„Wir müssen an einem Strang ziehen“ – Matteo Jorgenson fordert nach Fahrerprotest mehr Sicherheit im Radsport

Radsport
durch Nic Gayer
Protest des Pelotons bei der Lombardei-Rundfahrt 2026.
Matteo Jorgenson fordert mehr Zusammenhalt im professionellen Radsport, um die Sicherheit der Fahrer nachhaltig zu verbessern. Nach dem gemeinsamen Protest des Pelotons zu Beginn der Lombardei-Rundfahrt Anfang Oktober sieht der US-Amerikaner die Profis in der Pflicht, künftig noch entschlossener mit einer Stimme zu sprechen. Die Botschaft der Fahrer ist klar: Sowohl die Rennveranstalter als auch der Radsport-Weltverband UCI müssen bestehende Sicherheitsprotokolle konsequenter umsetzen und ihrer Verantwortung stärker gerecht werden.
Während die Profis auf der Straße erbittert um Positionen kämpfen und sich an den entscheidenden Anstiegen gegenseitig attackieren, sollte abseits des Renngeschehens ein gemeinsames Ziel im Vordergrund stehen. Für Jorgenson, der bei Visma - Lease a Bike unter Vertrag steht, darf die Rivalität zwischen den Mannschaften kein Hindernis sein, wenn es um die Sicherheit des gesamten Pelotons geht. Vielmehr müssten die Fahrer lernen, ihre Interessen geschlossen zu vertreten und Missstände gemeinsam anzusprechen.

Jorgenson fordert Geschlossenheit: „Niemand wird uns auslachen“

Eine entscheidende Rolle bei der Organisation des Protests vor der Lombardei-Rundfahrt spielte nach Einschätzung von Jorgenson der Ire Ben Healy. Der Profi von EF Education-EasyPost habe maßgeblich dazu beigetragen, die Fahrer der verschiedenen Mannschaften zusammenzubringen und eine gemeinsame Aktion auf die Beine zu stellen.
Matteo Jorgenson überquert bei der Il Lombardia 2026 die Ziellinie.
Matteo Jorgenson fordert mehr Zusammenhalt im Peloton, um die Sicherheit im Profiradsport zu verbessern. Der US-Amerikaner von Visma - Lease a Bike lobt besonders Ben Healy für die Organisation des gemeinsamen Fahrerprotests bei der Lombardei-Rundfahrt.
„Wir müssen üben, wie es ist, zusammenzuarbeiten. Wir müssen an einem Strang ziehen. Niemand wird uns auslachen, wenn wir vorschlagen, einmal gemeinsam etwas für unsere Sicherheit zu tun“, erklärte Jorgenson im Gespräch mit TNT Sports.

Großes Lob für Ben Healy: So wurde der Protest bei Il Lombardia organisiert

Besonders beeindruckt zeigte sich der US-Amerikaner davon, wie strukturiert Healy die Abstimmung zwischen den Teams vorbereitet hatte. „Ben Healy gebührt dafür großes Lob. Es wirkte wirklich so, als hätte er alles organisiert und für das Rennen bei der Lombardia einen Gruppenchat mit je einem Fahrer aus jedem Team eingerichtet. Auch die Idee zu diesem fünfminütigen Protest kam von ihm.“
Dabei war den Fahrern wichtig, mit ihrer Aktion ein deutliches Zeichen zu setzen, ohne den eigentlichen Rennablauf unnötig zu beeinträchtigen oder den Veranstalter zu verärgern. Die Kritik richtete sich ausdrücklich nicht gegen RCS, den Organisator der Lombardei-Rundfahrt. Vielmehr wollten die Profis auf Sicherheitsprobleme aufmerksam machen, die bei anderen Rennen aufgetreten waren. RCS schien die Protestaktion sogar zu unterstützen beziehungsweise ihre Durchführung zu ermöglichen.
Jorgenson betonte, dass die Verantwortlichen den Protest bewusst so gestaltet hätten, dass der italienische Veranstalter nicht für Vorfälle verantwortlich gemacht werde, mit denen er nichts zu tun hatte. „Das war sehr gut durchdacht. Wir wollen das Rennen nicht stören, denn die jüngsten Rennen in Italien, bei denen es zu diesen Vorfällen kam, wurden nicht von RCS veranstaltet.“
Entscheidend sei vielmehr gewesen, ein gemeinsames Signal über die Grenzen einzelner Mannschaften und Rennen hinweg auszusenden. „RCS richtet natürlich die Lombardei-Rundfahrt aus und hatte damit nichts zu tun. Trotzdem müssen wir Fahrer lernen, gemeinsam aufzutreten.“

Ben Healy kritisiert UCI: „Wir sind unzufrieden“

Auch Ben Healy selbst äußerte sich im Anschluss an die Protestaktion und machte deutlich, welche Erwartungen die Fahrer mit ihrem gemeinsamen Auftreten verbinden. Der Ire, der bei der Tour de France bereits das Gelbe Trikot getragen hatte, hofft vor allem darauf, dass die UCI und die Rennveranstalter die Sorgen der Profis künftig ernster nehmen. Für ihn hat die Aktion gezeigt, wie groß der Einfluss des Pelotons sein kann, wenn die Fahrer geschlossen handeln.
„Nach den Ereignissen dieser Woche und vor allem dieses Sommers herrscht im Peloton wohl Einigkeit darüber, dass insbesondere die UCI nicht genug unternimmt“, erklärte Healy nach dem Protest. Damit brachte er die wachsende Unzufriedenheit vieler Profis mit dem bisherigen Umgang mit Sicherheitsfragen zum Ausdruck.
Gleichzeitig unterstrich der Ire, dass es bei der Aktion nicht darum gegangen sei, die Lombardei-Rundfahrt zu beeinträchtigen oder einen Konflikt mit den Organisatoren zu provozieren. Im Mittelpunkt habe ausschließlich die gemeinsame Forderung nach mehr Sicherheit gestanden. „Wir stehen einfach gemeinsam auf, um zu zeigen, dass wir unzufrieden sind. Wir wollten das Rennen heute keineswegs beeinflussen oder die Veranstalter verärgern. Wir wollten nur zeigen, welche Stärke und welche Stimme wir als Fahrer haben. Jedes Team am Start hat heute Morgen dafür gestimmt. Das zeigt, wie stark dieses Gefühl ist. Ich hoffe, dass unsere Botschaft angekommen ist.“
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