Der Profi-Radsport hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert – und kaum etwas verdeutlicht diese Entwicklung so eindrucksvoll wie die Gehälter seiner größten Stars. Die Topfahrer im WorldTour-Peloton verdienen inzwischen Summen, die bis vor Kurzem noch anderen Sportarten vorbehalten schienen. An der Spitze der Gehaltstabelle stehen
Tadej Pogacar,
Remco Evenepoel und
Jonas Vingegaard.
Auch 2026 ist Pogacar der bestbezahlte Fahrer im Peloton. Das geschätzte Jahresgehalt des Slowenen liegt zwischen acht und 8,4 Millionen Euro und setzt ihn damit auch finanziell an die Spitze des Profi-Radsports.
Doch ein Blick auf die Rangliste offenbart auch einige bemerkenswerte Fälle. Unter den zehn bestbezahlten Profis befinden sich Fahrer, die zwar weiterhin zu den etablierten Namen im Peloton zählen, deren sportliche Leistungen ihr enormes Gehalt derzeit jedoch nicht in jedem Fall ohne Weiteres rechtfertigen.
Besonders auffällig ist das bei Fahrern wie Carlos Rodriguez, Egan Bernal oder Adam Yates. Nachfolgend werfen wir einen Blick auf die zehn bestbezahlten Profis und ihre jeweiligen Gehälter – basierend auf den von
Cycling Today veröffentlichten Zahlen.
10. Carlos Rodriguez – 2,5 Millionen Euro
Carlos Rodriguez belegt mit einem geschätzten Jahresgehalt von 2,5 Millionen Euro bei Netcompany INEOS den zehnten Platz der Rangliste. Die Summe verdeutlicht die enormen Erwartungen, die der Spanier bereits in seinen ersten Jahren als Profi geweckt hat. Seine jüngsten Leistungen machen es allerdings zunehmend schwieriger, ein Gehalt in dieser Größenordnung zu rechtfertigen.
Das größte Problem sind die wiederkehrenden Formschwankungen, die eine Entwicklung ausgebremst haben, die Rodriguez eigentlich in die absolute Spitze des Weltradsports führen sollte. 2023 bewies er, dass er bei Grand Tours mit den Besten mithalten kann. Seitdem verlief seine Entwicklung allerdings nicht so geradlinig, wie es damals zu erwarten war.
An der grundsätzlichen Qualität und dem weiterhin vorhandenen Entwicklungspotenzial von Rodriguez bestehen keine Zweifel. Ein Jahresgehalt von 2,5 Millionen Euro entspricht allerdings dem Niveau eines etablierten Elitefahrers – und diesen Status muss der Spanier wieder regelmäßig mit entsprechenden Leistungen bestätigen.
Carlos Rodriguez gehört mit einem geschätzten Jahresgehalt von 2,5 Millionen Euro zu den zehn bestbezahlten Profis im Peloton, konnte die hohen Erwartungen zuletzt jedoch nicht konstant erfüllen.
9. Egan Bernal – 2,5 Millionen Euro
Auch Egan Bernal kommt auf ein geschätztes Jahresgehalt von 2,5 Millionen Euro. Seine Situation unterscheidet sich allerdings deutlich von jener von Carlos Rodriguez: Der Kolumbianer hat in der Vergangenheit bereits eindrucksvoll bewiesen, dass er zu den besten Fahrern der Welt gehören kann.
Mit seinen Gesamtsiegen bei der Tour de France und dem Giro d'Italia stieg Bernal zu einem der prägenden Fahrer im Peloton auf. Nach seinem schweren Unfall nahm seine Karriere jedoch eine grundlegende Wendung. An das sportliche Niveau seiner erfolgreichsten Jahre konnte er seitdem nicht mehr anknüpfen.
Für Netcompany INEOS ist Bernal weiterhin ein wichtiger Fahrer mit großem Wert innerhalb der Mannschaft. Sein aktuelles Gehalt spiegelt allerdings zu einem beträchtlichen Teil den Status wider, den er sich mit seinen früheren Erfolgen erarbeitet hat – und weniger seine derzeitige sportliche Stellung im Peloton.
8. Adam Yates – 2,7 Millionen Euro
Adam Yates verdient geschätzte 2,7 Millionen Euro pro Jahr und liegt damit knapp vor Rodriguez und Bernal. Der Brite ist nach wie vor ein Fahrer von höchster Qualität und zählt zu den wertvollsten Edelhelfern im Peloton. Seit seinem Wechsel zu UAE hat sich seine Rolle jedoch deutlich verändert.
Statt selbst vorrangig als Kapitän mit Ambitionen bei Grand Tours aufzutreten, stellt Yates seine Fähigkeiten zunehmend in den Dienst der Superstars seiner Mannschaft. Gerade in den entscheidenden Rennphasen kann er dabei einen Unterschied machen.
Bei UAE besitzt ein Fahrer mit diesem Profil enormen Wert. Dennoch bietet sich ein interessanter Vergleich an: Während Isaac del Toro inzwischen neben Tadej Pogacar Führungsverantwortung übernimmt, hat sich Yates immer stärker zu einem Fahrer entwickelt, dessen Aufgaben auf die Interessen des Teams und seiner Kapitäne ausgerichtet sind.
7. Tom Pidcock – 2,7 Millionen Euro
Mit einem geschätzten Jahresgehalt von 2,7 Millionen Euro liegt Tom Pidcock auf demselben Niveau wie Adam Yates. Der Brite zählt zu den vielseitigsten Fahrern des Pelotons, weshalb sich sein sportlicher Wert längst nicht ausschließlich an seinen Leistungen bei Grand Tours bemisst. Seine Fähigkeit, sowohl in den Bergen als auch bei Klassikern und in unterschiedlichen Rennformaten auf höchstem Niveau zu überzeugen, erklärt seine Position unter den bestbezahlten Profis.
Darüber hinaus spiegelt sein Gehalt auch das kommerzielle und sportliche Potenzial eines Fahrers wider, der mit seiner markanten Persönlichkeit und seinem außergewöhnlich vielseitigen Profil eine besondere Stellung im Radsport einnimmt.
Tom Pidcock zählt mit einem geschätzten Jahresgehalt von 2,7 Millionen Euro zu den bestbezahlten Fahrern im Peloton und überzeugt mit seiner außergewöhnlichen Vielseitigkeit.
6. Primoz Roglic – 4 Millionen Euro
Mit Primoz Roglic erreicht die Rangliste eine deutlich höhere Gehaltsklasse. Der Slowene verdient geschätzte vier Millionen Euro pro Jahr – eine Summe, die dem Status und der außergewöhnlichen Karriere eines der prägendsten Fahrer seiner Generation entspricht.
Roglic hat Grand Tours gewonnen, bei einigen der bedeutendsten Rennen des Kalenders triumphiert und sich über viele Jahre als einer der größten Konkurrenten der weltbesten Fahrer etabliert.
Auch wenn sich Roglic inzwischen in einer anderen Phase seiner Karriere befindet als noch vor einigen Jahren, besitzt er weiterhin enormen sportlichen Wert als Kapitän und Anwärter auf Grand-Tour-Erfolge. Dass mit ihm nach wie vor zu rechnen ist, stellt er auch bei der Vuelta a Espana 2026 unter Beweis.
Primoz Roglic gehört mit einem geschätzten Jahresgehalt von vier Millionen Euro zu den Topverdienern im Peloton und kämpft auch bei der Vuelta a Espana 2026 um den Gesamtsieg.
5. Wout van Aert – 4 Millionen Euro
Auch
Wout van Aert kommt auf ein geschätztes Jahresgehalt von vier Millionen Euro. Der Belgier zählt zu den komplettesten und bekanntesten Fahrern der Welt. Seine Fähigkeit, bei Klassikern, im Zeitfahren, in Sprints, auf Bergetappen und bei Grand Tours konkurrenzfähig zu sein, macht sein Gehalt zu einer Investition, deren Wert sich längst nicht ausschließlich an Siegen bemisst. Van Aert kann in unterschiedlichsten Rennsituationen eine entscheidende Rolle spielen.
Gerade diese außergewöhnliche Vielseitigkeit ist einer der Hauptgründe dafür, dass Van Aert in diese Gehaltsklasse gehört. In diesem Jahr gewann er Paris-Roubaix und dominiert die Vuelta a Espana. Der Belgier gehört damit weiterhin zur absoluten Spitze des Sports und rechtfertigt jeden Euro, den Visma - Lease a Bike in ihn investiert.
4. Mathieu van der Poel – 4 Millionen Euro
Auch Mathieu van der Poel verdient geschätzte vier Millionen Euro pro Jahr. Der Niederländer ist einer der größten Stars des Weltradsports und seit Jahren eine der prägenden Figuren bei den Klassikern. Zwar gelang ihm 2026 kein Sieg bei einem Monument, dennoch mischte er bei den wichtigsten Rennen regelmäßig im Kampf um die Spitzenplätze mit. Auch bei der Tour de France gehörte er zu den bestimmenden Akteuren – insbesondere mit seinem Sieg auf der Schlussetappe in Paris.
Darüber hinaus zählt Van der Poel zu den größten medialen Zugpferden des Radsports. Auch diese enorme öffentliche Strahlkraft ist ein Faktor, der die hohen Gehälter der absoluten Topstars erklärt.
3. Jonas Vingegaard – zwischen 4,5 und 5 Millionen Euro
Jonas Vingegaard belegt mit einem geschätzten Jahresgehalt zwischen 4,5 und fünf Millionen Euro den dritten Platz der Rangliste.
Der Däne hat sich zu einem der dominierenden Grand-Tour-Fahrer seiner Generation entwickelt. Sein Marktwert ist unmittelbar mit seiner Position als unangefochtener Kapitän von Visma - Lease a Bike verbunden. In diesem Jahr komplettierte Vingegaard mit seinem Gesamtsieg beim Giro d'Italia die Triple Crown und gewann damit auch jene Grand Tour, die bislang noch in seinem Palmarès gefehlt hatte. Bei der Tour de France verhinderte anschließend Pech ein weiteres Topresultat: Ein Sturz kostete ihn den zweiten Gesamtrang und führte zudem zu Verletzungen.
Insbesondere die Duelle mit Tadej Pogacar haben Vingegaard und den Slowenen zu den maßgeblichen Rundfahrern der vergangenen Jahre gemacht. Beim Gehalt besteht zwischen den beiden allerdings weiterhin ein deutlicher Unterschied.
2. Remco Evenepoel – 6,6 Millionen Euro
Remco Evenepoel ist mit einem geschätzten Jahresgehalt von 6,6 Millionen Euro der zweitbestbezahlte Fahrer der Welt.
Der Belgier vereint nahezu alle Qualitäten, nach denen die Topteams im modernen Radsport suchen: Er kann Grand Tours, Weltmeisterschaften, Zeitfahren und Klassiker gewinnen und verfügt gleichzeitig über ein enormes internationales Profil.
Bei Red Bull - BORA - hansgrohe weiß man um das Potenzial eines Fahrers, der den Radsport mittel- und langfristig entscheidend prägen kann. In diesem Jahr belegte Evenepoel den zweiten Gesamtrang bei der Tour de France und feierte darüber hinaus mehrere bedeutende Siege. Bei der Grande Boucle gewann er zwei Etappen, außerdem triumphierte er beim Amstel Gold Race und bei der Clasica de San Sebastian. Nun richtet der Belgier seinen Fokus auf die Weltmeisterschaften und Il Lombardia als seine großen verbleibenden Saisonziele.
1. Tadej Pogacar – zwischen 8 und 8,4 Millionen Euro
An der Spitze der Gehaltsrangliste steht einmal mehr Tadej Pogacar. Mit geschätzten acht bis 8,4 Millionen Euro pro Jahr liegt der Slowene deutlich vor dem restlichen Peloton – eine Bezahlung, die seinen außergewöhnlichen Status im Weltradsport widerspiegelt. Pogacar kann Grand Tours, Monumente und Klassiker gewinnen und zählt bei nahezu jedem Rennen, bei dem er an den Start geht, zu den absoluten Topfavoriten.
Der finanzielle Abstand zur Konkurrenz ist beträchtlich. Selbst gegenüber Remco Evenepoel auf Rang zwei verdient Pogacar geschätzt noch einmal rund 1,4 bis 1,8 Millionen Euro mehr pro Jahr.
In diesem Jahr gelang es ihm allerdings nicht, die Triple Crown zu komplettieren. Ein Sturz auf der 8. Etappe der Vuelta a Espana zwang Pogacar zur Aufgabe. 2026 wird er keine weiteren Rennen mehr bestreiten und verpasst damit die Weltmeisterschaften, die Europameisterschaften in Slowenien sowie Il Lombardia. An seinem außergewöhnlichen Stellenwert ändert das jedoch nichts: Pogacar rechtfertigt weiterhin jeden Euro seines Gehalts. Er ist der Beste der Geschichte und stellte in diesem Sommer den Rekord für die meisten Tour-de-France-Siege ein.
Die 10 bestbezahlten Radprofis 2026
| Position | Fahrer | Team | Geschätztes Gehalt 2026 |
| 1 | Tadej Pogacar | UAE Team Emirates XRG | 8–8,4 Mio. € |
| 2 | Remco Evenepoel | Soudal Quick-Step | 6,6 Mio. € |
| 3 | Jonas Vingegaard | Visma | Lease a Bike | 4,5–5 Mio. € |
| 4 | Mathieu van der Poel | Alpecin-Premier Tech | 4 Mio. € |
| 5 | Wout van Aert | Visma | Lease a Bike | 4 Mio. € |
| 6 | Primoz Roglic | Red Bull-BORA-hansgrohe | 4 Mio. € |
| 7 | Tom Pidcock | Q36.5 Pro Cycling Team | 2,7 Mio. € |
| 8 | Adam Yates | UAE Team Emirates XRG | 2,7 Mio. € |
| 9 | Egan Bernal | Netcompany INEOS Grenadiers | 2,5 Mio. € |
| 10 | Carlos Rodríguez | Netcompany INEOS Grenadiers | 2,5 Mio. € |