Von 51 auf nur noch 33 Fahrer – dem Baskenland droht bis 2027 der Verlust fast der Hälfte seiner Profiradsportler
Radsport
Der baskische Radsport blickt mit zwei gegensätzlichen Entwicklungen auf die Saison 2027. Einerseits hat Mikel Landas Rückkehr zu Euskaltel-Euskadi die Hoffnung in einem Team neu entfacht, das auf der internationalen Bühne wieder eine größere Rolle spielen will. Auch die Tour de France, die durch das Baskenland führt, rückt eine Region mit tief verwurzelter Radsporttradition ins Rampenlicht.
Hinter diesen beiden positiven Impulsen steht jedoch eine weniger erfreuliche Realität: Das baskische Profipeloton schrumpft. Die Zahl der Fahrer mit bestätigter Zukunft ist von 51 auf 33 gesunken. Das zeigt, wie schwierig es ist, Plätze in Profiteams zu finden, und wie sehr die Schließung von Mannschaften zu Buche schlägt, die einst lokalen Fahrern als Sprungbrett dienten.
Die Unsicherheit betrifft sowohl Fahrer mit mehreren Jahren im Peloton als auch junge Radsportler, die den nächsten Schritt machen konnten. Besonders schwer wiegt die Schließung von Kern Pharma, wo zahlreiche baskische und navarrische Fahrer unter Vertrag standen. Einige haben andernorts eine neue Mannschaft gefunden, andere wissen noch immer nicht, wie es für sie weitergeht.
Laut den von El Diario Vasco veröffentlichten Zahlen zeigt sich der Rückgang auch in der regionalen Aufschlüsselung und den Kadern der Profiteams. Euskaltel-Euskadi bleibt die wichtigste Mannschaft für Fahrer aus der Region, während Movistar und Caja Rural viele der übrigen Plätze besetzen. Der Generationenwechsel, Rücktritte und der Mangel an Entwicklungsteams zeichnen ein schwieriges Bild für den baskischen Radsport.

Mikel Landa, der prominente Neuzugang von Euskaltel Euskadi.
Landa trägt die Hoffnungen eines Pelotons mit immer weniger baskischen Fahrern
Mikel Landas Rückkehr zu Euskaltel-Euskadi ist der wichtigste sportliche Grund, optimistisch auf 2027 zu blicken. Der Fahrer aus Álava wird ein Projekt anführen, dessen Kader 22 Fahrer umfasst, darunter eine starke baskische Gruppe. Dazu gehören Xabier Berasategi, Xabier Isasa, Jon Agirre, Yago Agirre, Gari Ugarte, Nico Alustiza, Jonathan Lastra, Txomin Juaristi, Marco Martín, Gotzon Martín und Ander Okamika sowie die jungen Fahrer Unai Ramos, Iker Mintegi, Julen Arriolabengoa und Hodei Muñoz. Das Team hat außerdem mehrere Vertragsverlängerungen und Neuzugänge für die kommende Saison bestätigt.
Xabier Berasategi gehörte 2026 zu den auffälligsten Fahrern des Teams. Der Fahrer aus Gipuzkoa war mit 622 Punkten Euskaltels erfolgreichster Fahrer in der UCI-Wertung und feierte im Alter von 26 Jahren seinen ersten Profisieg. Abseits von Euskaltel stehen Jon Barrenetxea und Diego Uriarte bei Movistar unter Vertrag, während Caja Rural auf Gorka Sorarrain, Unai Iribar, Gorka Corres und Iker Villar zählen kann. Auch die Entwicklung junger Fahrer wie Eñaut Urkaregi, der bis 2028 bei Lidl-Trek Futures unter Vertrag steht, und Luca Martínez, der sich innerhalb der UAE-Struktur weiterentwickelt, verdient Beachtung.
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Die Schließung von Kern Pharma hat auf dem Transfermarkt für erhebliche Bewegung gesorgt. Iñigo Elosegi, Hugo Aznar, Ibai Azanza und Mikel Retegi stehen ohne das navarrische Team da. Mehrere ihrer früheren Teamkollegen haben bereits eine neue Mannschaft gefunden: Urko Berrade wechselt zu Astana, Diego Uriarte zu Movistar, Ibon Ruiz zu Bahrain und Unai Iribar zu Caja Rural.
Auch die weitere Entwicklung der drei Stagiaires, die 2026 auf Profiebene Erfahrungen sammelten, ist von Interesse: Kepa Ormazabal, Ander Otegi und Unax Errasti kehren in Entwicklungsteams zurück oder haben noch kein bestätigtes Ziel. Errasti konnte immerhin beim GP del Lazio mit Punkten auf sich aufmerksam machen.
Die regionale Aufschlüsselung zeigt, dass Gipuzkoa mit zwölf Fahrern weiterhin die meisten stellt. Navarra folgt mit neun, Bizkaia und Álava kommen jeweils auf sechs.
Ion Izagirres Rücktritt ist ein weiterer schwerer Verlust für den Radsport in Gipuzkoa. Dennoch bleiben Namen wie Haimar Etxeberria bei Red Bull - BORA - hansgrohe, Alex Aranburu bei Cofidis und Xabier Mikel Azparren bei Pinarello Q36.5 prominent vertreten. Aranburu erzielte erneut starke Ergebnisse, während Azparren bei den spanischen Zeitfahrmeisterschaften Zweiter wurde und eine Etappe der Vuelta nur knapp verpasste.
In Bizkaia ist die Lage nach den Rücktritten von Pello Bilbao, Mikel Bizkarra, Jonathan Castroviejo und Omar Fraile dagegen schwieriger. In Álava halten Landa, Markel Beloki – der von EF zu Ineos wechselt – und Ibon Ruiz die regionale Präsenz aufrecht. Navarra kann weiterhin auf Fahrer wie Igor Arrieta, Etappensieger beim Giro 2026, Óscar Rodríguez, Urko Berrade, Diego Uriarte und Iker Mintegi zählen.
Auf dem Transfermarkt sind noch einige Fragen offen. Jokin Murguialday, Unai Aznar und Andoni López de Abetxuko sowie Ailetz Lasa und Asier Etxeberria gehören zu den Fahrern, deren Zukunft ungeklärt ist. Im Blick behalten sollte man auch jene Radsportler, die bei Kontinentalteams oder Entwicklungsmannschaften ihre ersten Schritte machen. Die sinkende Zahl an Profiplätzen könnte ihre Entwicklung bremsen.
Landas Rückkehr und die Durchfahrt der Tour durch das französische Baskenland machen Hoffnung. Der Rückgang von 51 auf 33 Fahrer bestätigt jedoch, dass der baskische Radsport vor einer strukturellen Herausforderung steht: Talente zu halten und der nächsten Generation den Weg in den Profiradsport zu ebnen.
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Baskische und navarrische Fahrer: Vertragsstatus 2026–2027
| Fahrer | Heimatort | 2026 | 2027 |
| GIPUZKOA | |||
| Alex Aranburu | Ezkio | Cofidis | Cofidis |
| Nicolas Alustiza | Zumarraga | Euskaltel | Euskaltel |
| Jon Agirre | Zumaia | Euskaltel | Euskaltel |
| Yago Agirre | Donostia | Euskaltel | Euskaltel |
| Xabier Berasategi | Olaberria | Euskaltel | Euskaltel |
| Xabier Isasa | Urretxu | Euskaltel | Euskaltel |
| Gari Ugarte | Legazpi | Euskaltel | Euskaltel |
| Xabier Mikel Azparren | Donostia | Pinarello Q36.5 | Pinarello Q36.5 |
| Haimar Etxeberria | Irun | Red Bull-Bora | Red Bull-Bora |
| Unai Iribar | Ibarra | Kern Pharma | Caja Rural |
| Gorka Sorarrain | Tolosa | Caja Rural | Caja Rural |
| Alex Díaz | Urretxu | Caja Rural | Kein Team |
| Unax Errasti | Antzuola | Kern Pharma | Kein Team |
| Kepa Ormazabal | Gabiria | Euskaltel | Kein Team |
| Ander Otegi | Zegama | Euskaltel | Kein Team |
| Eñaut Urkaregi | Larraul | Lidl-Trek Future | Lidl-Trek Future |
| Ion Izagirre | Ormaiztegi | Cofidis | Zurückgetreten |
| BIZKAIA | |||
| Jon Barrenetxea | Gamiz-Fika | Movistar | Movistar |
| Jonathan Lastra | Bilbao | Euskaltel | Euskaltel |
| Ander Okamika | Lekeitio | Burgos-BH | Euskaltel |
| Txomin Juaristi | Markina | Euskaltel | Euskaltel |
| Marco Martín | Bilbao | Euskaltel | Euskaltel |
| Gotzon Martín | Orozko | Euskaltel | Euskaltel |
| Iñigo Elosegi | Zierbena | Kern Pharma | Kein Team |
| Ander Ganzabal | Orozko | Euskaltel | Kein Team |
| Pello Bilbao | Gernika | Bahrain | Zurückgetreten |
| Mikel Bizkarra | Mañaria | Euskaltel | Zurückgetreten |
| ÁLAVA | |||
| Markel Beloki | Vitoria | EF Education | INEOS |
| Ibon Ruiz | Vitoria | Kern Pharma | Bahrain |
| Mikel Landa | Murgia | Soudal Quick-Step | Euskaltel |
| Julen Arriolabengoa | Erentxun | Euskaltel | Euskaltel |
| Hodei Muñoz | Luiaondo | Euskaltel | Euskaltel |
| Gorka Corres | Vitoria | Caja Rural | Caja Rural |
| Andoni López de Abetxuko | Agurain | Anicolor | Kein Team |
| Jokin Murguiaday | Agurain | Euskaltel | Kein Team |
| Javier Ibáñez | Vitoria | Caja Rural | Kein Team |
| Joseba López | Vitoria | Caja Rural | Kein Team |
| NAVARRA | |||
| Igor Arrieta | Uharte-Arakil | UAE | Lidl-Trek |
| Óscar Rodríguez | Burlada | Ineos | Ineos |
| Diego Uriarte | Barañain | Kern Pharma | Movistar |
| Iker Gómez | Alsasua | Kern Pharma | Movistar |
| Urko Berrade | Pamplona | Kern Pharma | Astana |
| Iker Mintegi | Alsasua | Euskaltel | Euskaltel |
| Unai Ramos | Tudela | Kern Pharma | Euskaltel |
| Iker Villar | Eguzkitza | Caja Rural | Caja Rural |
| Ibai Azanza | Pamplona | Kern Pharma | Kein Team |
| Hugo Aznar | Cortes | Kern Pharma | Kein Team |
| Unai Aznar | Cortes | Euskaltel | Kein Team |
| Mikel Retegi | Barañain | Kern Pharma | Kein Team |
| Ailetz Lasa | Ziordia | Tavira | Kein Team |
| Asier Etxeberria | Egües | Pingtan | Kein Team |
| Luca Martínez | Lakuntza | Tolosa-Danena | UAE-Gen Z |

Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Anfang 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de. Er berichtet dort über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf aktuellen Rennberichten, Einordnungen und Hintergrundtexten, mit denen er sportliche Entwicklungen im Peloton verständlich und präzise erklärt. Bei großen Renntagen arbeitet er zudem mit Live-Formaten, um das Geschehen fortlaufend zu dokumentieren und zeitnah einzuordnen.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er sportlich selbst aktiv und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026






