„Wer weiß, ob er ihn gewinnen lässt“ – Experte spekuliert: Könnte Pogacar Del Toro den Strade-Bianche-Sieg schenken?

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 06 März 2026 um 10:30
Tadej Pogacar
Die Radsportsaison nimmt traditionell mit einem der meist erwarteten Frühjahrsrennen Fahrt auf: Strade Bianche. Der italienische Klassiker über die ikonischen Schotterstraßen der Toskana hat sich in kurzer Zeit zu einem der faszinierendsten Ereignisse im modernen Radsport entwickelt.
Die Mischung aus Geschichte, Härte und spektakulären Bildern lässt viele Fans inzwischen von einem „modernen Monument“ sprechen. Auch die Ausgabe 2026 trägt eine besondere Geschichte: die Rückkehr von Tadej Pogačar. Der slowenische Weltmeister gibt nach mehreren Monaten ohne Rennen sein Comeback – ausgerechnet bei einem Event, bei dem er in der Vergangenheit regelmäßig brillierte.

Pogacars Rückkehr im Fokus

Vor der Strade Bianche 2026 richtet sich ein Großteil der Aufmerksamkeit auf Pogačars Wiedereinstieg ins Renngeschehen. Der Slowene ist seit dem Ende der vergangenen Saison nicht mehr gestartet, nachdem er erneut eine beeindruckende Kampagne absolvierte und seine Rolle als prägende Figur dieser Radsport-Ära unterstrich.
Der bekannte Eurosport-Kommentator Javier Ares analysierte die Ausgangslage in einem Video auf seinem YouTube-Kanal gemeinsam mit UAE-Teamkollege Isaac del Toro. Besonders groß ist laut Ares die Spannung rund um den Fitnesszustand des Weltmeisters nach der langen Rennpause.
„Es gibt große Neugier bei den Fans, ob er noch immer in der unfassbaren Form ist, die er letztes Jahr gezeigt hat“, erklärte der Kommentator. Die längere Pause erhöhe die Spannung vor seinem ersten Saisonauftritt zusätzlich.
Ares betonte zudem den außergewöhnlichen Status des Slowenen im modernen Peloton. „Wir reden über ein Phänomen galaktischen Ausmaßes, das dazu bestimmt ist, der Kaiser der Welt zu werden“, sagte er.
Die Strade Bianche gilt zudem als Rennen, das Pogačar perfekt liegt. „Er hat bereits drei Ausgaben gewonnen und bewegt sich auf diesem Terrain wie ein Fisch im Wasser“, erklärte Ares. Für den Kommentator startet der Weltmeister deshalb als klarer Topfavorit, um erneut auf den weißen Straßen der Toskana zu triumphieren.

Selektiverer Rennkalender 2026

Über das erste große Klassiker-Wochenende hinaus richtet Pogačar seinen Rennkalender 2026 laut Ares gezielter auf die wichtigsten Ziele des Jahres aus. Der Slowene habe sein Frühjahrsprogramm bewusst reduziert, um bei den großen Rennen in Bestform zu sein.
„Wenn sich nichts ändert, wird Pogačar nur fünf Klassiker zusätzlich zu Romandie und Schweiz fahren“, erklärte Ares. Für ihn ist das ein klares Zeichen einer strategischen Planung.
Zu den großen Zielen könnten mehrere der prestigeträchtigsten Eintagesrennen gehören. „Er will endlich versuchen, Van der Poel in Paris-Roubaix zu schlagen, einen weiteren Sieg bei der Flandern-Rundfahrt hinzufügen und seine Dominanz in der Lombardei fortsetzen“, sagte Ares.
Auch die Weltmeisterschaften dürften ein zentrales Ziel bleiben. Die Logik hinter der Planung sei laut dem Kommentator klar: „Man kann es sich nicht mehr leisten, sich zu verzetteln oder sich psychologisch in zu vielen Gefechten zu verausgaben.“

Die jungen Fahrer, die ihn herausfordern wollen

Zu Beginn der neuen Saison stellt sich auch eine zentrale Frage: Kann die nächste Generation die Dominanz von Pogačar angreifen?
Ares nannte mehrere junge Fahrer, die versuchen, sich an der Weltspitze zu etablieren. „Es besteht enormes Interesse daran, den Wettbewerb zu sehen, den wir letztes Jahr kaum gesehen haben“, sagte der Journalist. Aus seiner Sicht könnte die Saison 2026 ausgeglichenere Duelle zwischen den großen Namen bringen.
Besonders viel Aufmerksamkeit richtet sich auf das französische Supertalent Paul Seixas. „Wir sind alle sehr gespannt, was Seixas zeigen kann“, sagte Ares über den 19-Jährigen. „Er hat alle Anlagen, um ein Superstar zu werden.“
Der Kommentator betonte jedoch, dass der nächste Entwicklungsschritt erst noch folgen müsse. „Wir müssen ihn im direkten Duell um den Sieg sehen, nicht nur beim Erzielen eines guten Resultats“, erklärte Ares. Erst solche Momente würden den Unterschied zwischen einem großen Versprechen und einem bestätigten Topfahrer ausmachen.

Del Toros Rolle im UAE-Team

Ein weiterer Fahrer in Ares’ Analyse ist Isaac del Toro. Der Mexikaner gilt als eines der spannendsten Talente im Peloton und fährt im selben Team wie Pogačar bei UAE Team Emirates.
Ares erinnerte besonders an del Toros starken Auftritt beim Giro d’Italia im vergangenen Jahr. „Er hat bereits gezeigt, dass er ein Fahrer ist, der um den Gesamtsieg mitfahren kann“, sagte der Kommentator.
Bei der Strade Bianche könnten seine Chancen jedoch stark von der Teamtaktik abhängen. „Wenn er Pogačar untergeordnet ist, liegen seine Siegchancen bei null“, räumte Ares ein.
Gleichzeitig schloss er ein überraschendes Szenario nicht aus. „Es könnte eine spektakuläre UAE-Show mit zwei oder drei Fahrern an der Spitze geben“, erklärte er. Unter bestimmten Umständen könne sogar ein Szenario entstehen, in dem Pogačar einem Teamkollegen den Sieg überlässt.

Weitere Anwärter auf den Sieg

Neben Pogačar und der aufstrebenden Generation stehen mehrere etablierte Fahrer am Start, die ebenfalls zu den Favoriten zählen. Dazu gehört Tom Pidcock, der als einer der vielseitigsten Fahrer im Peloton gilt.
Ares erinnerte an dessen Auftritt im Vorjahr. „Er war der Fahrer, der bis zum Schluss bei ihm blieb“, sagte er über Pidcocks Fähigkeit, Pogačar tief ins Rennen hinein zu folgen.
Auch Wout van Aert spielt in der Analyse eine Rolle. Der Belgier kehrt nach einer schwierigen Phase ins Renngeschehen zurück.
„Er ist nicht mehr der Van Aert von vor fünf Jahren, das wissen wir alle“, sagte Ares. Gleichzeitig betonte er, dass van Aert weiterhin zu den ernsthaften Mitfavoriten gehört. „Er verdient den Respekt, als einer der Favoriten zu gelten“, erklärte der Kommentator.
Gerade bei einem Rennen wie Strade Bianche könnten zudem äußere Faktoren eine große Rolle spielen. Reifenschäden, Stürze oder technische Probleme haben in der Vergangenheit immer wieder entscheidend in den Rennverlauf eingegriffen.
Wout van Aert trainiert auf Schotter vor Strade Bianche 2026
Wout van Aert trainiert auf dem Schotter vor Strade Bianche 2026

Ein Rennen, das weiter wächst

Neben den sportlichen Aspekten hob Ares auch die besondere Entwicklung der Strade Bianche im internationalen Rennkalender hervor. Trotz ihres vergleichsweise jungen Alters hat sich das Rennen schnell zu einem der beliebtesten Klassiker entwickelt.
„Es hat bereits 19 Jahre Geschichte und sich sehr schnell im Kalender etabliert“, sagte der Kommentator.
Die Strecke bewahrt weiterhin die prägenden Elemente, die das Rennen so besonders machen. „Sie ist 203 Kilometer lang, mit den entscheidenden Sektoren konzentriert in den letzten fünfzig Kilometern“, erklärte Ares.
Die berühmten Schotterpassagen und steilen Anstiege sorgen regelmäßig für spektakuläre Rennverläufe.

Das spektakuläre Finale in Siena

Ein weiterer Höhepunkt wartet im Finale des Rennens. Der letzte Anstieg über das Kopfsteinpflaster der Via Santa Caterina hinauf zur Piazza del Campo gehört zu den ikonischsten Zielpassagen im Radsport.
„Dieser kopfsteingepflasterte Anstieg auf der Via Santa Caterina hinauf zur Piazza del Campo ist ein fantastischer Bonus, wenn zwei oder drei Fahrer gemeinsam ankommen“, sagte Ares.
Gerade solche Momente tragen zur besonderen Atmosphäre der Strade Bianche bei.

Ein moderner Klassiker

Nach Einschätzung von Ares reicht der Einfluss des Rennens längst über seine eigene Veranstaltung hinaus. Der Erfolg der Strade Bianche habe andere Organisatoren dazu inspiriert, ebenfalls Schottersektoren in ihre Rennen zu integrieren.
„Es ist eine Formel, die bereits in anderen Rennen kopiert wird“, erklärte er und verwies auf Beispiele aus Frankreich, Belgien und Spanien.
Für den Kommentator bereichern solche Innovationen den Straßenradsport nachhaltig. „Sie fügt dem Straßenradsport eine weitere Zutat hinzu.“
Mit Pogačars Rückkehr ins Peloton und einer neuen Generation von Herausforderern beginnt die Klassikersaison erneut mit einer zentralen Frage: Welchen Maßstab setzt der dominierende Fahrer dieser Ära – und wie nah können die jungen Talente an Tadej Pogačar herankommen?
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