ANALYSE | Van der Poel, Vingegaard, Van Aert... Die 5 größten Namen, die bei den Weltmeisterschaften in Kigali fehlen.
Radsport
Es ist endlich Zeit für das größte Wochenende der Radsportsaison. Es ist Zeit, die Regenbogentrikots zu überreichen. Das diesjährige Straßenweltmeisterschaftsrennen in Kigali wird am kommenden Wochenende auf einer der härtesten Strecken der jüngsten Vergangenheit die Weltmeister 2025 krönen. Doch das geschieht ohne einige der größten Namen des Sports. Aus verschiedenen Gründen - Familie, Verletzung, Saisonmanagement oder einfach nur der richtige Zeitpunkt - werden einige Top-Fahrer am Start nicht an den Rampen herunterrollen. Ihre Abwesenheiten ändern Taktiken, verändern die Führungsstrukturen und beeinflussen, wie das Finale auf dem Mount Kigali und Kimihurura ablaufen könnte. Hier sind die Gründe, warum jeder Fahrer nicht dabei ist, und was das bedeutet.
Mathieu van der Poel
Der Strassenweltmeister des Jahres 2023 steht nicht auf der Startliste der Niederländer für Kigali, eine Entscheidung, die der KNWU Mitte August bestätigte. An seiner Stelle verlagerte die Niederlande die Führung an Thymen Arensman nach seinen beiden Etappensiegen bei der Tour de France, wobei Bauke Mollema und andere eine kletterstarke Unterstützergruppe für einen Kurs bilden, der Höhenmeter und wiederholte Anstiege häuft.
Auf dem Papier sehen viele der Anstiege auf der Strecke am Sonntag wie maßgeschneidert für Van der Poel aus. Aber in Wahrheit wäre wahrscheinlich die Gesamtbelastung des Kletterns zu viel für ihn, und das ist im Großen und Ganzen der Grund, warum Van der Poel hier nicht dabei sein wird. Van der Poel gewann im Februar bereits sein siebtes Regenbogentrikot im Cyclocross und hat in 2025 zwei Monumente und eine Tour de France Etappe gewonnen. Aber nach seiner Teilnahme an den Mountainbike-Weltmeisterschaften früher in diesem Monat, beendete er seine Kampagne.
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Koos Moerenhout hat so gut wie zugegeben, dass das Team ohne Van der Poel opportunistisch sein müsste: „Wir haben dieses Jahr keinen klaren Favoriten, wie wir es mit Mathieu van der Poel hatten“, sagte er zu Cycling News. „Thymen Arensman hat natürlich einige fantastische Leistungen erbracht und er wird sicherlich ein Schlüsselspieler sein. Aber mehrere andere Fahrer werden ebenfalls die Freiheit haben, bis in das Finale hinein zu kämpfen.“
Jonas Vingegaard
Der zweifache Tour-Sieger und jüngste Vuelta-Sieger hat öffentlich Kigali ausgeschlossen und sich stattdessen eine Woche später auf die Europameisterschaften in Frankreich konzentriert, ein Ziel, das besser zu seinem Kalender nach der Vuelta passt. Zu einem Zeitpunkt in 2025 sah es so aus, als würden wir Pogacar und Vingegaard nach der Tour zweimal gegeneinander antreten sehen, bei der Vuelta und den Weltmeisterschaften. Stattdessen müssen wir bis nächsten Juli auf einen Showdown zwischen den beiden besten Kletterern warten.
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Er erklärte die Überlegungen in seiner Pressekonferenz vor der Vuelta: „Wir haben beschlossen, dass wir stattdessen die Europameisterschaften anstreben wollen. Man muss wirklich fit sein, um dieses Jahr zu den Weltmeisterschaften zu gehen. Es wird viel von den Teilnehmern verlangt, und wir wissen nicht, wie ich aus der Vuelta herauskommen werde. Wir haben beschlossen, dass es besser ist, es nicht zu tun. Ich will stattdessen immer noch an den Europameisterschaften teilnehmen und ich werde nach der Vuelta Zeit haben, mich darauf zu konzentrieren.“ Für Dänemark ist die Wirkung unmittelbar: die Führung geht an Mattias Skjelmose auf einer Strecke, die immer noch Kletterer belohnt, aber ein wenig zu früh nach einer dreiwöchigen Grand Tour für den Geschmack von Vingegaard eintrifft.
Aus Sicht der Rennform entfernt Vingegaards Abwesenheit einen der wenigen Fahrer, die Tadej Pogacar bei reinem Bergauf-Tempo mithalten können, wenn das Feld schon auf das Minimum reduziert ist. Es ändert auch, wie andere Teams Züge markieren, ohne den dänischen Favoriten. Die Verantwortung, späte Rennbeschleunigungen, insbesondere von Pogacar, zu jagen, liegt noch stärker bei Teams wie Belgien, Spanien und Großbritannien.
Wout van Aert
Visma | Lease a Bikes zweite ständige Schlagzeile wird ebenfalls nicht in Kigali sein. Nach einem Jahr, das zwei Grand Tours, den Frühjahrs-Klassikerblock und einen späten Etappensieg bei der Tour de France, bei dem er Pogacar abhängte, beinhaltete, setzten Van Aert und Visma Lease a Bike für 2025 eine frühere Zielgerade.
„Es ist wichtig, für den letzten Teil der Saison noch einige wichtige Ziele zu setzen, und mit diesem Kalender ist uns das sicherlich gelungen“, sagte er über einen Zeitplan, der am letzten Wochenende beim Super 8 Classic endete. „Gleichzeitig ist es nach einer so intensiven Saison entscheidend, es nicht zu übertreiben. Deshalb haben wir beschlossen, meine Saison nach dem Super 8 Classic zu beenden und sowohl die Weltmeisterschaften als auch die Europameisterschaften auszulassen.“
Seine Abwesenheit zwingt zu einer schärferen Definition der Rollen um Remco Evenepoel, insbesondere bei Hitze und Höhe, wo Ressourcenmanagement zum Rennen innerhalb des Rennens wird. Ohne Van Aerts Kraft auf den Kopfsteinpflasterabschnitten, um Gegenangriffe zu schließen, muss die belgische Unterstützung selektiver darüber entscheiden, welche Züge sie markieren und wann sie Helfer zum Tempo verpflichten. Es ist nicht tödlich für ihre Chancen, Evenepoel hat unzählige Rennen ohne Van Aert gewonnen, aber es verkleinert den Spielraum für Fehler auf einem Profil, das eine schlechte Entscheidung bestraft. Belgien setzt alles auf Evenepoel.

Van Aert ist nicht bei der Weltmeisterschaft trotz wiederholten Forderungen des Nationaltrainers Serge Pauwels. @Imago
Lotte Kopecky
Die zweifache Weltmeisterin im Frauen-Straßenrennen entschied Anfang des Monats, ihren Titel in Kigali nicht zu verteidigen. Der belgische Radsportverband gab seine Aufstellungen bekannt, ohne Kopecky; der Nationaltrainer Ludwig Willems schrieb die Entscheidung ihrer Form und ihrer psychischen Verfassung zu. „Sie hatte auf eine Wende in den letzten Wochen gehofft, hat sich aber nun entschieden, die Weltmeisterschaften auszulassen, weil sie nicht davon überzeugt ist, dass sie zu 100% bereit ist. Es ist hauptsächlich eine mentale Sache“, sagte er WielerFlits.
Er fügte hinzu: „Wir sind dankbar für das, was Lotte erreicht hat. Aber wir müssen ihr Zeit geben, sich aufzuladen, auszuruhen und Bilanz zu ziehen. Dann werden wir in absehbarer Zukunft eine bessere Version von Lotte sehen.“ Diese Aussagen stehen neben einer harten Phase von Verletzungen und Rückenproblemen im Sommer, verschärft durch ihren Sturz und die daraus resultierenden Wirbelsäulenfrakturen bei der Tour de l’Ardèche, die letztendlich ihre Saison beendeten und sie auch für die Bahn-Weltmeisterschaften ausschlossen.
Der taktische Einfluss ist für Belgien stark. Mit Kopecky aus und der nationalen Meisterin Justine Ghekiere, die nach einem Hochgeschwindigkeitsunfall bei GP Stuttgart später abgezogen wurde, ist das Team auf eine schlagkräftige, aber weniger bewährte Gruppe reduziert, Marthe Goossens, Marieke Meert, Julie Van de Velde und Margot Vanpachtenbeke.
Kopecky war sowohl 2023 in Glasgow als auch 2024 in Zürich hervorragend, aber wir werden in diesem Jahr nicht die gleiche Magie sehen und Belgien wird eine andere Karte spielen müssen. Auf einem Kurs, der ständig steigt, werden sie wahrscheinlich für die Ausbruchsgruppe fahren und hoffen, dass die Ermüdung die Favoriten zurückbringt, anstatt für einen einzigen Anführer zu kontrollieren. Es ist ein anderes belgisches Szenario als in den letzten beiden Jahren, und es öffnet die Tür weiter für die Niederlande und Frankreich.

Kopecky kehrte nicht zurück, um ihren Titel in Kigali zu verteidigen. @Sirotti
Marianne Vos
Die niederländische Ikone zog sich in der Woche vor Kigali zurück, um bei ihrer Familie zu bleiben, nachdem ihr Vater operiert wurde. Der niederländische Trainer Laurens ten Dam erklärte die Entscheidung und ihre zwischenmenschliche Logik klar gegenüber Cycling News, "Ihr Vater wurde letzte Woche operiert ... es waren sehr angespannte und hektische Tage für Marianne. Ich habe sie heute Morgen angerufen und wir haben beide gesagt 'Du bleibst zuhause'."
Er fügte eine Zeile hinzu, die gleichzeitig die Schlagzeile für die Niederlande ist: "Marianne Vos ist nicht unbedingt zu ersetzen. Deshalb möchte ich nicht, dass Femke in diese Rolle schlüpft. Ich will ihr diesen Druck nicht auferlegen." Femke de Vries ersetzt Vos in einem niederländischen Team, das immer noch Demi Vollering und Anna van der Breggen auf einem Kurs einsetzt, der den reinen Kletterern auf den Leib geschrieben ist. Sowohl Vollering als auch van der Breggen standen auf dem Podium des letzten Zeitrennens, und tatsächlich ist der Kurs besser für sie geeignet als für Vos.
Aus sportlicher Sicht beraubt uns Vos' Abwesenheit des vielseitigsten Finishers der Niederlande: ein Fahrer, der aus einer reduzierten Gruppe, einem kleinen Sprint oder einem Spätrennen-Konter gewinnen kann. Es drängt das Team zu einem eher binären Plan, der sich um Vollering’s ausdauerndes Klettern und Van der Breggen’s aufbaut. Man kann mit diesem Paar immer noch die Weltmeisterschaft gewinnen, man verliert nur die Fehlersicherungsoption, die Vos oft in chaotischen Finalrunden bietet.

Franco PerezRedakteur
Franco Perez ist seit 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de und arbeitet von Deutschland aus. Er berichtet über den professionellen Radsport mit Schwerpunkt auf der WorldTour, den großen Klassikern und den Grand Tours – darunter die Tour de France, der Giro d’Italia und La Vuelta a España – sowie über den internationalen Cyclocross-Kalender. Seine Arbeit umfasst Vorberichte und Rennberichte, in denen er Renndynamik, Taktik und Entwicklungen im Peloton klar und nachvollziehbar einordnet.
Neben eigenen Beiträgen unterstützt Franco die Redaktion vor allem redaktionell: Er überarbeitet Texte, strukturiert Inhalte und achtet auf Konsistenz und Qualität, damit Berichte präzise, verständlich und sachlich belastbar bleiben. In seiner redaktionellen Arbeit legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








