„Entweder Riccò oder ich“: Teamarzt enthüllt, wie Patrick Lefevere beinahe den umstrittensten Kletterer des Radsports verpflichtet hätte

Radsport
Sonntag, 10 Mai 2026 um 8:00
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Hinter den verschlossenen Türen der erfolgreichsten Radsportteams kochen die Spannungen oft hoch – selbst unter engsten Verbündeten. Über Jahrzehnte setzte Soudal - Quick-Step, historisch von Patrick Lefevere geführt, auf die medizinische Expertise von Dr. Yvan Vanmol. Doch die langjährige Partnerschaft blieb nicht ohne heftige Auseinandersetzungen.
In einem aktuellen Podcast schilderte der erfahrene Teamarzt, wie nahe er daran war, die Organisation wegen der möglichen Verpflichtung des in Ungnade gefallenen Italieners Riccardo Riccò zu verlassen, und beleuchtete zugleich die massiven internen Reibungen rund um Tom Boonens berüchtigte Eskapaden abseits des Rads.

Kein Platz für „Ja-Sager“

Im Gespräch im Stamcafé Koers Podcast sprach Vanmol offen über sein Arbeitsverhältnis mit Lefevere. Der Teamarzt räumte ein, dass beide regelmäßig bei wichtigen Entscheidungen aneinandergerieten, besonders in Krisenzeiten.
„Ja, wir haben uns regelmäßig gestritten“, erklärte Vanmol. „Zum Beispiel in den wenigen Fällen, in denen Tom Boonen das Team mit Kokainkonsum in Schwierigkeiten brachte. Ich stand immer auf Toms Seite, aber es hatte erhebliche Folgen für das Team. Wir haben deshalb Specialized als Sponsor verloren, wissen Sie.“
Die Differenzen betrafen auch die Transferpolitik der Mannschaft. Vanmol ist jedoch überzeugt, dass diese ständige Reibung am Ende förderlich für den Teamerfolg war. „Wir haben uns oft gestritten, aber es ist besser, Teil einer Organisation zu sein, in der jeder seine Meinung sagen kann, als sich nur mit Ja-Sagern zu umgeben.“
Riccò: Doping ruinierte seine Karriere
Riccardo Riccò wurde lebenslang wegen Dopings gesperrt

Das Ultimatum um Riccardo Riccò

Der kritischste Bruchpunkt ihrer Zusammenarbeit drehte sich um Riccardo Riccò. Der italienische Kletterer, dessen Karriere später durch mehrere schwere und lebensbedrohliche Dopingvergehen zerstört wurde, stand einem Wechsel zum belgischen Team äußerst nahe.
„Sowohl die Sponsoren als auch Patrick waren überzeugt, ihn zu holen. Ich glaube, es gab sogar einen Vorvertrag, denn Patrick ist nach Deutschland gereist, um zu unterschreiben“, verriet Vanmol.
Ohne Kompromissbereitschaft zog Vanmol beim umstrittenen Italiener eine klare Grenze. „Ich sagte: ‚Patrick, entweder Riccò oder Vanmol. Zusammen wird das nicht passieren.‘ Zum Glück hat er auf mich gehört, denn ein Jahr später war es ein riesiges Drama.“
Vanmols vehemente Ablehnung des Transfers stützte sich auf alarmierende Beobachtungen von Riccòs Verhalten im Peloton sowie höchst verdächtige medizinische Daten. Er erinnerte sich an einen besonders arroganten Auftritt bei der Österreich-Rundfahrt. Riccò fuhr zu einem seiner Fahrer und fragte spöttisch, ob mit dessen Kette etwas nicht stimme. Als der verdutzte Fahrer fragte, warum er das denke, grinste Riccò: „Weil ich die Kette nicht spüre.“
Über die blanke Arroganz hinaus waren es die harten medizinischen Daten, die Vanmol letztlich dazu brachten, die Verpflichtung zu blockieren. „Darauf habe ich sicher ein paar Mal hingewiesen, als ein Jahr später alles den Bach runterging“, sagte Vanmol mit Blick auf Riccòs anschließende, viel diskutierte Dopingaffären. „Seine Blutwerte schossen in alle Richtungen.“
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