Die
Tour de France 2026 entwickelt sich erneut zu einer Demonstration der Stärke von
Tadej Pogacar. Der Weltmeister gewann zwei der ersten sechs Etappen, ebnete Teamkollege Isaac del Toro den Weg zu einem weiteren Tagessieg und beendete den ersten entscheidenden Rennblock im Gelben Trikot. Für viele Beobachter stellt sich deshalb die Frage, ob die Streckenführung zu den bereits großen Zeitabständen beigetragen hat.
Thierry Gouvenou, der seit Jahren für die Streckenplanung der Tour de France verantwortlich ist, weist diese Kritik jedoch entschieden zurück. Zwar habe er auf der ersten großen Bergetappe mit kleineren Zeitabständen gerechnet – am grundsätzlichen Rennverlauf hätte das seiner Ansicht nach jedoch nichts geändert.
Gouvenou überrascht von den großen Zeitabständen am Tourmalet
Die sechste Etappe führte das Peloton über den Col d’Aspin, den 17 Kilometer langen Col du Tourmalet und schließlich hinauf zum vergleichsweise moderaten Schlussanstieg nach Gavarnie-Gèdre. Für Gouvenou war der Tourmalet von Beginn an als Schlüsselstelle der Etappe eingeplant.
Tadej Pogacar baute seinen Vorsprung bei der Tour de France 2026 bereits in der ersten Bergankunft deutlich aus und unterstrich damit einmal mehr seine außergewöhnliche Dominanz.
Dort erhöhte UAE Team Emirates - XRG das Tempo entscheidend und bereitete rund fünf Kilometer unterhalb des Gipfels den Angriff von Pogacar vor. Der Slowene setzte sich von Jonas Vingegaard ab und baute seinen Vorsprung im weiteren Rennverlauf auf der Straße auf 2:38 Minuten aus.
„Wir waren uns ein wenig unsicher, wie schwer die 6. Etappe werden würde, denn wir wussten ganz genau, dass der Tourmalet ein entscheidender Moment sein würde“, erklärte Gouvenou im Gespräch mit TV2.
„Ehrlich gesagt hatten wir nicht mit einem so großen Abstand gerechnet und dachten, die Unterschiede im Ziel würden viel geringer ausfallen.“
Als Streckenplaner der Tour de France sieht Gouvenou seine Aufgabe darin, anspruchsvolle und attraktive Etappen zu entwerfen, die einerseits für Spannung sorgen und andererseits früh offensive Rennverläufe ermöglichen. Nach seiner Einschätzung war diese Balance auch auf der Pyrenäen-Etappe gegeben.
„Die Zuschauer würden nicht verstehen, wenn wir etwa durch die Pyrenäen mit einem nicht allzu schweren Pass in der Etappenmitte und anschließend nur flachem Terrain fahren würden. Wir haben uns für die Route über den Tourmalet entschieden und gehofft, der Abstand würde kleiner sein. Doch der Unterschied war groß.“
„So ist Pogacar nun einmal“
Nach sechs Etappen lag Pogacar bereits fast drei Minuten vor seinem ersten Verfolger Jonas Vingegaard. Der Zehntplatzierte der Gesamtwertung, Mathias Vacek, hatte zu diesem Zeitpunkt sogar mehr als sieben Minuten Rückstand auf das Gelbe Trikot.
„Was die Spannung betrifft, könnte man sagen, es war ein Misserfolg. Aber das gehört auch zum Radsport.“
In den sozialen Medien wurde anschließend vielfach darüber diskutiert, ob eine andere Streckenführung den Kampf um das Gelbe Trikot enger gehalten hätte. Gouvenou hält diese Argumentation jedoch für zu kurz gedacht.
„So ist Pogacar nun einmal. Er ist so stark, dass ihm jede Strecke liegt.“
Nach dem ersten Hochgebirgsblock richtet sich der Blick nun zunächst auf die Sprintetappen sowie zwei anspruchsvolle Teilstücke im Massif Central. Die nächsten großen Bergetappen folgen erst später im Rennen, ehe die schwersten Herausforderungen für die Schlusswoche vorgesehen sind.
Für Gouvenou steht dennoch fest, dass die Dominanz des Weltmeisters nicht auf die Streckenführung zurückzuführen ist.
„Ja, mir wäre es lieber gewesen, wenn der Zweikampf viel enger wäre. Das Problem ist nicht die Strecke. Das Problem ist der Unterschied zwischen Pogacar und den anderen“, sagte der Tour-Architekt.