Während nahezu alle anderen Topfavoriten für die bevorstehende
Weltmeisterschaft einen anderen Weg gewählt haben, setzt
Mathieu van der Poel in seiner unmittelbaren Vorbereitung auf die Tour de Luxembourg. Die Entscheidung des Niederländers ist allerdings keineswegs zufällig, sondern Teil eines sorgfältig geplanten Programms, mit dem er bereits in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht hat.
„Ich habe gute Erinnerungen an die Tour de Luxembourg vor zwei Jahren“, erklärte Van der Poel vor dem Start. Damals belegte er den zweiten Gesamtrang, gewann eine Etappe und nahm anschließend eine starke Form mit zur Weltmeisterschaft in Zürich.
Gute Erinnerungen an den letzten WM-Test in Luxemburg
„Ich habe eine Etappe gewonnen, war noch ein paar Mal nah dran und wurde am Ende Gesamtzweiter. Wichtiger ist, dass ich anschließend eine gute WM in Zürich hatte – das hat gezeigt, dass dieses Rennen eine sehr gute Schlussvorbereitung ist“, erinnerte sich Van der Poel.
Mathieu van der Poel nutzt die Tour de Luxembourg als letzten Formtest vor der Weltmeisterschaft in Montreal und setzt damit erneut auf eine Vorbereitung, die sich bereits 2024 bewährt hat.
Bei jener Weltmeisterschaft fuhr der Niederländer in der Schweiz auf den dritten Platz. Der damalige Kurs stellte ähnlich hohe Anforderungen an die Kletterqualitäten wie die Strecke, die das Peloton in zwei Wochen in Montreal erwartet.
Auch diesmal dürfte die Fähigkeit, wiederholte Anstiege zu überstehen, eine entscheidende Voraussetzung im Kampf um das Regenbogentrikot sein. Van der Poel gehört als Puncheur und Klassikerspezialist innerhalb des Kreises der großen Namen zu den explosiveren und kraftvolleren Fahrertypen.
Selbst in Abwesenheit von Tadej Pogacar wird Van der Poel deshalb seine bestmögliche Form an den Anstiegen benötigen – und möglicherweise auch mit einem etwas niedrigeren Wettkampfgewicht als gewöhnlich antreten müssen –, um bis tief ins Finale um den großen Sieg kämpfen zu können.
Die fünftägige Tour de Luxembourg soll dafür den letzten entscheidenden Trainingsreiz liefern. Mit einem Einzelzeitfahren und vier explosiven, hügeligen Etappen bietet die Rundfahrt Van der Poel genau jene Belastungen, die er vor seiner Reise nach Montreal noch einmal unter Rennbedingungen absolvieren möchte.
Der Gegenentwurf zur Vorbereitung der Konkurrenz
Die meisten seiner Konkurrenten haben sich anders auf die Weltmeisterschaft vorbereitet. Viele absolvierten zunächst ein Höhentrainingslager und bestritten anschließend am vergangenen Wochenende die beiden kanadischen Klassiker. Paul Seixas, Isaac del Toro und Remco Evenepoel sind prominente Beispiele für diesen Weg.
Andere kommen mit einer kompletten Grand Tour in den Beinen aus der Vuelta a Espana. Dazu zählt Wout Van Aert, aber auch Fahrer wie Enric Mas, Primoz Roglic, Richard Carapaz und Oscar Onley haben ihre unmittelbare WM-Vorbereitung über die Spanien-Rundfahrt gestaltet.
Tom Pidcock stellt möglicherweise die andere große Ausnahme dar. Ähnlich wie Van der Poel konzentrierte sich der Brite zunächst auf die Mountainbike-Weltmeisterschaft – und gewann dort den Titel. Vor seiner Reise nach Kanada feierte Pidcock außerdem einen Sieg beim GP Industria & Artigianato.
Van der Poel hingegen bestreitet als einziges Straßenrennen vor der Weltmeisterschaft die Tour de Luxembourg. „Ich habe das Gefühl, dass sie in diesem Jahr denselben Zweck vor der WM in Kanada erfüllen kann.“
Vor allem nach seinem jüngsten Mountainbike-Block sieht der Niederländer noch Bedarf an intensiven Rennkilometern auf der Straße. „Nach meinem Mountainbike-Block kann ich definitiv etwas Rennrhythmus und wettkampfharte Kilometer auf der Straße gebrauchen. Das ist hier mein Hauptziel.“
Van der Poel ist die klare Nummer eins der Niederlande
Bei der Weltmeisterschaft selbst wird es innerhalb der niederländischen Mannschaft keine Diskussion über die Hierarchie geben. Mit Fahrern wie Bart Lemmen und Bauke Mollema als wichtigsten Helfern muss Van der Poel die Kapitänsrolle mit niemandem teilen. Er ist die klare niederländische Hoffnung im Kampf um das Regenbogentrikot.
Umso genauer dürfte in dieser Woche auf seine Auftritte in Luxemburg geschaut werden. Die Tour de Luxembourg ist Van der Poels einziger Formtest auf der Straße unmittelbar vor der Weltmeisterschaft, auch wenn das Starterfeld der Rundfahrt im Vergleich zu den größten WorldTour-Rennen überschaubar ist.
Dabei geht es dem Niederländer in erster Linie um Rennrhythmus und die nötige Belastung vor Montreal. Sollte sich unterwegs jedoch eine Gelegenheit auf einen Sieg ergeben, will er diese keineswegs verstreichen lassen.
„Natürlich nehme ich jede Chance auf einen Etappensieg mit. Ein Erfolg wäre ein schönes Extra und könnte mir vor der Reise nach Kanada zusätzliches Selbstvertrauen geben“, erklärte Van der Poel.