Die Spannungen bei
Red Bull - BORA - hansgrohe gehören in den ersten Tagen der
Tour de France zu den beherrschenden Themen. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten sie nach der Etappe über den Col du Tourmalet, als
Remco Evenepoel seinen Teamkollegen
Florian Lipowitz öffentlich kritisierte. Nun haben sich auch Lance Armstrong,
Bradley Wiggins und George Hincapie zu dem Vorfall geäußert.
Direkt nach dem Ende der sechsten Etappe machte Evenepoel in belgischen Medien seinem Ärger Luft. Auf dem Schlussanstieg nach Gavarnie funktionierte die Zusammenarbeit in seiner Gruppe nicht wie erhofft. Besonders enttäuscht zeigte sich der Belgier darüber, dass Lipowitz aus seiner Sicht nicht auf seine Anweisungen reagierte.
Armstrong reagiert mit deutlichen Worten
„Ich habe um einen Anfahrer gebeten und ihn nicht bekommen. Ich finde, ich war zurecht wütend. Bei der Katalonien-Rundfahrt bin ich dreißig Kilometer von vorn gefahren, jetzt bitte ich ihn, einen Kilometer von vorn zu fahren, und das passiert nicht. Das hat mich wütend gemacht, ja. Das muss heute Abend in Ruhe besprochen werden“, sagte Evenepoel.
Remco Evenepoel sorgte mit seiner öffentlichen Kritik an Teamkollege Florian Lipowitz bei der Tour de France für Diskussionen.
Die Aussagen verbreiteten sich innerhalb kürzester Zeit und sorgten für reichlich Gesprächsstoff. Plötzlich schienen die Spannungen innerhalb von Red Bull - BORA - hansgrohe deutlich größer zu sein, als viele zunächst angenommen hatten. Vor dem Start der siebten Etappe erklärten Evenepoel, Lipowitz und mehrere Teammitarbeiter zwar, der Vorfall sei intern geklärt worden. Dennoch hinterließen die öffentlichen Aussagen einen bleibenden Eindruck in der ersten Tour-Woche.
Auch im Podcast
The Move wurde das Thema aufgegriffen. Lance Armstrong schilderte dabei, wie die Aussagen innerhalb der Runde aufgenommen wurden.
„Johan [Bruyneel] hat uns das per WhatsApp geschickt, und ich konnte einfach nicht widerstehen zu antworten. Ich schrieb zurück: 'Oberjammerer'. Johan antwortete: 'Ehemaliger Fußballer', was stimmt“, sagte Armstrong.
Wiggins zeigt Verständnis für Evenepoels Reaktion
Es war nicht das erste Mal, dass Remco Evenepoel unmittelbar nach einem Rennen mit deutlichen Worten auffiel. Bereits auf der offiziellen
Pressekonferenz vor dem Start der Tour de France hatte der Belgier auf mehrere Fragen der Journalistinnen und Journalisten ungewohnt gereizt reagiert.
Bradley Wiggins, der selbst viele Jahre auf höchstem Niveau unterwegs war, kann die Situation zumindest teilweise nachvollziehen.
„Wir alle kennen diese Frustration unmittelbar nach dem Ziel, wenn Dinge, die passieren sollten, nicht passiert sind.“
Der Tour-de-France-Sieger von 2012 verwies dabei vor allem auf den Zeitpunkt des Interviews.
„Was ich zu Remcos Verteidigung sagen würde: Wenige Minuten nach der Ziellinie wird ihm sofort ein Mikrofon vor das Gesicht gehalten.“
Gleichzeitig räumte Wiggins ein, dass die Aussagen dem Team geschadet hätten. Die taktische Ausrichtung und die Zusammenarbeit innerhalb von Red Bull - BORA - hansgrohe stünden nun zwangsläufig noch stärker im Fokus.
Nach seiner Einschätzung dürfte Evenepoel seine Aussagen inzwischen bereuen.
„In so einem Moment sagen wir alle Dinge, die wir 24 Stunden später vielleicht bereuen. Leider gehört das zum Sport“, erklärte Wiggins.
„Das Problem für Remco ist, dass so ein Zitat am nächsten Tag sofort auf den Titelseiten steht. Es befeuert augenblicklich all die Geschichten, die schon vor Tour-Beginn über ihn kursierten.“
Hincapie: Solche Kritik gehört nicht in die Öffentlichkeit
Dass die enorme Anspannung während der Tour de France eine Rolle gespielt haben könnte, liegt für viele Beobachter auf der Hand. Zwischen der intensiven Vorbereitung, den täglichen Medienterminen und dem sportlichen Druck stehen die Fahrer während der Frankreich-Rundfahrt permanent unter Beobachtung.
Evenepoel ist dafür bekannt, seine Meinung offen zu äußern. George Hincapie ist dennoch überzeugt, dass manche Themen ausschließlich intern besprochen werden sollten.
„Ja, so etwas sollte man wahrscheinlich nicht sagen. Man darf wütend sein, aber man sollte es auf keinen Fall öffentlich äußern“, sagte der frühere US-Profi.
Gleichzeitig zeigte auch Hincapie Verständnis für den Belgier.
„Er ist bei der Katalonien-Rundfahrt für Lipowitz von vorn gefahren, insofern hatte er einen Punkt. Aber ein Teil seiner Frustration rührte auch daher, dass die Zusammenarbeit in dieser Gruppe nicht richtig funktionierte.“