In den vergangenen Jahren stand der wachsende Einsatz Künstlicher Intelligenz im Zentrum vieler globaler Debatten. Ihr Nutzen reicht über zahlreiche Bereiche hinweg – potenziell auch ins Training von Profiradsportlerinnen. Olympiasiegerin
Kristen Faulkner schildert, wie sie seit der Entwicklung ihrer eigenen App auf ihrem bislang höchsten Leistungsniveau fährt.
„Die Forschung, die ich über meinen eigenen Körper brauchte, existierte nicht. Also habe ich sie mit KI aufgebaut. In den letzten zwei Monaten habe ich immer dann codiert, wenn ich nicht trainiere. Über 10 Stunden am Tag“, schrieb Faulkner in einem Beitrag auf
LinkedIn. „Meine Trainingsdaten liegen offen vor mir. Ich habe viele Fragen, die ich beantworten will, und eine Menge Daten, die ich zusammenführen muss.“
Die 33-Jährige gewann 2024 die US-Meisterschaften und legte anschließend den Sieg im Olympischen Straßenrennen in Paris nach. Sie feierte große Erfolge, erlebte jedoch auch Saisons mit fehlender Konstanz. So auch 2025: Sie verteidigte ihren nordamerikanischen Titel, kam in Europa jedoch nicht auf Touren.
2026 hat sie neue Motivation gefunden. „Als ich den Winter in SF (San Francisco, Anm. d. Red.) verbrachte und den KI-Boom aus nächster Nähe sah, wollte ich wieder bauen“, erklärt sie. „Zur Leistung von Frauen gibt es nur wenig Forschung, besonders zu den Bedürfnissen von Spitzensportlerinnen. Also habe ich es selbst in die Hand genommen und angefangen, die Forschung selbst zu schreiben. Ich wollte nicht länger warten, bis jemand anderes die Fragen untersucht, die für meinen Körper entscheidend sind.“
Wie nutzt Faulkner KI für ihre Weiterentwicklung
Menschen sind keine Maschinen. Die Variablen des Körpers und deren sportartspezifische Optimierung sind nahezu unendlich. Diese Komplexität mit dem Privatleben zu vereinbaren, ist anspruchsvoll – eine Aufgabe, die die 28-Jährige nun strukturierter angeht.
„Neun Jahre lang habe ich biometrische Daten gesammelt, die ich kaum sinnvoll zusammenführen konnte. Herzfrequenz. HRV. Schlaf. Gewicht. Leistung. Temperatur. Trainingslast. Menstruationsphasen. Blutwerte. DEXA-Scans. Jede App lieferte mir einen Teil der Geschichte, aber die Antwort lag nie in nur einer App. Sie lag in der Wechselwirkung all dieser Daten. Also habe ich ein System gebaut, das die Quellen einbindet, die ich als Athletin tatsächlich nutze“, führt sie aus. „Und es läuft gegen 4.400 Stunden meiner eigenen Trainingshistorie. Es zeigt mir nicht nur Dashboards. Es erstellt persönliche Modelle meiner Physiologie.“
„Jedes Modell ist auf meinen Körper trainiert. Jeder Befund ist spezifisch für meine Historie. Und jeder Output ist umsetzbar, nicht nur interessant. Damit habe ich mich auf die PanAm-Meisterschaften vorbereitet, bei denen ich dieses Jahr 3 Goldmedaillen gewonnen habe. Heute habe ich mit Hilfe dieser App meine beste 20-Minuten-Leistung überhaupt produziert. KI wird die Leistungsforschung bei Frauen von Grund auf verändern, und ich will daran mitwirken.“
Kristen Faulkner gewann 2024 das Olympische Straßenrennen in Paris
Faulkner kombiniert Straße und Bahn – in den USA keine Seltenheit – und will in beiden Disziplinen erfolgreich sein. Angesichts der stetig steigenden Leistungsdichte setzt sie auf eigenes Know-how und neue Werkzeuge, um sich auf dem Rad weiter zu verbessern und maximal konkurrenzfähig zu bleiben.
„Ich habe in Harvard Informatik studiert. Ich habe im Venture Capital gearbeitet. Ich investiere aktiv in KI-Unternehmen. Ich fahre auf der Women’s WorldTour. Ich trainiere, um 2028 in LA olympisches Gold auf heimischem Boden zu verteidigen. All dieses Wissen ist in den Aufbau dieser Lösung geflossen.“
„Ich kam spät zum Radsport. Ich habe nicht gewonnen, weil ich die längste Rennhistorie oder die meiste Erfahrung hatte. Ich habe gewonnen, weil ich meinen Kopf so viel wie möglich eingesetzt habe.“ Nun will sie das in neuer Form fortsetzen. „Vor meinem ersten Europastart habe ich Karteikarten zu den Fahrerinnen erstellt, jede Kurve jeder Strecke studiert und meine Daten akribisch analysiert. Genau das mache ich jetzt wieder – mit KI.“