Neuer Plan für Florian Lipowitz: Red Bull - BORA - hansgrohe erwägt Kurswechsel für 2027

Radsport
durch Nic Gayer
Florian Lipowitz, Red Bull - BORA - hansgrohe Profi
Florian Lipowitz könnte 2027 neue Wege einschlagen. Nach seinem Aufstieg in die Weltspitze der Rundfahrer denkt Red Bull - BORA - hansgrohe darüber nach, das Rennprogramm des Deutschen vielseitiger zu gestalten. Künftig soll der 26-Jährige möglicherweise häufiger bei anspruchsvollen Eintagesrennen an den Start gehen, um seine Fähigkeiten auch abseits der großen Rundfahrten weiterzuentwickeln. Teamchef Ralph Denk steht diesen Überlegungen offen gegenüber und sieht darin sogar einen möglichen Vorteil für Lipowitz' Grand-Tour-Ambitionen. Entscheidend sei allerdings, die richtige Balance zu finden, damit seine größten Stärken nicht darunter leiden.
Seinen endgültigen Durchbruch hatte Lipowitz 2025 bei der Tour de France gefeiert, als er sensationell den dritten Gesamtrang belegte und sich das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers sicherte. Auch 2026 stellte er seine Klasse als Rundfahrer eindrucksvoll unter Beweis: Podiumsplätze bei der Volta a Catalunya, der Itzulia Basque Country und der Tour de Romandie folgte der Gesamtsieg bei der Tour of Slovenia. Bei der Tour de France nahm seine Saison allerdings eine bittere Wendung. Auf der 16. Etappe stürzte Lipowitz im Einzelzeitfahren schwer, brach sich das Schlüsselbein und musste die Frankreich-Rundfahrt vorzeitig beenden.

Lipowitz will sich bei Klassikern verbessern – Denk begrüßt den Vorstoß

Der schmerzhafte Rückschlag und die anschließende Genesungsphase fließen nun auch in die Überlegungen für die kommende Saison ein. Bei Red Bull - BORA - hansgrohe möchte man Lipowitz weiterhin gezielt als Rundfahrer fördern, ihm gleichzeitig aber neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen. Der Deutsche selbst hat bereits deutlich gemacht, dass er seine Fähigkeiten bei den Klassikern ausbauen möchte. „Ich muss mich einfach etwas mehr auf Eintagesrennen konzentrieren und mich dort verbessern“, erklärte Lipowitz kürzlich.
Florian Lipowitz auf dem Podium.
Florian Lipowitz könnte 2027 ein vielseitigeres Rennprogramm bestreiten. Red Bull - BORA - hansgrohe erwägt zusätzliche Klassiker-Einsätze, während seine Rolle bei den Grand Tours noch offen ist.
Bei Teamchef Ralph Denk stößt dieser Wunsch auf offene Ohren. Der Manager ist überzeugt, dass gerade die besondere Intensität anspruchsvoller Eintagesrennen einen positiven Einfluss auf Lipowitz' weitere Entwicklung haben könnte. „Das würde ich tatsächlich begrüßen, denn Eintagesrennen werden noch härter gefahren als Rundfahrten“, erklärte Denk am Montag gegenüber Eurosport.

Verpasste Lombardei-Rundfahrt und große Hoffnungen für die Radsport-WM 2027

Schon in diesem Herbst hätte Lipowitz die Gelegenheit erhalten sollen, sich bei einem der anspruchsvollsten Eintagesrennen des internationalen Kalenders zu beweisen. Ein Start bei der Lombardei-Rundfahrt im Oktober war fest eingeplant, doch eine Erkrankung verhinderte seinen Einsatz. Für Denk war das besonders bedauerlich, weil er seinem Schützling auf dem schweren italienischen Parcours einiges zugetraut hatte.
„Wegen seiner Krankheit haben wir ihn dort vermisst. Ich hätte ihn gern dabei gehabt“, erklärte der Teamchef. Denk zeigte sich überzeugt davon, dass Lipowitz bei dem prestigeträchtigen Klassiker durchaus eine wichtige Rolle hätte spielen können.
Für 2027 deutet sich deshalb eine Anpassung des Rennkalenders an. In der abgelaufenen Saison lag Lipowitz' Schwerpunkt klar auf mehrtägigen Wettbewerben. Mit der Volta ao Algarve, der Volta a Catalunya, der Itzulia Basque Country, der Tour de Romandie, der Tour of Slovenia und der Tour de France bestritt er zahlreiche bedeutende Rundfahrten. Seine Einsätze bei Eintagesrennen beschränkten sich dagegen unter anderem auf die Trofeo Ses Salines, den Giro della Toscana, das Memorial Marco Pantani und die Trofeo Matteotti.
Hinzu kam das Straßenrennen der Radsport-WM im kanadischen Montreal, das Lipowitz auf dem 47. Platz beendete. Trotz dieses eher unauffälligen Ergebnisses ließ der Deutsche anschließend durchblicken, dass er sich bei künftigen Titelkämpfen deutlich mehr zutraut.
Insbesondere die Radsport-WM 2027 könnte sich für Lipowitz zu einem großen Ziel entwickeln. Denk hält den extrem anspruchsvollen Kurs mit seinen zahlreichen Anstiegen für geradezu ideal für den Deutschen. „Die Radsport-WM mit 5.000 Höhenmetern wird brutal schwer und ist eigentlich wie für Florian gemacht“, erklärte der Teamchef. Um auf diese Herausforderung optimal vorbereitet zu sein, hält er zusätzliche Renneinsätze für sinnvoll: „Deshalb wäre es gut, wenn er vorher noch ein oder zwei Eintagesrennen bestreitet.“

Giro d'Italia oder Tour de France? Red Bull - BORA - hansgrohe lässt Führungsfrage offen

Neben der möglichen Erweiterung von Lipowitz' Rennprogramm steht Red Bull - BORA - hansgrohe vor einer weiteren richtungsweisenden Entscheidung: der Verteilung seiner Kapitänsrollen bei den drei Grand Tours. Das Team verfügt über mehrere Fahrer, die bei den großen Landesrundfahrten um Spitzenplatzierungen kämpfen können. Bei der Tour de France 2026 waren Remco Evenepoel und Florian Lipowitz als Doppelspitze angetreten. Jai Hindley sicherte sich beim Giro d'Italia den dritten Gesamtrang, während Primoz Roglic die Vuelta a Espana als Gesamtzweiter beendete.
Wie die Rollen im kommenden Jahr verteilt werden, ist bislang völlig offen. Zunächst will die Teamführung die offiziellen Streckenpräsentationen aller drei Grand Tours für 2027 abwarten. Erst wenn die jeweiligen Profile bekannt sind, soll entschieden werden, welcher Fahrer bei welcher Rundfahrt die besten Erfolgsaussichten besitzt und entsprechend als Kapitän eingeplant wird.
Damit ist auch ein Start von Lipowitz oder Evenepoel beim Giro d'Italia keineswegs ausgeschlossen. Beide könnten 2027 ein anderes Grand-Tour-Programm absolvieren als noch in der vergangenen Saison. Denk möchte sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht festlegen und betont, dass sämtliche Optionen auf dem Tisch liegen. „Das ist eine Frage, über die wir sprechen können. Im Moment ist noch alles offen. Wir haben den Giro bereits gewonnen und wissen, wie sich das anfühlt. Das hat sicherlich seinen Reiz“, erklärte der Teamchef.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading