„Bernard brach in Tränen aus, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte“: Prudhomme schildert, wie er Hinaults „sanfte“ Seite entdeckte

Radsport
Mittwoch, 01 Juli 2026 um 8:00
bernard hinault
Bernard Hinault braucht als fünffacher Tour-de-France-Sieger und letzter französischer Gewinner der Grande Boucle kaum eine Vorstellung. Sein Beitrag zum Erbe des Rennens endete jedoch nicht dort: Hinault blieb der Tour treu und übernahm Verantwortung in der Öffentlichkeitsarbeit und im Protokoll.
Das galt bis 2016, als „Der Dachs“ Tour-de-France-Direktor Christian Prudhomme mitteilte, dass die Tour jenes Sommers seine letzte in einer aktiven Rolle sein würde.
„Es war ein Uhr morgens, und im Auto sagte Bernard zu mir: ‚Ich bin gerade Großvater geworden, ich bin seit 40 Jahren auf der Straße unterwegs. Mein Großvater hat mir alles beigebracht, Großeltern sollen Dinge weitergeben… Das wird meine letzte Tour sein‘“, erinnert sich Prudhomme im Podcast Christian Prudhomme, Twenty years of Tears and Thrills.
Prudhomme selbst leitete zu diesem Zeitpunkt seit einem Jahrzehnt das größte Radrennen der Welt, doch von da an seinen engen Freund und die Legende des Sports nicht mehr an seiner Seite zu haben, war ein Schlag.

Eine neue Seite des Dachses

Die Entscheidung aufzuhören war nachvollziehbar, und Prudhomme nahm sie Hinault nicht übel. Stattdessen bereitete er seinem Kollegen auf der Schlussetappe dieser Ausgabe einen besonderen Abschied.
„Auf Radio Tour sagte ich: ‚Ihr nehmt es mir heute nicht übel, wenn ich nur einen Namen nenne, den von Bernard Hinault, der der Tour de France sein Talent, seinen Schweiß, sein Blut gegeben hat‘“, berichtet Prudhomme bewegt.
„In dem Moment, als ich ‚sein Blut‘ sagte, brach Bernard in Tränen aus, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Bernard Hinault, der harte Hund; Bernard Hinault, der alles gewonnen hat, der fünffache Sieger der Tour de France; Bernard Hinault mit seinem Regenbogentrikot in Paris-Roubaix, trotz des Hundes, der die Straße kreuzte; Bernard Hinault, mit seinem starken Charakter, weinend und sagend: ‚Es ist zu viel, es ist zu viel.‘ In Wahrheit ist Bernard unglaublich sensibel. Er ist so verletzlich…“
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