Die nächste Anti-Doping-Front im Radsport? ITA-Studie könnte Wattdaten der Fahrer zur Pflicht machen – Visma, Decathlon und Jayco AlUla nehmen am Pilotprojekt teil
Die Anti-Doping-Behörden des Radsports testen, ob Leistungsdaten aus Powermetern Teil des offiziellen Intelligence-Systems werden können. Bei erfolgreicher Validierung könnte die verpflichtende Datenfreigabe für alle männlichen Profi-Straßenfahrer eingeführt werden.
Das Projekt zielt nicht darauf ab, Doping allein über Leistungsdateien zu beweisen. Vielmehr soll geprüft werden, ob langfristiges Performance-Modelling gezielte Tests, Probenlagerung, zusätzliche Laboranalysen oder Ermittlungen besser steuern kann.
Wird die Studie von der ITA validiert und sowohl vom UCI-Finanzausschuss als auch vom UCI-Managementkomitee genehmigt, soll das UCI-Regelwerk angepasst werden. Dann wäre die obligatorische Weitergabe individueller Leistungsdaten an die ITA für alle männlichen Profi-Straßenfahrer vorgeschrieben.
Leistungsdaten rücken in den Anti-Doping-Fokus
Wattwerte prägen bereits Training, Renntaktik und Leistungsbewertung im modernen Radsport. Teams nutzen sie täglich zur Formkontrolle und Steuerung der Vorbereitung, während Fans, Medien und Experten Watts heranziehen, um Ausreißerleistungen bei Grand Tours und großen Eintagesrennen zu diskutieren.
Das ITA-Projekt fragt nun, ob diese Informationen formell nutzbar sind. Forschende betrachten longitudinale Leistungsprofile und analysieren die Entwicklung der Fahrerwerte über die Zeit, statt eine einzelne Ausnahmeleistung isoliert zu deuten.
Zentral ist die Identifikation sogenannter „Exzess-Leistungen“, bei denen die individuelle Entwicklung eines Fahrers gegen breitere Trends, Alterskurven und weitere Faktoren gespiegelt wird. Das Modell soll Veränderungen im Zeitverlauf bewerten, nicht nur eine einzelne große Zahl markieren.
Diese Differenzierung ist wichtig in einem Sport, in dem Leistungsdateien durch Rolle im Rennen, Pacing, Höhe, Hitze, Windschatten, Material, Kalibrierung und Geräteunterschiede beeinflusst werden. Deshalb sollen Leistungsdaten bestehende Anti-Doping-Werkzeuge ergänzen, nicht den Athlete Biological Passport, zielgerichtete Tests oder Laboranalysen ersetzen.
Große Teams bereits an Bord
Die derzeit beteiligten Fahrer machen freiwillig mit. Die ITA betont, dass das Projekt datenschutzkonform arbeitet. Daten, die mit Universitätspartnern geteilt werden, sind pseudonymisiert, Leistungswerte werden ohne Fahreridentitäten ausgewertet.
Neben den fünf bereits teilnehmenden Teams haben Uno-X Mobility, Tudor Pro Cycling Team und Team TotalEnergies Teilnahmeframeworks genehmigt. Mit weiteren Teams laufen Gespräche.
„Wir suchen kontinuierlich nach Wegen, das Anti-Doping-Programm im Radsport smarter und wirksamer zu machen“, sagte ITA-Generaldirektor Benjamin Cohen. „Leistungsdaten sind seit vielen Jahren Teil der Debatte im Radsport. Sie zählen zu den am weitesten verbreiteten Performance-Tools des Sports, doch ihr Beitrag zum Anti-Doping blieb bislang weitgehend ungenutzt.“
Im Falle einer Genehmigung würde der verpflichtende Rahmen zunächst für den professionellen Männer-Straßenradsport gelten. Ein ähnlicher Ansatz könnte später für die UCI Women’s WorldTour, die UCI-Continental-Ebene und verwandte Sportarten wie Triathlon geprüft werden.
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Radsportaktuell.de und berichtet über den professionellen Radsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Liveblogs zu wichtigen Renntagen und Etappen, bei denen er das Geschehen in Echtzeit begleitet und Ergebnisse sowie taktische Entwicklungen fortlaufend einordnet. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um Teams, Fahrer und den Rennkalender.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattformen vernetzt, darunter Nicolas Gayer und Oliver Ried. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.