„Der Mut war da, aber die Beine nicht“: Christian Scaroni verpasst bei der EM knapp das Podium
Radsport
Cristian Scaroni ist einer der Hauptgründe dafür, dass XDS Astana auch in den kommenden drei Jahren Teil der WorldTour bleibt. Der Italiener, dessen Karriere vor drei Jahren beinahe mit der Auflösung von Gazprom endete, hat seine Grenzen verschoben und seine UCI-Punkte im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht – ein entscheidender Beitrag zum sportlichen Überleben des kasachischen Teams.
Eine besonders süße Belohnung für diese Entwicklung war seine erstmalige Nominierung für die italienische Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft – ein Rennen, bei dem ihm nur wenig zu einer Medaille fehlte.
„Ich habe einen bitteren Geschmack im Mund und versuche, das Positive mitzunehmen“, sagte Scaroni im Gespräch mit bici.pro. „Hinter Pogacar und Evenepoel wäre es ohnehin schwer geworden. Aber einer musste Vierter werden – und das war diesmal ich.“
Vor dieser Saison war Scaroni nie für eine große Meisterschaft seines Landes berücksichtigt worden. Doch nach einem Durchbruchsjahr mit fünf Siegen avancierte der 27-Jährige plötzlich zum Anführer Italiens bei den kontinentalen Titelkämpfen.
Die bergige Strecke kam ihm entgegen. Den Anstieg zum Val d’Enfer kannte er bereits von den Faun-Ardèche Classics im März, wo er Fünfter geworden war – eine Referenzleistung, die seine Nominierung praktisch besiegelte.
„Ich war zu Beginn der Saison schon auf der EM-Strecke unterwegs“, erinnert sich Scaroni. „Es war fast dasselbe Rennen – nur etwas weniger hart. Der lange Anstieg war halb so lang und, glaube ich, viermal weniger steil“, scherzte er.

Cristian Scaroni war am vergangenen Sonntag nicht weit davon entfernt, neben Pogacar und Evenepoel zu stehen
Der Trainerstab der italienischen Nationalmannschaft entschied sich, die Verantwortung zu teilen: Giulio Ciccone sollte in Kigali starten, während Cristian Scaroni die Führung in Ardèche übernahm – eine Lösung, die alle zufriedenstellte.
„Ich habe mit (Maurizio) Mazzoleni darüber gesprochen“, erklärt Scaroni. „Als ich erfuhr, dass die Europameisterschaften auf dieser Strecke stattfinden würden – einer Route, die perfekt zu meinen Stärken passt – begann ich ernsthaft, dieses Ziel zu verfolgen. Ich hatte zwar auch die Weltmeisterschaften im Blick, aber mir war klar, dass ich mich nicht optimal auf die EM vorbereiten könnte, wenn ich nach Ruanda gereist wäre.“
Als die Medaille am Horizont verschwand
Im weiteren Verlauf des Rennens kristallisierte sich im Kampf um den letzten Podiumsplatz ein Trio heraus: Juan Ayuso, Paul Seixas und Cristian Scaroni. Während vorne Pogacar und Evenepoel der Konkurrenz Minuten abnahmen, blieb der Kampf um Bronze lange offen – keiner wollte zu früh angreifen und riskieren, vor dem Finale einzubrechen. Die Entscheidung fiel schließlich auf dem letzten Anstieg im Val d’Enfer.
„Wir waren völlig erschöpft, nachdem wir zu viert über 110 Kilometer gefahren waren“, erinnert sich Scaroni. „Dann griff Remco an, und wir drei waren am Limit. Am Anstieg fiel Ayuso zurück, und auch ich kämpfte schon. Aber mit der Kraft meines Stolzes sagte ich mir, dass ich durchhalten musste, denn weiter oben wurde die Steigung etwas flacher – da habe ich wohl zum ersten Mal überdreht.“
„Ich konnte nur kurz durchatmen, und als Seixas mich wieder stehen ließ, versuchte ich zu reagieren. Doch 50 Meter vor der Bergwertung musste ich mich setzen, und meine Beine machten komplett zu. Schade – er kam nur zehn Meter vor mir über die Kuppe. Der Mumm war noch da, aber die Beine nicht mehr.“
Das Positive am Ergebnis
Dennoch konnte sich Scaroni eindrucksvoll gegen einige der besten Fahrer Europas behaupten. Am Ende musste er sich nur den Superstars Tadej Pogacar und Remco Evenepoel sowie dem aufstrebenden Talent Paul Seixas geschlagen geben – und das nach über fünf Stunden Rennzeit um kaum zehn Meter.
„Was mir am meisten im Gedächtnis bleibt, ist, dass ich mir selbst und allen anderen erneut bewiesen habe, dass ich auf bestimmten Strecken, wenn ich gut in Form bin und mich gezielt vorbereite, mit jedem mithalten kann“, sagte Scaroni. „Natürlich tut es weh, so knapp an einer Medaille vorbeizugehen. Aber so ist der Sport – man muss das Positive sehen. Was wir als Nationalmannschaft geleistet haben, war wichtig und darauf können wir stolz sein.“
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- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









