„Wir werden bei der nächsten Tour de France dabei sein“ – TotalEnergies kämpft um seine Zukunft und plant für 2027
Radsport
Die Zukunft von TotalEnergies im professionellen Radsport nimmt langsam wieder konkretere Formen an. Obwohl die Verhandlungen über die Finanzierung der kommenden Saison noch nicht abgeschlossen sind, zeigt sich Teammanager Jean-Rene Bernaudeau zunehmend zuversichtlich, dass seine französische Mannschaft auch 2027 im internationalen Peloton vertreten sein wird. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist bereits erfüllt: Das Team hat die von der UCI geforderte Bankgarantie fristgerecht hinterlegt. Die endgültige Registrierung als ProTeam steht allerdings weiterhin aus.
Am 15. Oktober reichte die Mannschaft ihre finanzielle Sicherheitsleistung bei der UCI ein und hielt damit die entscheidende Frist für Teams ein, die ihren ProTeam-Status für 2027 verlängern möchten. Die Bankgarantie muss 25 Prozent der Bruttogehälter eines Kaders von mindestens 20 Fahrern abdecken. Damit hat die französische Organisation die erste von zwei wesentlichen Registrierungsvorgaben erfüllt. Nun fehlt noch die offizielle Mitteilung des Teamnamens einschließlich der Hauptsponsoren. Bernaudeau geht davon aus, dass auch dieser Schritt innerhalb weniger Tage abgeschlossen werden könnte.
„Unsere Unterlagen sind in Ordnung“ – Bernaudeau glaubt an die Rettung
Trotz der weiterhin offenen Sponsorengespräche vermittelt der langjährige Teammanager Zuversicht. Die bisherigen Fortschritte bei der Finanzierung stimmen ihn optimistisch, dass seine Mannschaft auch in der kommenden Saison an den Start gehen kann.

Jean-René Bernaudeau bei der vierten Etappe der Tour de France 2026
„Unsere Unterlagen sind in Ordnung, das Budget wird gefunden“, erklärte Bernaudeau gegenüber Ouest-France.
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Der Franzose räumte zugleich ein, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im professionellen Radsport derzeit schwierig seien. Gerade diese Herausforderung scheint ihn jedoch zusätzlich anzutreiben.
„Wenn es schwierig wird, gibt mir das Kraft. Dem Radsport geht es wirtschaftlich nicht besonders gut, aber unser Team ist beliebt. Drei wichtige Gespräche stehen noch an. Wir haben die Eintrittssumme deutlich gesenkt, und neue Partner kommen hinzu.“
Mit der reduzierten finanziellen Einstiegshürde möchte die Mannschaft offenbar zusätzliche Sponsoren gewinnen und die Finanzierung auf eine breitere Grundlage stellen.
Die fristgerecht hinterlegte Bankgarantie ist dabei ein wichtiges Signal. Sie bedeutet zwar noch keine endgültige Zulassung für 2027, zeigt aber, dass die Verantwortlichen konkrete Fortschritte bei der Sicherung des Fortbestands erzielt haben.
Primeo Energie und regionale Partner sollen ein Budget von zehn Millionen Euro ermöglichen
Für die Saison 2027 plant die französische Mannschaft mit einem Budget von rund zehn Millionen Euro.
Eine wichtige Rolle spielen dabei der Départementrat der Vendée und ein Netzwerk regionaler Unternehmen, die das Radsportprojekt weiterhin unterstützen möchten.
Zusätzliche Hoffnung macht das Engagement der Schweizer Energiegruppe Primeo Energie. Das Unternehmen gehört bereits zu den Unterstützern der Nachwuchsmannschaft Vendée U und beabsichtigt, seine Beteiligung im Jahr 2027 auf den Profibereich auszuweiten.
Damit könnte ein entscheidender Teil der finanziellen Grundlage für die kommende Saison geschaffen werden.
Für Bernaudeau geht es dabei um weit mehr als den Erhalt einer einzelnen Profimannschaft. Die Organisation blickt auf eine lange Geschichte zurück, die eng mit der Nachwuchsförderung in der Vendée verbunden ist.
Die heutige Profistruktur wurde im Jahr 2000 unter dem Namen Bonjour gegründet. Ihre Wurzeln reichen jedoch bis 1991 zurück, als die Nachwuchsorganisation entstand, auf der das spätere Profiteam aufbaute.
Seither verfolgt das Projekt das Ziel, talentierten jungen Fahrern einen möglichst direkten Weg vom Amateur- in den professionellen Radsport zu eröffnen.
Gerade diese Verbindung zwischen Nachwuchsarbeit und Profimannschaft betrachtet Bernaudeau weiterhin als einen zentralen Bestandteil der Identität seiner Organisation.
Sollte das geplante Budget von rund zehn Millionen Euro gesichert werden, könnte die Mannschaft unter der Leitung von General Manager Stephane Heulot und Sportdirektor Tony Gallopin mit einem Aufgebot von 20 bis 24 Fahrern in die Saison 2027 gehen.
Allerdings wird dieser Kader nach den zahlreichen Abgängen ein deutlich anderes Gesicht haben als bisher.
Neun Abgänge und drei Karriereenden: TotalEnergies steht vor einem großen Umbruch
Während die Verantwortlichen weiter an der finanziellen Absicherung arbeiten, hat der sportliche Umbau längst begonnen.
Gleich neun Fahrer haben bereits Verträge bei anderen Mannschaften unterschrieben und werden TotalEnergies zum Saisonende verlassen.
Dazu gehören Jordan Jegat, Emilien Jeanniere, Anthony Turgis, Alexandre Delettre, Nicolas Breuillard, Pierre Thierry, Matteo Vercher, Thomas Bonnet und Mathieu Burgaudeau.
Damit verliert die französische Mannschaft zahlreiche etablierte Leistungsträger und Fahrer, die in den vergangenen Jahren zum sportlichen Profil des Teams beigetragen haben.
Hinzu kommen drei weitere Abgänge, die mit dem Ende der aktiven Karriere verbunden sind.
Lorrenzo Manzin und Geoffrey Bouchard werden ihre Laufbahn als professionelle Radrennfahrer beenden.
Auch Fabian Grellier verabschiedet sich aus dem aktiven Rennsport. Im Gegensatz zu seinen beiden Teamkollegen soll er der Organisation jedoch erhalten bleiben und künftig eine Aufgabe im Betreuerstab übernehmen.
Insgesamt steht TotalEnergies damit vor der Herausforderung, zahlreiche Positionen neu zu besetzen und gleichzeitig einen konkurrenzfähigen Kader mit begrenzten finanziellen Mitteln zusammenzustellen.
Das geplante Aufgebot von 20 bis 24 Fahrern würde der Mannschaft zwar weiterhin die Teilnahme an einem umfangreichen internationalen Rennprogramm ermöglichen. Entscheidend wird jedoch sein, welche Fahrer für das neue Projekt gewonnen werden können und wie schnell sich die neu zusammengestellte Mannschaft sportlich findet.
„Es ist intensiv, aber wir schaffen das“ – Bernaudeau kennt den Kampf ums Überleben
Für Jean-Rene Bernaudeau ist die Unsicherheit über die Zukunft seiner Mannschaft keineswegs eine neue Erfahrung.
Der langjährige Teammanager hat im Laufe der vergangenen Jahrzehnte bereits mehrere schwierige Phasen durchlebt und musste wiederholt neue finanzielle Grundlagen für sein Radsportprojekt schaffen.
Eine vergleichbare Herausforderung stellte sich unter anderem 2010, als der Wechsel zum Sponsor Europcar organisiert werden musste.
Auch damals gelang es, die Fortsetzung des Projekts sicherzustellen.
Diese Erfahrungen geben Bernaudeau offenbar das Vertrauen, dass sich auch die aktuelle Situation bewältigen lässt.
„Es ist intensiv, aber wir schaffen das“, betonte er.
Besonders wichtig seien dabei die Kontakte und das Netzwerk von Stephane Heulot, durch die sich die Zusammenarbeit mit den technischen Partnern bereits habe absichern lassen.
„Unsere Lage ist solide. Dank Stephanes Netzwerk haben wir alle technischen Partner. Mich treibt an, unsere Werte zu bewahren. Eltern, die uns bei Vendée U ihr Kind anvertraut haben, sollen sagen können, dass sie einen Mann zurückbekommen haben.“
Mit diesen Worten unterstrich Bernaudeau, dass die Nachwuchsförderung für ihn nicht ausschließlich eine sportliche Aufgabe darstellt.
Vielmehr versteht er das Projekt auch als einen Ort, an dem junge Menschen auf ihrem Weg in den Profiradsport begleitet und persönlich weiterentwickelt werden sollen.
Die Bewahrung dieser Werte gehört für den Teammanager zu den wichtigsten Gründen, weshalb er weiterhin mit großem Einsatz um den Fortbestand der Mannschaft kämpft.
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Tour de France 2027: Bernaudeau rechnet fest mit einer Teilnahme
Neben den finanziellen Fortschritten sieht Bernaudeau auch in der sportlichen Ausgangslage seiner Mannschaft einen Grund für Optimismus.
In der aktuellen UCI-Teamwertung belegt TotalEnergies den 21. Platz. Damit befindet sich das Team in einer Position, aus der heraus Einladungen zu den großen internationalen Rennen möglich sind.
Besonders wichtig ist für die französische Mannschaft traditionell die Teilnahme an der Tour de France.
Als heimisches ProTeam mit einer langen Geschichte bei der Frankreich-Rundfahrt besitzt das Rennen sowohl sportlich als auch wirtschaftlich eine herausragende Bedeutung.
Die Präsenz bei der Tour bietet den Sponsoren eine besonders große internationale Sichtbarkeit und ist deshalb ein entscheidender Bestandteil des Geschäftsmodells.
Bernaudeau ist überzeugt, dass seine Mannschaft auch 2027 bei der wichtigsten Rundfahrt der Welt vertreten sein wird.
„Die Tour ist nicht außer Reichweite. Wir werden bei der nächsten Tour de France dabei sein“, erklärte er selbstbewusst.
Eine offizielle Startzusage ist damit allerdings noch nicht verbunden. Zunächst muss die Mannschaft ihre Finanzierung abschließend sichern, den endgültigen Teamnamen bei der UCI hinterlegen und das Registrierungsverfahren erfolgreich durchlaufen.
Erst danach kann sie sich vollständig auf die sportliche Vorbereitung der kommenden Saison konzentrieren.
Dennoch hat sich die Ausgangslage für TotalEnergies durch die fristgerecht eingereichte Bankgarantie und die Fortschritte bei der Sponsorensuche verbessert.
Ob das französische Traditionsprojekt seinen Platz im Profipeloton tatsächlich behaupten kann, dürfte sich in den kommenden Tagen und Wochen entscheiden.
Bernaudeau selbst lässt jedenfalls keinen Zweifel daran, welches Ziel er verfolgt: Auch 2027 soll seine Mannschaft am Start stehen – und möglichst erneut bei der Tour de France vertreten sein.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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