„Das Geräusch dieses Sturzes wird Albträume auslösen“ – Thymen Arensman spricht über die mentalen Folgen des Giro-Horror-Sturzes

Radsport
Sonntag, 10 Mai 2026 um 12:30
Thymen Arensman
Thymen Arensman verließ die 2. Etappe des Giro d’Italia in starker Gesamtwertungslage, doch der Netcompany Ineos-Profi räumte ein, dass Geräusch und Ausmaß des Massensturzes auf dem Weg nach Veliko Tarnovo dem Peloton noch lange nachgehen werden.
Der Niederländer entging dem Schlimmsten des riesigen Sturzes, der das Feld vor dem Schlussanstieg zerriss, da INEOS auf der rechten Straßenseite positioniert war, während andernorts Fahrer schwer zu Boden gingen. Arensman erreichte später die erste Gruppe und rückte auf Gesamtrang vier vor, Teamkollege Egan Bernal kletterte nach Zeitbonifikationen auf Platz drei.
Auf dem Papier war es ein sehr guter Tag für INEOS. In der Realität prägte das Geschehen hinter und um ihn herum Arensmans erste Reaktion.
„Dieses Geräusch des Sturzes wird Albträume verursachen“, schrieb Arensman in seinem Strava-Post nach der Etappe. „Ich hoffe, allen geht es den Umständen entsprechend gut.“

INEOS entkommt, während sich das Giro-Desaster entfaltet

Der Sturz ereignete sich auf nasser Fahrbahn rund 25 Kilometer vor dem Ziel, noch vor dem Schlussanstieg zum Lyaskovets-Kloster. Er erzwang eine vorübergehende Neutralisation und ließ mehrere Teams schon vor dem Re-Start die Verluste bilanzieren.
UAE Team Emirates - XRG erwischte es besonders hart: Jay Vine und Marc Soler wurden ins Krankenhaus gebracht, Adam Yates verlor später viel Zeit und gab vor der 3. Etappe auf. Auch Santiago Buitrago musste aufgeben und wurde ins Krankenhaus gebracht, während Andrea Vendrame später mit Frakturen von drei Querfortsätzen im unteren Rücken ausschied.
Arensman und Bernal gehörten zu den Fahrern, die dem Zwischenfall entkamen, und INEOS verwandelte dieses Glück schnell in sportlichen Ertrag. Bernal holte nach der Neutralisation sechs Bonussekunden am Red Bull-Kilometer, Arensman nahm vier mit – beide rückten damit früh in aussichtsreiche GC-Positionen.
Arensman betonte jedoch, wie groß der Anteil des Zufalls war. „Wir hatten Glück, dass wir auf der rechten Straßenseite waren, aber es hätte genauso gut andersherum sein können“, sagte er zu In de Leiderstrui.

„Es ist so ein harter Sport“

Auffällig an Arensmans Reaktion war der Fokus auf die psychologischen Folgen des Sturzes – nicht nur auf die physischen Verletzungen der Gestürzten.
Grand-Tour-Fahrer sind darauf konditioniert, weiterzumachen. Das zeigte sich auf der 2. Etappe erneut: Nach dem Re-Start kehrte das Feld sofort in den Kampf um Positionen vor dem Schlussanstieg zurück. Arensman deutete jedoch an, dass sich der emotionale Eindruck eines solchen Crashs nicht einfach abschütteln lässt. „Es ist so ein harter Sport“, sagte er. „Wenn du nach so einem Sturz mit Angst auf dem Rad bleibst, hängst du im Nu hinten drin und bist erledigt. Dann kannst du deine Ambitionen für die Gesamtwertung einpacken.“
Dieser Satz brachte den brutalen Widerspruch der zweiten Giro-Etappe auf den Punkt. Fahrer sahen Freunde, Teamkollegen und Rivalen am Asphalt liegen, doch wer im Rennen blieb, musste fast sofort wieder in den Überlebensmodus schalten.
Für Arensman war das Resultat wertvoll. Für das Peloton könnten die Schäden der 2. Etappe weit über die offiziellen Ärzteberichte hinausreichen.
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