Alessandro Covi hat beim
Giro del Veneto 2026 für eine Überraschung gesorgt und sich mit einem eindrucksvollen Sprint den Sieg beim italienischen Eintagesrennen gesichert. Ausgerechnet gegen seine frühere Mannschaft UAE Team Emirates - XRG setzte sich der 28-Jährige von
Team Jayco AlUla im anspruchsvollen Finale von Vicenza durch. Nach seinem Triumph zeigte sich der Italiener überglücklich und vermutete, dass die Müdigkeit vieler Konkurrenten zum Saisonende durchaus eine Rolle bei seinem Erfolg gespielt haben könnte.
Für Covi war es ein besonderer Moment: Erstmals durfte er im Trikot der australischen Mannschaft jubeln, der er sich zu Beginn der Saison angeschlossen hatte. Gleichzeitig beendete er eine 18-monatige Durststrecke ohne Sieg. Rund 400 Meter vor dem Ziel nutzte er den Anfahrerzug von Brandon McNulty für dessen Teamkollegen Benoit Cosnefroy, um mit einer explosiven Beschleunigung an die Spitze zu stürmen und den entscheidenden Angriff auf den Tagessieg zu starten.
„Es ist schwierig, Rennen zu gewinnen“ – Covi feiert emotionalen Erfolg
Mit einem
kraftvollen Sprint ließ Covi seinen Verfolgern auf der ansteigenden Zielgeraden keine Chance mehr. Weder der heranstürmende Anthon Charmig noch UAE-Profi Benoit Cosnefroy konnten den Italiener auf den letzten Metern noch abfangen. Nach seinem überzeugenden Erfolg in Vicenza war Covi die Erleichterung deutlich anzumerken.
Alessandro Covi gewinnt den Giro del Veneto 2026
„Ja, man weiß es nie. Es ist schwierig, Rennen zu gewinnen. Selbst wenn mir das erst im Oktober gelingt, ist es ein großer Sieg. Schließlich ist es ein Sieg“, erklärte er im Interview nach dem Rennen.
„Es ist außerdem ein schönes Rennen, an dem ich schon einige Male teilgenommen habe. Wir sind am Ende der Saison, viele Fahrer sind müde, und ich bin es auch. Aber es ist ein tolles Gefühl, im neuen Trikot zu gewinnen. Es hat zehn Monate gedauert, bis mir dieser Sieg gelungen ist, aber das macht ihn nicht weniger besonders.“
Teamkollege Vendrame verzichtet auf eigene Chance und macht Covis Sieg möglich
Dabei war ursprünglich gar nicht vorgesehen, dass Covi im Finale auf eigene Rechnung fahren würde. Die sportliche Leitung von Team Jayco AlUla hatte ihre Hoffnungen zunächst auf Andrea Vendrame gesetzt, der im Sprint um den Sieg kämpfen sollte. Doch während des Rennens stellte der Italiener fest, dass er nicht über die nötige Form verfügte. Kurzerhand änderte die Mannschaft ihre Strategie und übertrug Covi die Rolle des Kapitäns. Vendrame selbst ermutigte seinen Landsmann, seine Kräfte zu schonen und auf die Entscheidung im Sprint zu warten.
„Eigentlich war geplant, dass Andrea Vendrame den Sprint bestreitet. Aber mitten auf dem Rundkurs kam er zu mir und sagte: ‚Ich fühle mich nicht besonders gut. Bleib ruhig, verschwende keine Energie und warte einfach auf den Sprint.‘“
Covi hielt sich konsequent an diese Anweisung und vermied unnötige Kraftanstrengungen. Statt selbst Attacken zu lancieren, konzentrierte er sich darauf, den Anschluss an die entscheidende Gruppe zu halten und möglichst ausgeruht in die Schlussphase zu gehen. Dass ihm Vendrame diese Gelegenheit überließ, bedeutete ihm nach eigener Aussage besonders viel.
„Am Ende habe ich genau das gemacht, was er mir gesagt hat. Ich habe keine einzige Attacke gefahren und bin die ganze Zeit in der ersten Gruppe geblieben. Dann habe ich im Sprint einfach mein Glück versucht – und gewonnen. Es war wirklich eine tolle Geste von Andrea, mir diese Chance zu überlassen. Das bedeutet mir sehr viel.“
Nächste Siegchance bei der Veneto Classic? Covi kämpft mit der Müdigkeit
Viel Zeit, seinen Triumph zu genießen, bleibt Covi allerdings nicht. Bereits am Sonntag steht mit der Veneto Classic das nächste italienische Eintagesrennen auf seinem Programm. Nach seinem Erfolg beim Giro del Veneto könnte der 28-Jährige dort erneut zu den aussichtsreichen Kandidaten zählen. Allerdings macht der lange Rennkalender inzwischen auch ihm zu schaffen. Ob seine Kräfte für einen weiteren Angriff auf den Sieg reichen, lässt er deshalb offen.
„Ich glaube, dass ich für diesen Saisonendspurt schon sehr viel Energie aufgebraucht habe. Ich bin wirklich müde. Aber warum eigentlich nicht? Am Sonntag werden wir wieder motiviert an den Start gehen, und man weiß schließlich nie, was passieren kann.“
Besonders bemerkenswert war Covis Sieg auch deshalb, weil seine frühere Mannschaft UAE Team Emirates - XRG das Rennen am Mittwoch über weite Strecken maßgeblich mitgestaltet hatte. Die Mannschaft zeigte sich offensiv und versuchte, die Entscheidung frühzeitig herbeizuführen. Rund 15 Kilometer vor dem Ziel ging Brandon McNulty gemeinsam mit weiteren Fahrern in die Offensive. Als die Ausreißer im Finale jedoch wieder eingeholt wurden, musste UAE seine ursprüngliche Taktik aufgeben und sich auf einen Sprint vorbereiten.
Auf dem letzten Kilometer übernahm McNulty schließlich die Führungsarbeit und schlug ein hohes Tempo an, um seinem Teamkollegen Benoit Cosnefroy die bestmögliche Ausgangsposition zu verschaffen. Doch ausgerechnet dieser Anfahrerzug erwies sich als perfekte Vorlage für Covi. Der Italiener nutzte die Tempoarbeit seines ehemaligen Teams, beschleunigte im entscheidenden Moment und zog unwiderstehlich davon. Während UAE Team Emirates - XRG trotz seiner offensiven Fahrweise ohne Sieg blieb, durfte Covi seinen ersten Erfolg für Team Jayco AlUla feiern.