Der
GP de Québec hat in diesem Jahr zusätzlich an Bedeutung gewonnen und dient den Fahrern als wichtiger Formtest auf dem Weg zu den Weltmeisterschaften in Kanada. Auf dem anspruchsvollen Rundkurs entwickelte sich ein taktisch geprägtes Rennen, bei dem einige Fahrer vom richtigen Timing profitierten, während andere den entscheidenden Moment verpassten.
Tom Pidcock,
Giulio Ciccone und
Anthon Charmig schilderten anschließend ihre Eindrücke.
Lidl-Trek ging mit einer der stärksten Mannschaften ins Rennen. Mit Ciccone, Quinn Simmons, Juan Ayuso, Derek Gee und Toms Skujins verfügte das Team gleich über mehrere potenzielle Siegfahrer. Diese personelle Tiefe ermöglichte es Lidl-Trek, zahlreiche Attacken abzudecken – darunter auch den entscheidenden Vorstoß von
Remco Evenepoel und Ciccone.
Evenepoel und Ciccone setzen sich entscheidend ab
Knapp 30 Kilometer vor dem Ziel löste sich das Duo vom Peloton. Dank der Arbeit von Lidl-Trek im Feld konnten Evenepoel und Ciccone ihren Vorsprung anschließend gemeinsam mit Anthon Charmig ausbauen, der zuvor Teil einer Ausreissergruppe gewesen war und nach deren Einholung an der Spitze blieb.
Remco Evenepoel schlägt Giulio Ciccone und gewinnt den GP de Québec.
Ciccone konnte sämtliche Attacken von Evenepoel parieren, doch der Olympiasieger machte an diesem Tag einen nahezu unschlagbaren Eindruck. So fiel die Entscheidung schließlich im Sprint. Obwohl Evenepoel zuvor einen deutlich größeren Anteil an der Führungsarbeit übernommen hatte – Ciccone konnte sich mit seinem herannahenden Teamkollegen Quinn Simmons im Rücken zurückhalten –, setzte sich der Fahrer von Red Bull - BORA - hansgrohe im direkten Duell durch und holte den Sieg.
„Ich war vorne mit Remco und habe wirklich gelitten, daher muss ich ihm gratulieren, denn er hat den Großteil der Arbeit gemacht“, sagte Ciccone nach dem Rennen. „Am Ende wurde ich Zweiter.“
Anthon Charmig begeistert mit Platz drei
Auch Anthon Charmig gehörte zu den großen Gewinnern des Tages. Der Däne belegte den dritten Platz und profitierte dabei von seiner offensiven Taktik. Charmig war Teil einer früheren Attacke gewesen und befand sich deshalb bereits an der Spitze des Rennens, als Evenepoel und Ciccone zu ihm aufschlossen.
Sein Erfolg war allerdings keineswegs nur das Ergebnis der richtigen taktischen Entscheidung. Charmig verfügte auch über die nötigen Beine, um das enorme Tempo an der Spitze mitzugehen. Kein anderer Fahrer konnte sich so lange bei Evenepoel und Ciccone halten. Erst am letzten Anstieg musste der Däne abreissen lassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich allerdings bereits einen ausreichend großen Vorsprung auf das Feld erarbeitet, um seinen Podiumsplatz bis ins Ziel zu verteidigen.
„Eigentlich war der Plan, ein wenig auf das Finale zu warten, aber ich sah, wie sich das Rennen entwickelte, und dann wusste ich, es geht nur darum, nach vorn zu kommen. Letztes Jahr habe ich etwas Ähnliches gemacht. Ich weiss, dass das ein guter Weg ist, dieses Rennen zu fahren, deshalb bin ich zufrieden“, erklärte Charmig.
An der Spitze versuchte der Däne zudem, Evenepoel zumindest zeitweise bei der Führungsarbeit zu unterstützen. „Ich habe einfach versucht, Remco ein bisschen zu helfen. Ich denke, er war mit Abstand der Stärkste. Ich habe vielleicht Zehn-Sekunden-Turns genommen, und er ist, keine Ahnung, jedes Mal ein paar Minuten gefahren“, sagte Charmig nach dem Rennen. Sein Fazit fiel entsprechend eindeutig aus: „Es war auf jeden Fall ein hochverdienter Sieg für ihn.“
Tom Pidcock verpasst den entscheidenden Zug
Hinter dem Spitzentrio mussten sich Paul Seixas, Isaac del Toro und Tom Pidcock damit abfinden, den entscheidenden Angriff verpasst zu haben. Evenepoel hatte den perfekten Moment für seinen Vorstoss erwischt. Pidcock verfügte zwar über starke Beine, konnte seine Form aber erst mit einer späten Attacke ausspielen und sicherte sich damit noch den vierten Platz.
„Ich habe mich heute wirklich gut gefühlt. Es war ein taktisches Rennen. Der Move, der wegkam, war anfangs ziemlich weich, wie es oft läuft, aber dann konnte ihn niemand mehr zurückholen“, erinnerte sich Pidcock und machte damit deutlich, wie unscheinbar die letztlich rennentscheidende Situation zunächst gewirkt hatte.
Trotz des verpassten Podiums bestätigte der Brite seine starke Form vor dem Rennen in Montreal, wo er in einem direkteren Duell der Favoriten erneut zu den Anwärtern auf den Sieg zählen wird. „Ich hatte gute Beine, aber taktisch war es heute immer schwierig“, fasste Pidcock seinen Auftritt in Québec zusammen.