Bei Team Sky war „alles zu kontrolliert“ – Joaquim Rodríguez erklärt, warum er Angebote des britischen Teams ausschlug

Radsport
Donnerstag, 15 Januar 2026 um 9:00
JoaquimRodriguez
Joaquim „Purito“ Rodríguez war stets dafür bekannt, die Dinge beim Namen zu nennen. Keine Umwege, keine unnötige Diplomatie, eine Ehrlichkeit, wie man sie im Profiradsport selten sieht. In einem aktuellen Interview erzählte er, warum er in den 2010er-Jahren auf dem Höhepunkt seiner Karriere ein Angebot von Team Sky ablehnte.

Purito Rodríguez über Sky-Absage und den verlorenen WM-Helm

Jahrelang kursierten Gerüchte über einen Wechsel von Joaquim Rodríguez zu Team Sky, damals die dominierende Mannschaft im Peloton – heute INEOS Grenadiers. Der Transfer kam nie zustande. Nicht mangels Interesse oder Angeboten, sondern aus einem persönlichen Grund.
Purito formuliert es klar: „Sky war eine sehr strukturierte, sehr mathematische Mannschaft, und ich sah mich dort nicht. Es ging nicht um Geld oder Ergebnisse, es ging um Gefühl.“ Für den Katalanen zählten menschliche Passung und Arbeitsweise so sehr wie das sportliche Potenzial.
In seinen Worten: „Ich war immer ein sehr instinktiver Fahrer, ich bin nach Gefühl gefahren, und bei Sky war alles zu kontrolliert.“ Diese Philosophie, geprägt von Daten, Leistungsmessern und akribischen Strategien, prallte auf seine Rennlesart. Rodríguez wollte die Freiheit, aggressiv zu fahren, und war nicht der Kletterer, der von konstantem Tempo am Berg profitierte.
Er wusste auch, dass er sich die Kapitänsrolle mit anderen Fahrern, darunter Chris Froome, teilen müsste – ungünstig für den Spanier, der in allen drei Grand Tours auf dem Podium stand. „Ich wusste, ich wäre dort nicht unangefochtener Leader. Und an diesem Punkt meiner Karriere musste ich mich wichtig fühlen, das volle Vertrauen des Teams spüren.“ Es war kein Ego, sondern Verantwortungsgefühl und Motivation.
Rodríguez betont, es gebe keinen Groll: „Sky hat vieles sehr gut gemacht, deshalb haben sie so viel gewonnen, aber nicht jeder Fahrer passt zu jedem Team.“ Eine treffende Bilanz seiner Entscheidung. Er blieb lieber dort, wo er sich wohl, gehört und respektiert fühlte, statt sich in eine Struktur zu zwingen, die nicht die seine war.
Joaquim Rodríguez sprach darüber, wie er ein Angebot von Team Sky, heute INEOS Grenadiers, ausschlug
Joaquim Rodriguez talked about how he refused an offer from Team Sky, now called INEOS Grenadiers

Die Florenzer WM und ein Helm mit Geschichte

Wenn die Absage an Sky eine rationale Entscheidung war, traf der Verlust des WM-Helms aus Florenz einen Nerv. Die Weltmeisterschaften 2013 zählen zu den ikonischsten und schmerzhaftesten Momenten in Purito Rodríguez’ Laufbahn.
Er erinnert sich an den Helm als ein bedeutungsschweres Objekt: „Dieser Helm war besonders. Nicht irgendein Helm, sondern von dem Tag, an dem ich dem Weltmeistertitel am nächsten war.“ In Florenz streifte Rodríguez den Regenbogen, verpasste den Titel nach einem brutalen Rennen und einem Finale, über das bis heute diskutiert wird.
Das Verschwinden war fast zufällig, der emotionale Schlag real. „Ich habe ihn verloren, ohne es zu merken. Zwischen Reisen, Umzug und Materialwechsel habe ich eines Tages gemerkt, dass er weg war“, sagt er. Kein Diebstahl, kein Mysterium, nur ein Versäumnis, das die Zeit mit sich bringt.
Für ihn geht der Verlust über das Objekt hinaus: „Ich war wirklich wütend, denn dieser Helm stand für einen einzigartigen Moment meiner Karriere. Er war eine physische Erinnerung an etwas Großes.“ In einem Sport, in dem Siege in Sekunden gemessen werden, werden Dinge zu Ankern der Erinnerung.
Purito gibt zu, nie sehr an Trophäen oder Erinnerungsstücken gehangen zu haben, doch dieser Helm war anders: „Ich bin keiner, der viel aufbewahrt, aber diesen Helm hätte ich für immer behalten.“ Er stand für Opfer, Hoffnung und einen bleibenden Stachel.
Die Absage an Sky und die Trauer um den verlorenen Florenz-Helm verbindet ein roter Faden: sich selbst treu bleiben. Purito Rodríguez wollte weder bei seinen beruflichen Entscheidungen noch im Umgang mit seiner eigenen Geschichte verraten, wer er ist.
„Mir ist die Ruhe wichtiger, dass ich in jedem Moment das getan habe, was ich gefühlt habe“, sagt er. Diese Haltung erklärt seinen Weg – und warum manche Erinnerungen, wie dieser Helm, schwerer wiegen als viele Siege.

‚Purito‘ Rodríguez und sein bemerkenswertes Palmarès

Purito Rodríguez formte eine herausragende Karriere mit Siegen in Klassikern, Rundfahrten und Grand-Tour-Etappen. Zu seinen größten Erfolgen zählen zwei Il Lombardia-Titel 2012 und 2013, La Flèche Wallonne 2012 sowie der Gesamtsieg bei Itzulia Basque Country 2015. Zudem gewann er Etappenrennen wie die Volta a Catalunya 2010 und 2014, die Setmana Catalana 2004, die Vuelta a Burgos 2011 und die Escalada a Montjuïc 2001.
Bei Etappensiegen verbuchte Purito neun bei der Vuelta a España zwischen 2003 und 2015, drei bei der Tour de France 2010 und 2015, zwei beim Giro d’Italia 2012 – und stand bei allen drei Rundfahrten auf dem Podium; sechs bei der Vuelta al País Vasco zwischen 2010 und 2015 sowie vier bei Tirreno–Adriatico zwischen 2008 und 2013. Seine Bilanz zeigt Vielseitigkeit in Eintagesrennen und Grand Tours und festigt seinen Rang als einer der prägenden spanischen Fahrer seiner Generation.
SaisonTeamKategorie
2016 Team Katusha WT
2015 Team Katusha WT
2014 Team Katusha WT
2013 Team Katusha WT
2012 Team Katusha WT
2011 Team Katusha WT
2010 Team Katusha WT
2009 Caisse d’Epargne PT
2008 Caisse d’Epargne PT
2007 Caisse d’Epargne PT
2006 Caisse d’Epargne – Illes Balears PT
2005 Saunier Duval – Prodir PT
2004 Saunier Duval – Prodir TT1
2003 O.N.C.E. – Eroski TT1
2002 O.N.C.E. – Eroski TT1
2001 O.N.C.E. – Eroski TT1
2000 O.N.C.E. – Deutsche Bank TT1 (Stagiaire seit 01.09.)
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