Mads Pedersen, der überraschende Weltmeister von Yorkshire 2019, inzwischen einer der besten Klassiker-Spezialisten und Sprinter im Peloton, führt aktuell
die Tour de France an. In einem offenen Interview sprach der
Lidl-Trek-Profi über Rücktrittsgedanken, Familienpläne und die Ziele, die er sich bis dahin gesetzt hat.
Pedersen will weiterhin das grüne Trikot der Tour und ein Monument
Darüber hat der Däne in der Vergangenheit selten öffentlich gesprochen. Im TV2-Interview macht er jedoch klar, dass der Gedanke nicht verdrängt ist. Pedersen hat einen Zeitpunkt im Kopf, an dem das Rad an den Nagel zu hängen ideal wäre.
„Für mich wäre es ein besonderer Ort, meine Karriere zu beenden. Der Plan ist, nach den Weltmeisterschaften in Kopenhagen meine Radsportkarriere zu beenden“, erklärte er dem dänischen Sender. Das wäre 2029, wenn sein Heimatland – wie schon 2011 – die Weltmeisterschaften ausrichtet.
„Alles hat ein Ende. Für mich ist der Moment gekommen, wenn ich nicht mehr um den Sieg kämpfen kann. Dann gehöre ich hier nicht mehr hin“.
Ein Fahrer mit Siegermentalität, seit jungen Jahren ein Anführer – so möchte er in Erinnerung bleiben. „Es wäre für mich sehr schwierig, mich als Fahrer zu verändern, vom Anführer und Gewinner zu jemandem, der immer nur hilft.“
Das ist nicht in Stein gemeißelt, doch es ist gut möglich, dass am Ende der 2020er auch seine Karriere endet. Zuvor will er jedoch noch das Grüne Trikot der
Tour de France gewinnen – das er derzeit auf der 12. Etappe der Grand Boucle trägt – und ein Monument.
„Die Leute sollen nicht denken, ich hätte meinen Rücktritt schon durchgeplant und wüsste, was ich danach mache. Ich bin noch in der Blase, in der sich alles um das Grüne Trikot und dieses verdammte Monument dreht, das mir fehlt. Und wenn ich ein Monument gewonnen habe, will ich das nächste.“
Aktuell im Grünen Trikot: Mads Pedersen könnte eines seiner größten Karriereziel erreichen
Der Wunsch nach Familie verändert Pedersens Blickwinkel
Ein weiterer Aspekt hat jedoch seinen Blick auf einen möglichen Rücktrittszeitpunkt verschoben. Profiradsport ist terminlich extrem fordernd, Fahrer sind jedes Jahr über Monate bei Rennen und Trainingslagern von zu Hause weg.
Pedersen erklärt, dass er wohl erst nach dem Abschied aus dem Peloton Vater werden möchte, nachdem er die Folgen der Belastung bei Kollegen miterlebt hat.
„Das zehrt am Körper. Ich habe auch eine Ehefrau zu Hause, und irgendwann wollen wir eine Familie gründen. Wir kommen in ein Alter, in dem das passieren wird.“
„Ich hatte früher Teamkollegen, die Probleme im Familienleben hatten, vielleicht weil der Vater nie zu Hause war. Das hat mich damals getroffen, und ich möchte nicht in derselben Situation enden“, gibt er zu.
Sportliche und persönliche Gründe werden also letztlich zusammenkommen, wenn das Karriereende ansteht. „Ich würde meine Karriere lieber etwas früher beenden und eine Familie gründen, denn das Leben ist lang“, sagt er unverblümt.
Das ist jedoch keineswegs ein Grund, jetzt Tempo herauszunehmen. „Ich habe schon viel von dem erreicht, was ich im Sport wollte. Und ich glaube, dass ich die letzten Dinge ebenfalls noch schaffe, bevor ich aufhöre.“