Das Tempo von
Paul Seixas’ Aufstieg hat eine Debatte erzwungen, die eigentlich noch nicht anstand. Noch in der Einstiegsphase seiner WorldTour-Karriere hat der 19-Jährige bereits Ergebnisse geliefert, die ihn zu einem der prägenden Fahrer der Saison 2026 machen.
Das ruft zwangsläufig die größten Teams der Szene auf den Plan, verändert aber auch die Bewertung seines nächsten Schritts. Für den früheren Team-Sky-Profi und zweifachen Vuelta-a-España-Etappensieger Nicolas Roche erfordert Seixas’ Zukunft jedoch nicht zwingend einen spektakulären Transfer.
Ein Aufstieg vor der Zeit
Seixas war nicht vorgesehen, dieses Niveau so schnell zu erreichen. Selbst im Peloton galt seine Entwicklung als Weg, der Zeit braucht. „Paul kam und setzte sofort ein Ausrufezeichen, anders als die anderen“,
sagte Roche im Gespräch mit Bici.Pro. „Schon im vergangenen Jahr sprachen wir über ihn, aber wir sahen ihn als Perspektive für zwei oder drei Jahre. Stattdessen hat er seinen Wert schon dieses Jahr bestätigt, sowohl in Rundfahrten, mit seiner Dominanz im Baskenland, als auch in Eintagesrennen. Wir haben auch gesehen, was er in Lüttich gemacht hat.“
Diese Auftritte prägen seine Saison bislang. Der Sieg bei der Baskenland-Rundfahrt, gefolgt vom Erfolg beim Flèche Wallonne und Platz zwei bei
Lüttich–Bastogne–Lüttich, haben ihn viel früher als erwartet an die Spitze des Sports katapultiert.
Eine neue Rechnung
Dieses Leistungsniveau weckt folgerichtig Transferinteresse führender Teams wie
UAE Team Emirates - XRG und
INEOS Grenadiers. Für Roche ist die Gleichung jedoch nicht mehr so eindeutig wie einst. „Hättest du mich vor zehn Jahren gefragt, oder selbst vor fünf, hätte ich gesagt, er müsse das Team wechseln. Heute sage ich, er sollte bleiben.“
Statt dem etablierten Weg zu einem sogenannten Superteam zu folgen, verweist Roche auf das Umfeld, das aktuell um Seixas herum entsteht. „Die Struktur des Decathlon-Teams organisiert sich sehr gut neu. Sie wird immer internationaler, mit wichtigen Ressourcen, um ein starkes Team um ihn herum aufzubauen. Ich denke, er kann dort wachsen.“
Tadej Pogacar and Paul Seixas at the 2026 Liêge-Bastogne-Liège
Aufbau um einen Anführer
Seixas’ Durchbruch hat die Dynamik im
Decathlon CMA CGM Team verschoben. Anstatt sich in einer bestehenden Hierarchie zu entwickeln, wird er nun zum Fixpunkt der nächsten Teamphase. „Wenn du solch ein Talent hast, wird es einfacher, Topfahrer anzuziehen und sie zu überzeugen, zu kommen.“
Dieser Prozess läuft, und Roche betont, dass struktureller Wandel Zeit braucht, um zu greifen. „Das ist ein Team, das es seit fast 40 Jahren gibt und das einen tiefgreifenden Umbau durchläuft, auch technisch und in der Performance. Einige prägende Figuren sind gegangen, neue Leute gekommen. Das ist eine wichtige Veränderung, aber sie braucht Zeit. Das macht man nicht über Nacht.“
Ein größerer Wandel
Seixas’ Aufstieg spiegelt auch einen breiteren Trend im französischen Radsport wider, wobei Roche klarstellt, dass dies Ergebnis langfristiger Arbeit ist und kein plötzlicher Durchbruch. „Meiner Meinung nach ist das keine Magie. Es braucht Jahre und Jahre an Arbeit.“
Für Seixas selbst hat diese Arbeit eine seltene Ausgangslage für einen Fahrer seines Alters geschaffen. Die Leistungen rechtfertigen das externe Interesse, erlauben ihm aber zugleich, seine Entwicklung in einer Struktur fortzusetzen, die sich parallel zu ihm weiterentwickelt. „Er ist so jung, dass er sich das leisten kann, auch wenn es ein gewisses Risiko gibt.“
Die anstehende Entscheidung dreht sich nicht mehr nur darum, die Weltspitze zu erreichen. Es geht darum, wo der nächste Schritt erfolgen soll – und ob ein Wechsel überhaupt nötig ist.