belgier bleibenden Eindruck – insbesondere die Atmosphäre rund um das abschließende Siegerpodium.
„Ehrlich gesagt gibt es nicht viele Rennen, bei denen sich so viele Menschen vor dem Podium versammeln, deshalb habe ich das sehr genossen“, sagte er gegenüber
DR Sporten. „Es erinnert mich an den Wahnsinn, den wir in Belgien für den Cyclocross haben, das ist sehr ähnlich. Auch wenn ich schon viel größere Rennen gewonnen habe, gibt ein Sieg immer das beste Gefühl, deshalb habe ich diese Woche wirklich genossen.“
Diese Worte spiegeln den Verlauf einer Rundfahrt wider, die Van Aert von Beginn an geprägt hatte. Mit Siegen in drei völlig unterschiedlichen Finals, einer souveränen Kontrolle des Gelben Trikots und der seltenen Gelegenheit, um einen Gesamtsieg zu kämpfen, lieferte der Belgier eine eindrucksvolle Vorstellung ab.
Am Ende verließ Van Aert Dänemark mit vier Tagen im Gelben Trikot, drei Etappensiegen und dem dritten Rundfahrtsieg seiner Profikarriere – ein Comeback, das kaum überzeugender hätte ausfallen können.