„Wenn es ein Team gibt, bei dem Verrücktes passieren kann ...“ – Formstarker Ben Tulett schließt nicht aus, eine Änderung von Vismas Giro-d’Italia-Aufgebot zu erzwingen

Radsport
Samstag, 02 Mai 2026 um 15:30
Ben Tulett
Ben Tuletts Podiumsplatz bei Eschborn-Frankfurt bringt unerwartete Dynamik in die Grand-Tour-Planung von Team Visma | Lease a Bike. Der Brite betonte offen, dass kurzfristige Änderungen im niederländischen Team immer möglich sind.
Tulett wurde Dritter in einer selektiven Ausgabe des deutschen Eintagesrennens. Nach zahlreichen Anstiegen und späten Attacken setzte er sich aus einer reduzierten Spitze ab und bestätigte damit sein jüngstes Podium an der Flèche Wallonne. Er hielt auf der Schlussauffahrt des Mammolshainer Stichs seine Position und sprintete anschließend aus der entscheidenden Gruppe, die das heranjagende Feld nur knapp auf Distanz hielt.

„Wenn es ein Team gibt, in dem verrückte Dinge passieren können…“

Mit Blick auf den Grand-Tour-Block bestätigte Tulett, dass die Vuelta a Espana weiterhin sein wahrscheinlichstes Ziel ist. Gegenüber In de Leiderstrui schloss er jedoch Planänderungen nicht aus. „Sofern nichts Verrücktes passiert, wird es weiterhin die Vuelta sein. Aber wenn es ein Team gibt, das weiß, dass auf dem Weg zu den Grand Tours viele verrückte Dinge passieren können, dann ist es Visma.“
Diese Einschätzung spiegelt eine etablierte Realität im Team wider. Die Aufgebote bleiben oft weit in die Saison hinein flexibel, insbesondere rund um Hauptziele mit Jonas Vingegaard.

Leistung in Eschborn stärkt die Argumente

Tuletts Auftritt in Frankfurt nährt diese Unwägbarkeit. Die Ausgabe 2026 war selektiver als in früheren Jahren. Eine starke frühe Ausreißergruppe wurde gestellt, bevor das Rennen an den Anstiegen zerfiel. Ein später Soloversuch von Tim Wellens verschärfte die Auswahl, während die letzte Passage des Mammolshainer Stichs die entscheidende Gruppe von rund einem Dutzend Fahrern formte.
Tulett gehörte zu diesem Zug und positionierte sich in einer hochkarätigen Gruppe um Fahrer wie Tom Pidcock und Pello Bilbao. In den Schlusskilometern blieb er konkurrenzfähig und sicherte sich nach einem nervenaufreibenden Sprint, während das Peloton rasant näherkam, Rang drei hinter Georg Zimmermann und Pidcock.
In einem Rennen, das Kletterhärte und taktisches Gespür verlangte, unterstrich die Leistung seine aktuelle Form an einem wichtigen Zeitpunkt der Saison.
Tom Pidcock, Georg Zimmermann und Ben Tulett auf dem Podium bei Eschborn-Frankfurt 2026
Tom Pidcock, Georg Zimmermann and Ben Tulett on the podium at Echborn-Frankfurt 2026

Grand-Tour-Bild bleibt in Bewegung

Tulett steht derzeit auf provisorischen Startlisten sowohl für die Tour de France als auch für die Vuelta a Espana, während das um Vingegaard aufgebaute Giro d’Italia-Aufgebot noch nicht endgültig fixiert ist.
Vor diesem Hintergrund gewinnen Auftritte wie Eschborn-Frankfurt an Bedeutung. Fahrer können damit ihre Argumente für die finale Kaderentscheidung schärfen.
Tulett bestritt vergangene Saison die Vuelta an der Seite von Vingegaard und wurde Gesamt-24., sein Debüt bei der Tour de France steht jedoch noch aus. Da Visma die Ambitionen über mehrere Grand Tours im Sommer verteilt, bleibt der interne Konkurrenzkampf um die Plätze hoch.

Form trifft Gelegenheit

Zwar vermied Tulett jede direkte Forderung in Richtung Grand Tours, doch seine Aussagen in Kombination mit der Form deuten auf eine Lage hin, in der Optionen offenbleiben.
Das Podium in Frankfurt garantiert keine Umplanung, stärkt jedoch seine Position im Team zu einem Zeitpunkt, an dem Entscheidungen noch geformt werden. Und wie er selbst klarstellte: In diesem Teamumfeld lässt sich letztlich nichts vollständig ausschließen.
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