„Wir wollen in dieser Phase seiner Karriere kein Risiko eingehen“ – Paul Seixas’ Tour-de-France-Debüt intern noch nicht bestätigt, heißt es aus dem Decathlon-Management

Radsport
Montag, 27 April 2026 um 18:15
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Die Fahrt von Paul Seixas bei Lüttich–Bastogne–Lüttich hat nicht nur die Argumente für ein Tour-de-France-Debüt untermauert, sie hat den ohnehin wachsenden Druck im französischen Radsport verstärkt, den 19-Jährigen zügig in Richtung Maillot Jaune zu führen.
Nachdem er Tadej Pogacar länger folgen konnte als jeder andere und etablierte Größen wie Remco Evenepoel hinter sich ließ, ist Seixas quasi über Nacht vom Versprechen zum potenziellen Grand-Tour-Faktor aufgestiegen.
Dieser Sprung befeuert eine bereits starke Erzählung in Frankreich: die Suche nach einem echten Tour-de-France-Anwärter zum ersten Mal seit Bernard Hinault.
Während der äußere Lärm anschwillt, bleibt man im Team Decathlon CMA CGM gelassen. Eine Entscheidung, ob Seixas in diesem Sommer die Tour bestreitet, ist noch nicht gefallen.

Französischer Radsport gespalten, der Druck wächst

Seixas’ Aufstieg spaltet bereits die Meinung prominenter französischer Stimmen im Peloton. Tour-de-France-Femmes-Siegerin Pauline Ferrand-Prevot tendiert dazu, dass ein Fahrer in dieser Form den Moment nutzen sollte, statt zu zaudern. „Ich denke, wenn du die Form hast, musst du sie ausnutzen“, sagte sie nach dem Flèche Wallonne und setzte damit den klarsten Kontrapunkt zu jenen, die zur Vorsicht mahnen.
Hinault warnte hingegen davor, Seixas übereilt schon diesen Sommer zur ersten Tour zu schicken. „Alle sagen, er solle die Tour fahren … ich bin nicht überzeugt“, sagte er und argumentierte, dass ein 23-tägiges Duell mit Pogacar eine völlig andere Prüfung sei.
Damit steht das Decathlon-Management zwischen zwei gewichtigen Lagern. Das eine sagt, Seixas werde womöglich keinen besseren Moment finden, um die Welle zu reiten. Das andere warnt, dass die Tour nicht einfach ein weiterer Termin im Rennkalender ist.
Lüttich hat diese Debatte verschärft. Aus einer Frage der Möglichkeiten ist eine Leistung gegen die absolute Weltspitze geworden, unter einem Druck und einer Intensität, die in diesem Alter nur wenige tragen können.
Paul Seixas und Christian Prudhomme vor dem Flèche Wallonne 2026
Seixas schüttelt Tour-de-France-Direktor Christian Prudhomme die Hand

„Wir wollen kein Risiko eingehen“

Die zentrale Botschaft aus dem Decathlon-Lager betrifft nicht die Fähigkeiten, sondern das Timing. „Wir wollen in diesem Stadium seiner Karriere kein Risiko eingehen“, sagt Performance-Direktor Jean-Baptiste Quiclet bei RMC Sport. „Unsere einzige Obsession ist, seine Entwicklung abzusichern und nicht das Risiko einzugehen, ihn jetzt unter Druck zu setzen.“
Dieser Ansatz spiegelt einen Plan wider, der lange vor der aktuellen Aufmerksamkeit festgelegt wurde. Das Team will nicht von der Struktur abweichen, die Seixas vom Nachwuchs in die WorldTour geführt hat. „Wir haben ausgeschlossen, vor der Roadmap zu entscheiden, die wir im Oktober aufgestellt haben“, fuhr er fort. „Wir wollen die gleiche Methodik anwenden, der wir seit Beginn unserer Arbeit mit ihm folgen.“

Entscheidung steht noch aus

Eine endgültige Entscheidung über Seixas’ Tour-de-France-Teilnahme wird in ein bis zwei Wochen nach internen Gesprächen erwartet. Bis dahin legt er nach seiner Ardennen-Kampagne eine kurze Rennpause ein, bevor die nächste Evaluationsphase beginnt.
Ein behutsamer Aufbau bleibt der wahrscheinlichere Weg, auch wenn die äußeren Erwartungen weiter steigen.
Seixas’ Auftritt in Lüttich hat die Dimension der Debatte um ihn verändert. Der Druck, Frankreich einen neuen Tour-de-France-Anwärter zu liefern, wächst nicht mehr – er ist bereits da. Genau dieses Umfeld versucht Decathlon zu steuern.
Denn sollte Seixas in diesem Sommer bei der Tour am Start stehen, wäre er nicht nur ein talentierter Jungprofi. Er stünde unter einer Beobachtung, wie sie in der jüngeren Radsportgeschichte nur wenige erlebt haben – zumal so früh in der Karriere.
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