90 Jahre alter Rekord vor dem Fall? Paul Seixas kann in Montreal Radsport-Geschichte schreiben

Radsport
durch Nic Gayer
Mittwoch, 16 September 2026 um 13:00
Paul Seixas Tour de Francia 2026
Paul Seixas könnte sich bei der Weltmeisterschaft 2026 in Montreal endgültig in die Geschichtsbücher des Radsports eintragen. Obwohl der Franzose erst 19 Jahre alt ist, reist er bereits als einer der großen Namen des Pelotons zum Straßenrennen am 27. September. Ein Triumph in Kanada hätte jedoch eine noch außergewöhnlichere Bedeutung: Seixas würde zum jüngsten Weltmeister der Geschichte werden.
Der Franzose jagt dabei einen Rekord, der seit mehr als 90 Jahren Bestand hat. 1934 gewann der Belgier Karel Kaers im Alter von 20 Jahren und 76 Tagen den WM-Titel und setzte damit eine Bestmarke, die seither kein Fahrer unterbieten konnte. Selbst die jüngste Generation außergewöhnlicher Talente, die den Profiradsport in den vergangenen Jahren geprägt hat, konnte diesen Rekord nicht brechen.

73 Tage könnten Seixas von einem historischen Rekord trennen

Nun erhält Seixas die Gelegenheit dazu. Wenn am 27. September in Montreal um das Regenbogentrikot gefahren wird, ist der Franzose gerade einmal 20 Jahre und drei Tage alt.
Paul Seixas bei der Tour de France
Paul Seixas wurde Zweiter beim GP de Montréal
Sollte Seixas das Straßenrennen gewinnen, wäre er damit auf einen Schlag der jüngste Weltmeister aller Zeiten. Den seit 1934 bestehenden Rekord von Kaers würde er um 73 Tage unterbieten.
Die Dimension dieser möglichen Bestmarke unterstreicht noch einmal, wie außergewöhnlich die bisherige Saison des Franzosen verlaufen ist. Es ginge schließlich nicht nur darum, das Regenbogentrikot in einem bemerkenswert jungen Alter zu erobern. Seixas könnte einen Rekord auslöschen, der seit mehr als neun Jahrzehnten Bestand hat und auf jene Weltmeisterschaft zurückgeht, bei der Kaers kurz nach seinem 20. Geburtstag den Titel gewann.
Und Seixas würde diesen historischen Meilenstein ausgerechnet in einer Saison erreichen, in der er bereits mehrfach bewiesen hat, dass er trotz seines Alters mit den besten Fahrern der Welt auf Augenhöhe konkurrieren kann.

Paul Seixas: Mit 19 Jahren bereits in der Weltspitze angekommen

Seixas' Saison 2026 ist außergewöhnlich. Der Franzose gewann die Gesamtwertung von Itzulia Basque Country und untermauerte seinen Triumph mit drei Etappensiegen. Hinzu kamen Siege bei La Fleche Wallonne, der Faun-Ardeche Classic sowie auf einer Etappe der Volta ao Algarve.
Seine herausragenden Resultate beschränken sich allerdings keineswegs auf seine Siege. Seixas belegte außerdem den zweiten Platz bei Strade Bianche sowie bei Lüttich-Bastogne-Lüttich und musste sich bei beiden hochkarätigen Klassikern lediglich Tadej Pogacar geschlagen geben. Bei seinem mit großer Spannung erwarteten Debüt bei der Tour de France erreichte er darüber hinaus den vierten Gesamtrang.
All diese Ergebnisse gelangen ihm trotz eines schweren Sturzes bei der Tour Auvergne Rhone-Alpes. Der Franzose musste das Rennen vorzeitig beenden, wodurch auch seine Vorbereitung auf die Tour de France beeinträchtigt wurde. Nachhaltig aus der Bahn werfen ließ er sich davon jedoch nicht: Wenige Wochen später erreichte er Paris als Gesamtvierter.
Mit diesen Leistungen hat sich Seixas bereits in einem äußerst frühen Stadium seiner Profikarriere unter den großen Namen des internationalen Radsports etabliert.

Seixas kehrt mit einem Podiumsplatz nach Montreal zurück

Zusätzliche Zuversicht dürfte Seixas aus seinem jüngsten Auftritt in Kanada ziehen. Der Franzose bestritt bereits den GP de Montreal auf demselben Rundkurs, der auch bei der Weltmeisterschaft zum Einsatz kommen wird – wenn auch bei einer insgesamt kürzeren Renndistanz.
Dort belegte Seixas den zweiten Platz. Lediglich Isaac del Toro konnte ihn bezwingen und setzte sich im Sprint gegen den Franzosen durch. Damit zählt der Mexikaner auch bei der Weltmeisterschaft zu Seixas' wichtigsten Konkurrenten im Kampf um das Regenbogentrikot, wobei die größere Gesamtdistanz des WM-Rennens die Anforderungen noch einmal deutlich erhöhen wird.
Seixas besitzt damit bereits die Gewissheit, auf diesem Kurs mit der absoluten Weltspitze mithalten zu können. Nun besteht seine Herausforderung darin, dieses Niveau über ein erheblich längeres Rennen abzurufen und sich am Ende gegen ein hochkarätig besetztes Peloton durchzusetzen.
Der Kampf um das Regenbogentrikot in Montreal verspricht entsprechend hart zu werden. Neben Del Toro trifft Seixas auf einige der größten Namen des Sports. Remco Evenepoel, Mathieu van der Poel, Wout Van Aert, Tom Pidcock und Enric Mas gehören ebenfalls zu den Fahrern, die im Kampf um Gold eine entscheidende Rolle spielen könnten.
Der bereits vom GP de Montreal bekannte Rundkurs kommt Fahrern entgegen, die wiederholte Antritte verkraften und tief im Finale noch genügend Explosivität besitzen, um das Rennen zu entscheiden. Dass Seixas genau diese Voraussetzungen mitbringt, hat er auf denselben Straßen bereits bewiesen. Sein zweiter Platz in Montreal liefert damit einen der aussagekräftigsten Gradmesser vor dem großen Tag – an dem der Franzose nicht nur um das Regenbogentrikot, sondern zugleich um einen seit mehr als 90 Jahren bestehenden Rekord fährt.
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