Von außen ließe sich Remco Evenepoels Frühjahrsprogramm als Vorsicht deuten. Eine Rundfahrt im Februar ohne
Tadej Pogacar oder Jonas Vingegaard am Start wirkt schnell wie Bequemlichkeit statt Konfrontation.
Innerhalb von
Red Bull - BORA - hansgrohe dachte man genau andersherum.
„Wir gehen niemandem aus dem Weg“, sagte Zak Dempster und erklärte, warum Evenepoel die
UAE Tour als Teil seines 2026-Aufbaus anpeilte
im Gespräch mit Cycling News. Die ursprüngliche Motivation, so Dempster, war simpel: Evenepoel rechnete mit Tadej Pogacar am Start.
Diese Klarstellung ist entscheidend. Sie räumt mit der Idee auf, Red Bull halte Evenepoel aus Gefahrenzonen heraus, oder sein elektrischer Saisonstart sei im luftleeren Raum konstruiert. Die Absicht war, sich zu messen, nicht sich zu verstecken.
Frühe Dominanz, echte Gradmesser
Evenepoels erste Wochen in Red-Bull-Farben haben bereits den Ton gesetzt. Siege bei der Challenge Mallorca, Kontrolle im Mannschaftszeitfahren und ein souveräner Gesamterfolg bei der Volta a Comunitat Valenciana bestätigen sichtbar, dass der Wechsel reibungslos greift.
Dempster betont, dass diese Resultate nicht gegen schwache Konkurrenz eingefahren wurden.
„Der Sieg in Valencia war gegen ein Feld auf Top-Niveau“, sagte er und verwies auf Fahrer wie Joao Almeida als echte Referenzen statt Lückenfüller. Die UAE Tour bleibt auch ohne Pogacar und Vingegaard „eine wirklich starke Startliste“ und „ein wichtiger Test“.
Mit anderen Worten: Red Bull betrachtet die Februar-Form nicht als Zierde. Sie ist Datenbasis.
Rennen als Vorbereitung, nicht als Schutz
Einer der klarsten Leitfäden in Red Bulls Planung für 2026 ist die Abneigung gegen Übersteuerung von Evenepoels Weg. Statt ihn in kontrollierten Umgebungen zu isolieren, setzt das Team konsequent auf Wettkampf als primäres Entwicklungswerkzeug.
„Aus den letzten 45 Minuten eines Rennens, in denen du mitten im Kampf bist, ziehst du verdammt viel“, sagte Dempster. „Vielleicht sogar mehr als aus einer zusätzlichen Höhenwoche im Januar.“
Diese Philosophie erklärt, warum Evenepoel Mallorca-Rennen ergänzte, warum seine Form im Wettkampf geschärft wurde und warum das Auslassen eines frühen Höhencamps intern als Stärke statt Makel gilt.
Entgegen der modernen Orthodoxie ist Red Bull überzeugt, dass ein Fahrer ein sehr hohes Niveau erreichen kann, ohne sofort auf einen Berg zu verschwinden. Die Arbeit wurde vorerst auf der Straße erledigt.
Ein stabiler Winter, endlich ohne Unterbrechung
Unter diesem Start liegt zudem ein leiser, aber nicht minder wichtiger Unterbau. Erstmals seit einigen Saisons kam Evenepoel ohne Stürze oder Rückschläge durch den Winter.
„Einfach jeden Tag um 9:30 Uhr aufs Rad zu können und zum Mittagessen zuhause zu sein“, sagte Dempster und beschrieb damit den größten Unterschied. Stabilität, nicht Neuerfindung, war der Eckpfeiler.
Diese störungsfreie Phase erlaubte Red Bull, einen Back-to-Basics-Ansatz um einen neuen Coach, eine neue Performance-Struktur und einen Fahrer umzusetzen, der in das von vielen als Prime-Fenster seiner Karriere betrachtete Alter eintritt.
Die Tour bleibt der Maßstab
Am ultimativen Erfolgsmaß ändert das nichts. Evenepoels Frühform hat bereits Fragen geweckt, ob der Peak zu früh kommt, doch Red Bulls Botschaft bleibt konsistent: Das ist nicht das Ziel, sondern der Weg.
Nach der UAE Tour geht Evenepoel mit Co-Kapitän Florian Lipowitz für die Tour de France ins Höhentraining, danach folgen Katalonien und die Ardennen-Klassiker. Pogacar wird bald wieder im Bild sein.
Das frühe Signal ist jedoch wichtig. Evenepoel wollte Pogacar am Start. Er suchte die Auseinandersetzung, nicht den Ausweg.
Für ein Team, das die aktuelle Hierarchie des Sports angreifen statt umkreisen will, könnte diese Haltung so bedeutend sein wie jedes bereits eingefahrene Resultat.