ANALYSE: Muss Tadej Pogacar jetzt zittern? Paul Seixas krönt seine Traumsaison und fordert den Radsport-Dominator heraus
Radsport
Die Radsportsaison 2026 nähert sich ihrem Ende, doch die Lombardei-Rundfahrt hat noch einmal für eine der größten Geschichten des Jahres gesorgt. Ohne Tadej Pogacar am Start präsentierte sich das letzte Monument der Saison so offen wie seit Langem nicht mehr. Für die übrigen Spitzenfahrer des Pelotons bot sich damit die seltene Gelegenheit, selbst ein Ausrufezeichen im Kampf um die Vorherrschaft bei den großen Klassikern zu setzen. Paul Seixas nutzte diese Chance auf beeindruckende Weise. Mit einem überlegenen Sieg bestätigte der junge Franzose all das, was er im Laufe der vergangenen Monate bereits angedeutet hatte.
Damit stellt sich zwangsläufig eine Frage: Muss sich Tadej Pogacar angesichts des rasanten Aufstiegs von Paul Seixas allmählich Sorgen machen? Noch ist der Slowene die alles überragende Figur des internationalen Radsports. Doch Seixas hat eindrucksvoll bewiesen, dass er zu jener neuen Generation gehört, die in den kommenden Jahren um die größten Titel kämpfen könnte. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass der Franzose trotz seiner bereits außergewöhnlichen Leistungen noch erhebliches Entwicklungspotenzial besitzt.
Ein Monument-Triumph als Krönung einer außergewöhnlichen Saison
Sein Erfolg bei der Lombardei-Rundfahrt war keineswegs ein isolierter Ausreißer oder lediglich das Ergebnis der Abwesenheit einiger prominenter Favoriten. Vielmehr bildete er den Höhepunkt einer bemerkenswerten Saison, in der Seixas schon früh auf höchstem Niveau überzeugte. Aus einem vielversprechenden Nachwuchstalent ist innerhalb weniger Monate ein Fahrer geworden, der seine außergewöhnlichen Fähigkeiten regelmäßig mit großen Ergebnissen untermauert.
Besonders die Art und Weise seines Triumphs in Italien verdient Aufmerksamkeit. Während andere Favoriten mit den Anforderungen des anspruchsvollen Rennens zu kämpfen hatten, wartete Seixas auf den entscheidenden Moment an den letzten Anstiegen und setzte sich anschließend allein ab. Er benötigte keine Serie von Attacken, um seine Konkurrenten abzuschütteln. Als das Rennen in seine entscheidende Phase ging, war der Franzose schlicht stärker als alle anderen.
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Paul Seixas lässt selbst die stärksten Konkurrenten hinter sich
Mit Enric Mas und Giulio Ciccone gehörten zwei erfahrene Spitzenfahrer zu den auffälligsten Konkurrenten. Mas reiste nach einer herausragenden Vuelta a Espana in ausgezeichneter Verfassung an, während Ciccone im Trikot von LIDL-Trek ebenfalls eine beeindruckende Form zum Saisonende gezeigt hatte.
Doch als die entscheidende Selektion erfolgte, konnte keiner der beiden dem Tempo von Seixas folgen.
Meiner Einschätzung nach war Enric Mas noch derjenige, der dem Franzosen am ehesten hätte gefährlich werden können. Der Mallorquiner verfügte über starke Beine und kam mit dem anspruchsvollen Streckenprofil hervorragend zurecht. Dennoch bewegte sich Seixas an diesem Tag auf einem anderen Niveau. Wenn man berücksichtigt, welche Leistungen Mas in den vergangenen Monaten gezeigt hat, verdeutlicht das umso mehr, mit welch außergewöhnlichem Fahrer wir es inzwischen zu tun haben.
Schon zu Saisonbeginn setzte Seixas ein erstes Warnsignal an Pogacar
Um die ganze Tragweite seines Erfolgs bei der Lombardei-Rundfahrt einordnen zu können, lohnt sich ein Blick zurück auf den Beginn der Saison. Bereits in den ersten Monaten des Jahres machte Seixas deutlich, dass er mit den besten Fahrern der Welt mithalten kann. Bei der Volta ao Algarve belegte er hinter Juan Ayuso den zweiten Gesamtrang und demonstrierte in einem Sprint gegen Joao Almeida zudem seine Schnelligkeit. Spätestens diese Vorstellung war ein deutlicher Hinweis darauf, dass seine Entwicklung besondere Aufmerksamkeit verdient.
Anschließend gewann der Franzose die Faun-Ardeche Classic und belegte bei Strade Bianche den zweiten Platz. Dort musste er sich lediglich Tadej Pogacar geschlagen geben. Es war eines der ersten großen Ausrufezeichen im direkten Vergleich mit den besten Klassikerspezialisten der Welt und zeigte, dass Seixas bereits in der Lage war, selbst den dominierenden Slowenen herauszufordern.
Sein nächster großer Auftritt folgte bei der Itzulia Basque Country. Mit drei Etappensiegen und dem Gewinn der Gesamtwertung demonstrierte er dort eindrucksvoll, dass seine Fähigkeiten weit über die Klassiker hinausreichen. Seixas sammelte nicht einfach nur gute Ergebnisse, sondern dominierte eine anspruchsvolle Rundfahrt. Danach triumphierte er bei La Fleche Wallonne und musste sich bei Lüttich-Bastogne-Lüttich erneut nur Pogacar geschlagen geben.
Schon diese erste Saisonphase wäre für einen Fahrer seines Alters außergewöhnlich gewesen. Noch beeindruckender erscheint allerdings, wie konsequent Seixas seine Erfahrungen auf höchstem Niveau in weitere Spitzenresultate ummünzte. Er ist kein Talent, das während einer einzigen herausragenden Woche plötzlich auf sich aufmerksam gemacht hat. Vielmehr bewies er über Monate hinweg, dass er auf unterschiedlichstem Terrain und gegen erstklassige Konkurrenz konkurrenzfähig ist.

Paul Seixas hat mit seinem Triumph bei der Lombardei-Rundfahrt 2026 den bislang größten Sieg seiner Karriere gefeiert. Der erst 20-jährige Franzose gilt zunehmend als einer der aussichtsreichsten Herausforderer von Tadej Pogacar.
Platz vier bei der Tour de France: Seixas beweist seine Grand-Tour-Qualitäten
Dass sich seine außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht auf Eintagesrennen beschränken, zeigte Seixas spätestens bei der Tour de France. Nachdem er die Tour Auvergne-Rhone-Alpes infolge eines Sturzes vorzeitig hatte verlassen müssen, waren Zweifel an seiner Verfassung für das wichtigste Rennen des Jahres aufgekommen. Mit seiner Leistung bei der Frankreich-Rundfahrt lieferte er jedoch eine eindrucksvolle Antwort.
Bei seinem Tour-Debüt belegte der Franzose den vierten Gesamtrang und konnte sich auch in den entscheidenden Hochgebirgsetappen behaupten. Zwar fehlte ihm noch ein Stück zur absoluten Spitze um Pogacar sowie zu den weiteren prägenden Gesamtwertungsfahrern Remco Evenepoel und Isaac del Toro. Dennoch ist ein vierter Platz bei der ersten Teilnahme an der Tour de France eine außergewöhnliche Leistung.
An dieser Stelle sollten wir uns die Dimension dieses Ergebnisses bewusst machen. Seixas hat nicht nur gezeigt, dass er große Klassiker gewinnen kann. Er verfügt offensichtlich auch über die Voraussetzungen, um sich langfristig zu einem ernsthaften Anwärter auf den Gesamtsieg bei einer Grand Tour zu entwickeln. Gerade diese Kombination aus Klassikerstärke und Rundfahrtpotenzial macht ihn zu einem besonders faszinierenden Fahrer.
Entscheidend wird nun sein, welche Fortschritte er in den kommenden Jahren noch erzielen kann. Wenn Seixas bereits mit 20 Jahren solche Leistungen abruft, drängt sich unweigerlich die Frage auf, welches Niveau er mit zusätzlicher Erfahrung, einem noch besseren Gefühl für die richtige Krafteinteilung und weiteren Fortschritten in seiner Vorbereitung erreichen könnte.
Kanada und Radsport-WM: Wertvolle Erfahrungen vor dem Triumph in der Lombardei
Auch die letzten Monate seiner Saison verliefen keineswegs ausschließlich nach Wunsch. Bei den kanadischen Klassikern belegte Seixas zunächst den 17. Platz beim Grand Prix Cycliste de Quebec, ehe er beim Grand Prix Cycliste de Montreal Zweiter wurde. Dort präsentierte er sich erneut in hervorragender Verfassung und erreichte gemeinsam mit Isaac del Toro die entscheidende Phase des Rennens.
Bei der anschließenden Radsport-WM überzeugte der Franzose zunächst im Einzelzeitfahren. Hinter Remco Evenepoel und Filippo Ganna sicherte er sich die Bronzemedaille und bewies damit, dass er selbst in dieser anspruchsvollen Disziplin bereits mit den weltbesten Spezialisten mithalten kann.
Das Straßenrennen der Radsport-WM verlief dagegen weniger erfolgreich. Seixas versuchte, auf die Attacken seiner Konkurrenten zu reagieren, investierte dabei jedoch zu viel Energie und musste sich schließlich mit dem 15. Platz zufriedengeben. Das Ergebnis entsprach nicht seinen Erwartungen. Anschließend ging der Franzose mit seiner eigenen Leistung hart ins Gericht.
Doch auch solche Erfahrungen gehören zur Entwicklung eines außergewöhnlichen Talents. Selbst die stärksten Fahrer erleben Tage, an denen ihre Pläne nicht aufgehen. Entscheidend ist, welche Lehren sie daraus ziehen und wie schnell sie nach einer Enttäuschung wieder auf höchstem Niveau konkurrenzfähig sind.
Seixas verzichtete anschließend auf weitere italienische Herbstklassiker und kehrte erst bei der Lombardei-Rundfahrt ins Renngeschehen zurück. Eine bessere Antwort auf die Enttäuschung bei der Radsport-WM hätte er kaum geben können. Mit einem überlegenen Sieg beim letzten Monument der Saison bestätigte er endgültig, dass er nicht nur zu den größten Hoffnungsträgern der Zukunft zählt, sondern bereits in der Gegenwart zu den herausragenden Persönlichkeiten des Radsports gehört.
Kann Paul Seixas Tadej Pogacar tatsächlich vom Thron stoßen?
Genau darin liegt die wohl spannendste Frage für die kommenden Jahre. Pogacar bleibt der unangefochtene Maßstab im internationalen Radsport. Es wäre verfrüht und ungerechtfertigt, Seixas allein aufgrund seines Triumphs bei der Lombardei-Rundfahrt bereits auf dieselbe Stufe zu stellen. Der Slowene hat seine außergewöhnliche Stellung mit einer beeindruckenden Erfolgsbilanz über mehrere Jahre hinweg untermauert. Er ist weiterhin der Fahrer, an dem sich sämtliche Konkurrenten messen lassen müssen.
Dennoch hat Seixas 2026 bereits bewiesen, dass er Pogacar auch im direkten Duell herausfordern kann. Sowohl bei Strade Bianche als auch bei Lüttich-Bastogne-Lüttich belegte er hinter dem Slowenen den zweiten Platz. Mit seinem anschließenden Sieg bei einem Monument setzte er seiner Entwicklung ein weiteres Ausrufezeichen. Für einen Fahrer seines Alters sind das Ergebnisse von bemerkenswerter Qualität.
Besonders beeindruckend ist dabei die Konstanz seiner Leistungen. Seixas war nicht nur während einer kurzen Phase in Bestform, sondern überzeugte von Februar bis Oktober. Er gewann Etappenrennen, triumphierte bei Klassikern und stellte sich erfolgreich der Herausforderung seiner ersten Tour de France. Selbst kleinere Rückschläge und einzelne Enttäuschungen konnten seine kontinuierliche Entwicklung nicht aufhalten.
Deshalb sollte die entscheidende Frage derzeit nicht lauten, ob Seixas bereits Pogacars Niveau erreicht hat. Viel interessanter ist, wie lange der Franzose noch benötigen wird, um den Rückstand weiter zu verkürzen. Wie groß der tatsächliche Leistungsunterschied zwischen beiden Fahrern ist, lässt sich nur schwer beurteilen. Seine Ergebnisse aus der Saison 2026 liefern jedoch genügend Argumente für die Vorstellung, dass sich hier eine Rivalität entwickeln könnte, die den internationalen Radsport über Jahre hinweg prägt.
Gleichzeitig muss Seixas beweisen, dass er seine außergewöhnlichen Fähigkeiten auch bei den großen Landesrundfahrten noch konstanter gegen Konkurrenten wie Jonas Vingegaard und Remco Evenepoel abrufen kann. An seinem Talent bestehen kaum Zweifel. Der nächste Entwicklungsschritt wird darin bestehen, dieses Potenzial auch unter den höchsten Anforderungen des Grand-Tour-Radsports regelmäßig in entsprechende Ergebnisse umzusetzen.
Tadej Pogacar bleibt der dominierende Fahrer im internationalen Radsport. Doch mit Paul Seixas wächst eine neue Generation heran, die dem fünffachen Tour-de-France-Sieger in den kommenden Jahren gefährlich werden könnte.
Seixas vor einer Zukunftsentscheidung: Bei Decathlon bleiben oder zu UAE wechseln?
Neben seinen sportlichen Perspektiven dürfte auch die Frage nach seiner weiteren Karriereplanung zunehmend in den Mittelpunkt rücken. Nach einer Saison mit derart außergewöhnlichen Ergebnissen wird das Interesse daran wachsen, für welche Mannschaft Seixas in den kommenden Jahren an den Start gehen wird.
Besonders ein möglicher Teamwechsel wirft interessante Fragen auf. Könnte der Franzose davon profitieren, bei UAE Team Emirates - XRG an der Seite von Pogacar zu fahren und unmittelbar von dessen Erfahrung zu lernen? Oder wäre es für seine Entwicklung besser, Teil eines Projekts zu bleiben beziehungsweise zu werden, in dem er selbst die uneingeschränkte Führungsrolle übernehmen kann? Auch INEOS Grenadiers oder eine andere Mannschaft mit den passenden sportlichen und organisatorischen Voraussetzungen könnten grundsätzlich interessante Alternativen darstellen.
Auf Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen lassen sich diese Fragen noch nicht abschließend beantworten. Für den weiteren Verlauf seiner Karriere könnten sie jedoch von entscheidender Bedeutung sein. Die Wahl des richtigen Umfelds wird mitbestimmen, ob Seixas seine Entwicklung ungehindert fortsetzen und gleichzeitig seine Ambitionen auf die größten Siege verwirklichen kann.
Unabhängig von seiner künftigen Mannschaft sollte für den Franzosen vor allem eines im Mittelpunkt stehen: die Fortsetzung seiner bisherigen Fortschritte. Er besitzt noch ausreichend Zeit, um Erfahrungen zu sammeln, an seinen Fähigkeiten zu arbeiten und herauszufinden, wo seine tatsächlichen Leistungsgrenzen liegen. Den Anspruch, schon jetzt alles gewinnen zu müssen, sollte er sich nicht auferlegen.
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Die Lombardei-Rundfahrt beweist: Paul Seixas ist längst mehr als ein Versprechen
Manchmal zeigt uns der Radsport, dass eine neue Generation schneller an die Spitze drängt, als wir es erwartet hätten. Paul Seixas hat seine Saison 2026 mit dem ersten Monument-Sieg seiner Karriere abgeschlossen. Zuvor hatte er bereits die Itzulia Basque Country und La Fleche Wallonne gewonnen sowie bei Strade Bianche und Lüttich-Bastogne-Lüttich jeweils den zweiten Platz belegt. Dazu kommen Rang vier bei der Tour de France und die Bronzemedaille im Einzelzeitfahren der Radsport-WM.
Der Franzose ist damit längst kein Nachwuchstalent mehr, dessen Durchbruch erst noch bevorsteht. Er gehört bereits zu den besten Radprofis der Welt und dürfte 2027 zu den Fahrern zählen, deren Entwicklung mit besonderer Spannung verfolgt wird.
Kann Seixas zum größten Rivalen von Tadej Pogacar werden? Meiner Meinung nach bringt er alle Voraussetzungen dafür mit. Hat er bereits das Niveau des Slowenen erreicht? Dafür fehlen bislang noch ausreichende Belege. Doch seine außergewöhnliche Begabung, seine beeindruckenden Ergebnisse und vor allem sein junges Alter sprechen dafür, dass er den Abstand in den kommenden Jahren weiter verkürzen kann.
Sein Triumph bei der Lombardei-Rundfahrt war deshalb weit mehr als nur ein weiterer Sieg in einer ohnehin herausragenden Saison. Er war die endgültige Bestätigung, dass der internationale Radsport einen neuen Star hervorgebracht hat – und dass Pogacars Dominanz künftig auf einen Herausforderer treffen könnte, der sich immer schwerer ignorieren lässt.
Die Saison 2027 wird weitere Antworten liefern. Bis dahin sollten wir vor allem würdigen, was dieser junge Franzose bereits erreicht hat. Denn die Leistungen, mit denen Paul Seixas im Alter von gerade einmal 20 Jahren das Radsportjahr 2026 geprägt hat, sind schlicht außergewöhnlich.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
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