Ohne Tom Pidcock auf der Startliste geht das Q36.5 Pro Cycling Team mit einer ganz anderen Identität als noch zu Saisonbeginn erwartet in den
Giro d’Italia 2026.
Statt um einen klaren Aushängesportler oder Gesamtkampf-Ambitionen herum zu bauen, scheint das Schweizer Team auf einen offenen, aggressiven Ansatz zu setzen: Etappenjagd, opportunistisches Racing und selektive Finals, wie sie Fahrern vom Typ
Fabio Christen liegen.
Der 23-jährige Schweizer gibt sein Giro-Debüt in Bulgarien und sieht die drei Wochen als große Chance.
„Mein erster Giro und insgesamt meine zweite Grand Tour“, sagte Christen in einer Teammitteilung vor dem Start. „Das ist natürlich etwas ganz Besonderes, und die Vorfreude ist riesig. Ich bin froh, hier zu sein, und bereit, das Rennen Tag für Tag anzugehen – immer auf der Suche nach Möglichkeiten, die zu meinen Eigenschaften passen.“
Kein GC-Leader, viel Freiheit
Christen benannte auch offen die taktische Ausgangslage des Teams vor dem Giro. „Wir haben keinen klaren GC-Leader, deshalb wird es viel Freiheit geben, Etappen anzuvisieren, die uns liegen, und um Resultate zu kämpfen.“
Dieser Ansatz spiegelt ein breiteres Muster bei mehreren Teams in diesem Jahr. Mit Jonas Vingegaard und Team Visma | Lease a Bike als haushohe Favoriten auf die Maglia Rosa nach den Ausfällen von Joao Almeida, Richard Carapaz und Mikel Landa richten viele Mannschaften ihren Fokus auf Etappensiege und offensives Racing.
Für Q36.5 passt diese Philosophie sowohl zum Kader als auch zum Charakter der Giro-Strecke 2026.
Warum dieser Giro Fabio Christen liegen könnte
Das Rennen bietet zahlreiche explosive und selektive Etappen statt reiner Bergankünfte – ein Profil, das Christens Entwicklung entgegenkommt. „Ich kann reduzierte Sprints anvisieren“, erklärte er.
Dieses Detail könnte in den kommenden Wochen entscheidend sein. Christen, der ältere Bruder von Jan Christen, der dieses Jahr ebenfalls mit UAE Team Emirates - XRG den Giro bestreitet, hat sich stetig zu einem der interessanteren, punchigen Etappenjäger im Peloton entwickelt: stark im schweren Terrain und mit einem schnellen Finish aus kleineren Gruppen.
Der Giro-Kurs enthält mehrere Abschnitte, die genau diesen Fahrertyp belohnen könnten, besonders im Mittelgebirge und an den aggressiven Übergangstagen der ersten zwei Wochen.
„Jeder Tag ist eine Chance“
Q36.5s Ziele für das Rennen formulierte auch Christen klar. „Unser Ziel beim Giro ist eindeutig, um einen Etappensieg zu kämpfen“, sagte er. „Jeder Tag ist eine Chance. Mit Matteo haben wir einen Fahrer für Massensprints, ich kann reduzierte Sprints anpeilen, und wir haben starke Kletterer, die in den Bergen Top-Ten-Ergebnisse holen können.“
Diese Mischung eröffnet dem Team mehrere taktische Wege ins Rennen, statt es auf eine einzige Strategie festzulegen. Ohne Pidcock rückt das Spotlight automatisch anderswohin. Doch anstatt geschwächt oder orientierungslos zu wirken, dürfte Q36.5 zu einer der unberechenbareren und aggressiveren Mannschaften im Feld werden.
Und für Fabio Christen bietet der Giro nun die bislang größte Chance seiner Karriere, diese Freiheit in Ergebnisse zu verwandeln.