Juri Hollmann kehrt zurück ins Renngeschehen. Der ehemalige Profi von
Alpecin-Premier Tech hatte sich bei einem schweren Sturz beim Giro d'Italia 2025 lebensbedrohliche Verletzungen zugezogen. Nach einer monatelangen Rehabilitation und einem langen Weg zurück aufs Rad steht der Deutsche nun erstmals wieder bei einem offiziellen Wettkampf am Start.
„Seit meinem Sturz beim Giro d'Italia 2025 sind 16 Monate vergangen, und es war mit viel harter Arbeit und Rehabilitation verbunden“, erklärte Hollmann in einem auf
Instagram veröffentlichten Video.
Hollmann startet erstmals wieder bei einem Rennen
An diesem Samstag will der Deutsche beim Lahti Gravel World Cup Series Event sein Comeback geben. Das Rennen findet in jener Region statt, in der 2027 die Europameisterschaften ausgetragen werden sollen. Hollmann tritt inzwischen als halbprofessioneller Fahrer an und möchte dort zeigen, was nach seiner langen Leidenszeit sportlich wieder möglich ist.
Juri Hollmann kehrt 16 Monate nach seinem lebensgefährlichen Sturz beim Giro d'Italia 2025 erstmals wieder in den offiziellen Rennbetrieb zurück.
Der Start markiert einen weiteren Meilenstein in einem Genesungsprozess, der beinahe eineinhalb Jahre in Anspruch genommen hat. Dass der Weg zurück derart lang werden würde, hatte Hollmann selbst nicht erwartet. „Ich hätte nicht erwartet, dass es so lange dauert, aber ich habe weitergemacht und nicht aufgegeben.“
Umso bedeutender ist für ihn nun die Möglichkeit, wieder an einem Rennen teilzunehmen. Das Ergebnis steht dabei zunächst nicht im Vordergrund. „Das macht mich umso stolzer, jetzt hier zu sein. Wir werden sehen, was möglich ist, aber am wichtigsten ist, dass ich morgen Spaß habe und endlich wieder ein Rennen fahren kann.“
Hollmanns Nahtoderfahrung beim Giro d'Italia
Bereits im März war Hollmanns dramatisches Erlebnis in einer Dokumentation aufgearbeitet worden. Der Deutsche war beim Giro d'Italia 2025 in einen Massensturz verwickelt, bei dem Dutzende Fahrer zu Boden gingen. Hollmann prallte bei hoher Geschwindigkeit gegen ein Verkehrsschild und erlitt dabei schwerste Verletzungen.
Der damals 27-Jährige zog sich komplexe Trümmerbrüche am Becken und am Arm zu. Schon diese Verletzungen allein hätten ausreichen können, um seine Karriere als Radprofi zu beenden. Kurz darauf wurde die Situation jedoch noch dramatischer: Durch die Bildung von Blutgerinnseln geriet Hollmanns Leben akut in Gefahr.
„Ich bin mit 70 Kilometern pro Stunde gegen ein Verkehrsschild geprallt. Die Ärzte vermuten, dass mein Oberschenkelknochen das Schild traf, es ins Becken drückte und einen offenen Bruch verursachte“, berichtete Hollmann später über den Unfall. Anschließend entwickelte sich eine lebensbedrohliche Komplikation: „Blutgerinnsel hatten meine Lungen komplett verstopft. Es war hauchdünn. Ehrlich, es ist ein Wunder, dass ich überlebt habe.“
Um seine zahlreichen Frakturen zu stabilisieren, benötigte Hollmann vier Platten und insgesamt 24 Schrauben. Drei Monate lang war er auf einen Rollstuhl angewiesen. Seine langwierige Rehabilitation führte ihn durch mehr als ein Land, und auch nach der Zeit im Rollstuhl war an normales Gehen zunächst nicht zu denken: Weitere zwei Monate musste der Deutsche Krücken benutzen.
Eine Rückkehr in den professionellen Straßenradsport war letztlich nicht mehr möglich. Umfangreiche Nervenschäden schränkten Hollmann so stark ein, dass er nicht genügend Zeit auf dem Rad verbringen konnte, um wieder das für einen Vollprofi notwendige Niveau zu erreichen.
Auch wenn ein vollständiges Comeback als Profi damit unrealistisch bleibt, ist Hollmanns Rückkehr in den offiziellen Rennbetrieb ein bedeutendes Zeichen auf seinem Weg zur vollständigen Genesung. Der ehemalige WorldTour-Profi richtet seinen sportlichen Fokus nun auf die europäische Gravel-Szene, in der mittlerweile zahlreiche frühere Straßenprofis eine neue Herausforderung gefunden haben.