Andreas Leknessund war ohne Zweifel einer der prägenden Namen des Giro d’Italia 2026. Mit seinem offensiven Rennstil zeigte sich der norwegische Meister fast jeden zweiten Tag an der Spitze des Rennens. Und als ehemaliger Giro-Achter ist Leknessund längst kein Neuling mehr: Er mischte häufig im Kampf um den Sieg mit und beendete die Rundfahrt letztlich mit drei zweiten Plätzen – jedoch ohne Triumph.
Dennoch war der 27-Jährige die Leitfigur von
Uno-X Mobility, trotz
Fredrik Dversnes’ überraschendem Etappensieg. Entsprechend wenig überrascht es, dass nach Dversnes’ Vertragsverlängerung nun auch Leknessund beim norwegisch-dänischen Projekt bleibt. Er verlängerte seinen Vertrag bis 2029.
„Uno-X fühlt sich für mich wirklich wie zu Hause an. Ich war hier zwei Jahre im Development-Team, wurde Profi und bin schließlich zurückgekehrt. Ich bin sehr glücklich über die Chancen, die ich in diesem Team bekomme, und es gibt niemanden, für den ich lieber fahren würde als dieses norwegisch-dänische Projekt“, sagt Leknessund.
Eine leichte Entscheidung
Seit seiner Zeit bei Team DSM steht Leknessund auch bei großen Teams auf dem Zettel und hatte folglich mehrere Angebote auf dem Tisch. Doch keines kam auch nur annähernd an das heran, was Uno-X Mobility einzigartig macht – das Zuhause-Gefühl.
„Ehrlich gesagt war es eine ziemlich einfache Entscheidung“, erklärt Leknessund. „Ich hatte den klaren Wunsch zu bleiben. Uno-X hat eine einzigartige Kultur. Wir sind ein skandinavisches Team, und das schafft eine ganz besondere Atmosphäre. Viele Leute sind schon lange hier, und ich habe das Gefühl, gemeinsam mit dem Projekt gewachsen zu sein – auch wenn ich drei Jahre weg war. Es ist spannend weiterzumachen und zu sehen, wie weit wir das zusammen tragen können.“
Andreas Leknessund bei der Vuelta a Andalucia 2026
Mehr Potenzial
In den vergangenen Jahren hat sich Leknessund vor allem als Ausreißer-Spezialist profiliert und sich damit von der Idee entfernt, der Gesamtkandidat zu sein, als den ihn frühere Sportliche Leiter bei Team DSM sahen. Allerdings bleiben die Siege hinter seinen Ansprüchen zurück. Daher betont er, dass sich sein Fahrertyp in den nächsten Jahren weiterentwickeln könnte.
„Nein, ich glaube nicht, dass ich mich als Fahrer schon vollständig gefunden habe. Ich versuche immer noch herauszufinden, was ich sein möchte. Vielleicht bin ich ein bisschen ein Allrounder. Ich habe Schwächen, aber meine größte Stärke ist wahrscheinlich, dass ich insgesamt ziemlich stark bin. Wenn diese Stärke zur Geltung kommt, fühle ich mich gut“, sagt er.
Diese Stärke hat ihn weit gebracht. Doch Leknessund weiß auch, woran er weiter arbeiten will. „Vielleicht geht es darum, öfter einen zweiten Platz in einen Sieg zu verwandeln. Davon habe ich einige. Vielleicht brauche ich etwas mehr Zynismus und muss öfter zocken, Dinge auch mal anders lösen als nur mit reiner Power und Stärke.“
„Seit ich schnell fahre und Siege hole, bin ich meist solo im Ziel angekommen oder in Zeitfahren stark gewesen. Meine Spezialität war ohne Zweifel, den Leuten wegzufahren. Aber die Breite in jedem Rennen ist heute so groß, dass man nicht mehr einfach alle vom Hinterrad fahren kann. Ich muss vielleicht andere Wege finden, zweite Plätze in Siege zu drehen und häufiger zu gewinnen“, sagt er.