Die Radsportsaison hat kaum begonnen und ist doch bereits fest im Gedächtnis der Fans verankert. Die Mailand–Sanremo-Gala wirkt nach, noch immer „blinzelnd“, wie Javier Ares auf seinem
YouTube-Kanal sagt, nach einem jener Momente, die den Kalender überragen. Doch der Radsport kennt keine Pausen. Er wechselt Bühne, Landschaft und Erzählung – und bewahrt seine Wettkampfessenz. Zeit umzublättern und den Blick auf einen frühen Saisonklassiker zu richten: die
Katalonien-Rundfahrt.
„Noch immer blinzelnd nach dem, was wir bei Milano–Sanremo gesehen haben, Tadej Pogacars Show, eine unauslöschliche Seite der Radsportgeschichte“, sagt Ares und ordnet die Größe des Moments ein. Er lenkt den Fokus jedoch rasch um: „Es wäre enorm unfair, denn die Saison hat ja gerade erst begonnen.“ Also Bühne frei für die Volta, das nächste Pflichtkapitel.
Die Katalonien-Rundfahrt braucht keine Vorstellung, wohl aber Kontext. Ares betont ihr historisches Gewicht: „Wir müssen uns erinnern, sie ist das viertälteste Rennen… 1911 ist diese Rundfahrt gestartet.“ Nur die Tour, die Belgien-Rundfahrt und der Giro sind unter den Etappenrennen älter. Allein das erklärt die Bedeutung eines Events, das sich vom lokalen Format zur internationalen Referenz entwickelt hat.
Er unterstreicht dieses stetige Wachstum: „Die Rundfahrt ist gewachsen… ab den 60ern… mit Namen wie Jacques Anquetil, Merckx, Ocaña, Gimondi.“ Diese Entwicklung festigte ihr Prestige, später noch veredelt durch Sieger wie Miguel Indurain und Alejandro Valverde.
Jenseits der Historie bietet diese Ausgabe unmittelbaren Reiz: ein Aufeinandertreffen der führenden Protagonisten des Pelotons. Ares bringt es auf den Punkt: „Hier haben wir ein weiteres großes Duell der Saison.“ Zwei Namen stehen im Rampenlicht:
Jonas Vingegaard und
Remco Evenepoel.
Das Urteil über den Dänen ist klar: „Wir dürfen nicht übersehen, dass Vingegaard der große Favorit ist.“ Er kommt nach einer dominanten Paris–Nizza und mit einer Mannschaft, die voll auf ihn ausgerichtet ist. „Er wird das ganze Team zu seiner Verfügung haben… es gibt nicht den geringsten Zweifel angesichts der Feuerkraft, die er mitbringt“, ergänzt Ares und unterstreicht seinen Status.
Jonas Vingegaard, Topfavorit auf den Sieg bei der Volta a Catalunya
Gegenüber steht Evenepoel als Alternative. Ein Fahrer, der Fragen aufwirft, aber auch Vorfreude: „Nach den Zweifeln, die aufgekommen sein mögen… muss er nun all die guten Zeichen untermauern.“ Die Volta ist die perfekte Bühne, um sein wahres Niveau gegen die Elite zu vermessen.
Die Rundfahrt auf ein Duell zu reduzieren, greift dennoch zu kurz. Ares selbst verweist auf die breite Tiefe des Pelotons: „Es gibt mindestens sieben oder acht Teams mit enormem Potenzial.“ Bora, Lidl–Trek, UAE, Movistar und Ineos bringen Aufgebote, die um die Gesamtwertung kämpfen können.
Team für Team ist die Palette breit. Bei UAE richtet sich der Fokus auf Joao Almeida: „Endlich zurück… der Teamkapitän, ohne jede Diskussion.“ Bei Movistar liegt die Aufmerksamkeit auf Enric Mas und anderen, die den Durchbruch suchen: „Er muss zu den Besten gehören.“ Bei INEOS Grenadiers tragen Fahrer wie Carlos Rodríguez und aufstrebende Leader wie Oscar Onley die Verantwortung.
Dazu kommen Einzelschicksale, die die Erzählung bereichern. Nairo Quintanas mögliches Abschiedsjahr bringt eine emotionale Note: „Es scheint wahrscheinlich, dass er in dieser Saison seinen endgültigen Rücktritt verkünden könnte.“ Comebacks nach Verletzungen, mehrfach erwähnt, bringen zusätzliche Unwägbarkeiten und Spannung.
Wie üblich wird die Strecke Richter und Protagonist zugleich sein. Ares nennt sie eine der großen Attraktionen der Rundfahrt: „Es ist eine der kompaktesten und besten Etappenrennen im Kalender.“ Das ist kein leeres Wort. Der Zuschnitt mischt tückische Abschnitte mit einer klar berglastigen zweiten Hälfte.
Auftaktetappen der Volta und Schlüsselpunkte
Die ersten Tage wirken zwar zugänglicher, bergen aber Fallen: „Die letzten 25 Kilometer… mit drei oder vier Rampen nahe dem Ziel, die die Chancen der Sprinter ruinieren können.“ Ein Volta-Markenzeichen, bei dem kaum etwas planbar ist.
Die eigentliche Selektion beginnt ab Donnerstag: „Dann startet die Show… ein komplettes Bergprofil, verteilt über die letzten vier Etappen.“ Anstiege wie Vallter 2000 und La Molina werden Abstände erzwingen, mit langen, fordernden Klettereien für reine Bergfahrer.
Ares liefert die Zahlen: „11 Kilometer mit 7,6%… 16 Kilometer mit 7,2%.“ Werte, die auf entscheidende, aufsummierte Ermüdung vor dem Finale in Barcelona hindeuten, wo der Montjuïc-Rundkurs erneut im Mittelpunkt stehen wird“.
Dieses Finale in der katalanischen Hauptstadt ist ein Markenzeichen: „Mit allen Zutaten, allen Reizen und Vollgas-Attacken.“ Es hat historisch Spektakel geliefert und könnte für die Gesamtwertung weiterhin entscheidend sein.
Über das Ergebnis hinaus erfüllt die Volta eine strategische Funktion im Kalender. Ares formuliert es klar: „Sie wird uns ein echtes Maß geben… mit Blick auf den Giro d’Italia.“ In diesem Sinne ist die Rundfahrt ein Wettkampflabor, um Form zu prüfen und Ziele zu schärfen.
Der breitere Kontext erhöht die Attraktivität. Überlappende Rennen und der Start der Klassiker sorgen für eine prall gefüllte Radsportwoche: „Wir haben eine volle Woche.“ In diesem Umfeld ragt die Volta als zentraler Fixpunkt heraus.
Kurzum: Die katalanische Rundfahrt rückt wieder ins Zentrum der Radsportlandkarte. Mit Historie, erstklassigem Feld und anspruchsvoller Strecke bringt sie alles mit, um zu einem der großen Saisonhöhepunkte zu werden.
Wie Ares zusammenfasst, „ist es eines der markantesten Rennen im Kalender… mit einer sehr kompletten, stark berglastigen Strecke.“ Eine Mischung, die Drama garantiert und uns erneut erlaubt, einige der Besten der Welt unter maximaler Belastung zu messen.