„Die Lücke ist ziemlich groß“ – Michael Storer über Pogacar, Vingegaard und seine Tour-de-France-Ziele
Radsport
Die Tour de France 2026 wird die dritte für Michael Storer sein – und die zweite in Folge. Das Tudor Pro Cycling Team sprach heute Morgen vor der Grand Boucle mit den Medien, wobei er über seine Ambitionen und Vorbereitung berichtete und die Frage nach seinem Niveau im Vergleich zu Größen wie Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard aufgriff. CyclingUpToDate war vor Ort, um die Aussagen des Australiers festzuhalten.
Storer ist ein interessanter Fall im Profipeloton: ein Fahrer, der sich mehrfach in dreiwöchigen Rundfahrten behauptet hat, die Tour de France aber nie als übergeordnetes Ziel ausgerufen hat. Der heute 29-Jährige wurde beim (heute so genannten) Team Picnic PostNL Profi und wechselte 2022 zu Groupama – FDJ. Erst in diesem Jahr bestritt er seine erste Tour – da war er bereits zweifacher La-Vuelta-Etappensieger.
Sein Grand-Tour-Potenzial war beim französischen Team jedoch auf Etappenjagden beschränkt. Erst nach dem Wechsel zum Schweizer ProTeam unternahm er erstmals einen ernsthaften Anlauf aufs Klassement. Er wurde Zehnter beim Giro d’Italia und untermauerte 2025 dieses Ergebnis – erneut als Zehnter, diesmal jedoch nach mehreren Stürzen, die es ihm verwehrten, die Dynamik seines Triumphs bei der Tour of the Alps mitzunehmen.
In diesem Frühjahr, inzwischen auch als Il-Lombardia-Podiumsfahrer, bereitete er sich ruhiger auf die Corsa Rosa vor. Das zahlte sich aus: Er fuhr mit Rang sieben sein Karrierebestresultat ein. Er erklärte, warum er bei der Tour – wie schon im Vorjahr – nicht aufs Gesamtklassement zielt und weshalb ein Fahrer wie Jonas Vingegaard beides parallel leisten kann.
Storer wird in dieser Ausgabe der Grand Boucle auf Etappensiege gehen, schließt aber nicht aus, in Zukunft – wenn der Giro nicht im Programm steht – das GC anzupeilen. Sein Vertrag läuft bis 2028, entsprechend gut möglich, dass es dazu kommt. Vor 12 Monaten fuhr Storer bei der Tour zweimal aus Ausreißergruppen in die Top 5. Auch in diesem Sommer sollte das Publikum mit einem erneut offensiven Auftritt rechnen. Er und Yannis Voisard tragen die Teamambitionen in den Bergen, wobei Storer Priorität genießt.

Michael Storer während der 9. Etappe des Giro d'Italia 2026
Komplette Pressekonferenz mit Michael Storer
Antwort: Ja, ein bisschen masochistisch veranlagt (Scherz, Anm. d. Red.). Aber es ist die Tour de France, die größte Rundfahrt der Welt, und ich freue mich riesig darauf. Es wäre ein Traum, hier gut abzuschneiden, besser als letztes Jahr. Alle stecken mich mit ihrer Vorfreude an, also bin ich glücklich, hier zu sein – auch wenn es hart ist, den Giro zu fahren und dann zur Tour zu kommen.
Frage: Wie gestaltest du die Zeit dazwischen – rund ein Monat – um zur größten Grand Tour des Kalenders zu kommen?
A: Es ist definitiv eine Herausforderung, den Monat dazwischen gut zu managen. Ein Monat klingt nach viel, ist es aber nicht. Man muss sich ausruhen und erholen, aber nicht zu viel, sonst verliert man zu viel Form, und gleichzeitig hoffen, dass man genug regeneriert, um wieder ins Training einzusteigen und rennbereit zu sein. Es ist ein sehr schwieriger Balanceakt. Ich glaube, wir haben es letztes Jahr gut gemacht, weil ich dasselbe Programm gefahren bin. Diese Erfahrung hilft, es dieses Jahr vielleicht noch besser zu steuern.
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F: Was sind deine Ziele? Denkst du an ein mögliches Podium? Etappen?
A: Ich werde auf Etappen gehen. Ich fahre bei der Tour kein Gesamtklassement. Es ist zu viel, Giro und Tour im GC zu doppeln. Außerdem nimmt es den anderen Teamzielen etwas weg, weil man fürs GC hier die ganze Mannschaft hinter sich braucht. So passt es besser, nicht aufs GC zu gehen.
F: Und das Gepunktete Trikot?
A: Das Gepunktete ist schwierig, weil es davon abhängt, wie oft das Peloton um den Sieg auf einer Bergankunft sprintet – das könnte einige Male passieren –, und dann werden die Punkte dort aufgesogen. Es ist hart, genug zu sammeln. Man braucht jemanden im Team, der die Mathematik dazu laufend macht, um das Gepunktete zu gewinnen. Ich würde es gern holen, aber es ist gleichzeitig ziemlich anspruchsvoll. Möglicherweise muss es der alleinige Fokus sein, ja. Ich denke, es müsste wohl wirklich der einzige Schwerpunkt sein, statt Abstriche fürs Etappenjagen zu machen, weil man vielleicht jeden einzelnen Punkt mitnehmen muss – dann kann man kaum auf Etappenergebnisse fahren.

Storer bei der Tour de France 2025, seiner ersten für Tudor
F: Gibt es Etappen, die du dir besonders markiert hast? (CyclingUpToDate)
A: Für mich sind die hügeligen bis bergigen Etappen am besten. Ich werde an flachen Tagen nicht groß auf Angriff fahren – mir fehlt auf der Ebene der ganz große Motor, den andere haben, um dort eine Chance zu haben. Also suche ich meine Möglichkeiten an den anderen Tagen, wenn es bergig oder zumindest hügelig ist.
F: Gibt es eine Etappe, die für dich eine besondere Bedeutung hat – wegen eines bestimmten Anstiegs oder Ortes, durch den ihr fahrt? (CyclingUpToDate)
A: Nicht wirklich. Ich denke, jede Etappe liegt mir, es muss kein bestimmter Tag sein, und die anderen beiden sind zugleich extrem unberechenbar, also weiß man nie, welcher Tag der richtige wird. Im Moment ist das so.
Q: Ich würde gern noch fragen: Du bist in den vergangenen Jahren dreimal beim Giro auf das Gesamtklassement gefahren. Steht das Tour-GC in den nächsten Jahren auf deinem Radar?
A: Vielleicht. Dieses Jahr eher nicht, aber in Zukunft könnte ich zurückkommen, idealerweise in einem Jahr ohne vorherigen Giro, um mich optimal auf dieses Rennen vorbereiten zu können.
Q: Michael, wie groß schätzt du in deinem Alter und Entwicklungsstand die Lücke zu den Top-GC-Fahrern ein, die um Gelb kämpfen?
A: Die zwei, die ich für Gelb sehe, Jonas und Tadej, zu denen ist die Lücke ziemlich groß und wird nicht kleiner. Mache ich einen Schritt nach vorn, scheinen sie auch einen zu machen. Das bleibt konstant, diese Lücke bleibt eben. Zu den anderen GC-Fahrern beim Giro war ich am Ende nicht so weit von Platz drei weg, der Zeitabstand war nicht riesig. Gegen die anderen… da bin ich mitten drin, und es sind kleine Unterschiede, die mich ins Superresultat im GC oder in die Top Ten schieben können.

Pogacar und Vingegaard sind für viele die schwersten Brocken, wenn es darum geht, die Lücke zu schließen
Q: Zum Vorjahr: Was wirst du diesmal anders machen, um Kräfte zu sparen, besser durchzukommen oder stärker zu performen? Oder ist es vor allem ein weiteres Jahr in den Beinen?
A: Klar, die zusätzlichen zwölf Monate Training helfen. Aber auch die Erfahrungen aus der letzten Tour sind sehr wertvoll. Das Rennen zu kennen und zu sehen, wie es sich entwickelt, ist extrem hilfreich. Diese Erfahrung wird für diese Ausgabe ebenfalls entscheidend sein, das Verständnis, wie die Tour läuft, weil sie sich doch etwas von anderen Rennen unterscheidet.
Q: Du hast erwähnt, dass die Phase zwischen Giro und Tour die GC-Vorbereitung schwierig macht, aber es gibt Fahrer, die das schaffen – Vingegaard ist das Paradebeispiel. Wie siehst du diese Vorbereitung als Option, um auch die Tour zu gewinnen? (CyclingUpToDate)
A: Das ist sehr individuell. Was für mich als Vorbereitung funktioniert, ist nicht zwingend das Beste für Vingegaard. Vielleicht war der Giro für ihn relativ einfacher als für mich, weil er gewonnen hat und nicht so tief gehen musste wie andere. Und mit seiner Physiologie reagiert er womöglich besser darauf als ich. Diese Nuancen können in der Vorbereitung den Unterschied machen. Deshalb muss es individuell zugeschnitten sein, was für jede Person am besten funktioniert.
Q: Du sagtest, der Sieg geht zwischen Tadej und Jonas, sie sind einen Schritt voraus. Was bringt sie weiter nach vorn als den Rest des Pelotons? Machen sie etwas anders? Sind es sie selbst, ihre Teams?
A: Möglich, dass sie manches anders machen. Es kann aber auch sein, dass sie einfach außergewöhnlich begabt sind – noch begabter als ohnehin schon sehr begabte Athleten im Peloton. Vielleicht machen sie in kleinen Details einiges besser. Da steckt auch viel Wissen drin, was ebenfalls etwas ausmacht. Aber ich denke, ein großer Teil des Unterschieds ist schlicht, dass sie noch talentierter sind als bereits sehr talentierte Fahrer.
Q: Kannst du etwas zum Tudor-Aufgebot sagen? Hattest du in dieser Saison viel Zeit mit den Jungs auf der Straße, und hilft die Erfahrung vom Vorjahr?
A: Mit genau dieser Gruppe habe ich die meisten seit Dezember nicht gesehen. Viele Jungs, die schon länger im Team sind, sind hier aber bereits zusammen Rennen gefahren. Wir haben eine Gruppe, die auf fast jeder Etappe aktiv sein kann. Nahezu jeden Tag sollte jemand von uns vorne mitmischen und auf ein Ergebnis gehen können. Das ist spannend. Wir sind ausgewogen aufgestellt, kommen durch die Sprintetappen, die hügeligen Abschnitte und auch die Bergetappen.

Storer führt Tudor bei der Tour gemeinsam mit Fahrern wie Julian Alaphilippe und Arvid de Kleijn an
Q: Du hast über Pogacar und Vingegaard gesprochen. Aus der jüngeren Generation – gibt es jemanden, der dich besonders beeindruckt hat und auf den man bei dieser Tour achten sollte?
A: Ich glaube, ich weiß, wen du meinst. Paul Seixas ist einer, von dem viele bei dieser Tour sehr starke Leistungen erwarten. Er ist noch eine Unbekannte. Ich denke, er wird richtig gut sein, aber die nächsten drei Wochen zeigen, wie gut. Vielleicht gewinnt er die Tour, vielleicht steigt er aus – alles ist möglich. Er ist auf jeden Fall ein superstarker Fahrer und hat eine große Zukunft vor sich, selbst wenn er nur dieses Niveau hält. Dann wird er viele Rennen gewinnen. Und vielleicht ist auch Remco [Evenepoel] diesmal wieder gut. Man weiß es nie. Er hat sich eher bedeckt gehalten und könnte überraschen. Er ist auch ein jüngerer Fahrer, extrem stark. Es gibt eine ziemlich lange Liste von Fahrern, die bei dieser Tour ausbrechen könnten – neben Jonas und Tadej.

Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








