Mathieu van der Poel steht gut eine Woche davor, die niederländische Auswahl im Straßenrennen der Elite bei den Weltmeisterschaften anzuführen, doch ein ungewohntes Auftreten hat Fragen aufgeworfen, was Fans in Kanada von ihm erwarten dürfen.
Der Alpecin-Profi wird in Montreal die Niederlande anführen, und ohne Tadej Pogacar im Aufgebot gilt das Rennen als so offen und unberechenbar wie seit seinem WM-Triumph in Glasgow 2023 nicht mehr.
Damals zeigte
van der Poel seinen typischen Instinkt, löste sich aus der Spitzengruppe und ließ unter anderem Pogacar, Mads Pedersen und Wout van Aert stehen, um Gold zu holen. Eine Vorstellung bei der Tour de Luxembourg ließ jedoch kurz vor dem großen Tag die Augenbrauen hochgehen.
Diesmal handelte van der Poel auf
Etappe 3 nicht im gewohnten Reflex, fuhr weder um den Sieg noch versuchte er sichtbar, ein Finale anzugreifen, das eigentlich perfekt zu seinem Profil passt.
Van der Poels leiser Auftritt auf Etappe 3
Etappe 3 der Tour de Luxembourg führte zweimal über den Zielkurs mit drei kurzen, steilen Anstiegen – eigentlich die perfekte Rampe für den Niederländer, um die letzten 28 Kilometer offensiv zu gestalten. Doch er griff nicht an.
Davide Piganzoli setzte den stärksten Akzent des Tages, überbrückte auf dem Schlusskurs 2:30 Minuten zur Ausreißergruppe, die mit gefährlichen Fahrern für die Gesamtwertung besetzt war.
Van der Poel hatte zuvor betont, um das Führungstrikot kämpfen zu wollen. Als Piganzoli jedoch attackierte, reagierte van der Poel zunächst nicht. Zwar zeigte er vor dem Kurs noch kleine Ansätze, doch der 31-Jährige blieb im Finale ungewohnt unauffällig.
Nachdem er Piganzolis Angriff verpasst hatte, schien der Alpecin-Fahrer die Bemühungen einzustellen. Das restliche Peloton verlor Minuten auf die Angreifer, und die Gesamtwertung glitt dem Niederländer spürbar aus den Händen.
Seine verhaltene Leistung wirft die Frage auf, ob ausschließlich die Rennkonstellation dafür verantwortlich war oder ob körperliche Faktoren eine Rolle spielten. Mit der WM in nur einer Woche könnten Krankheit oder Blessuren seine Chancen in Kanada ernsthaft gefährden.
Erster Etappensieg, aber im Zeitfahren wenig zu holen
Die Überraschung wiegt umso schwerer nach zwei ereignisreichen Auftakttagen. Auf der ersten Etappe griff van der Poel aus dem Feld an und sprintete nach dem Zusammenschluss noch zum Sieg.
Im Führungstrikot auf Etappe 2 verpasste er im reduzierten Massensprint knapp den Doppelerfolg, als Marijn van den Berg sich im kräfteraubenden Finale behauptete.
Im Zeitfahren wirkte er erneut nicht auf seinem Topniveau. An guten Tagen kann van der Poel mit den Besten der Welt gegen die Uhr konkurrieren, was er im Juni bei der Tour de Suisse beinahe mit einem Sieg gegen Tadej Pogacar untermauerte.
Diesmal jedoch war rasch klar, dass er nicht um den Tagessieg fahren würde. Am Ende wurde er 61. der Etappe, 2:44 Minuten hinter der Bestzeit.
Nach der überraschenden Etappe 3 und einem blassen Zeitfahren auf Etappe 4 wartet auf den Niederländer ein bedeutender Schlusstag in Luxemburg – nur eine Woche vor dem Kampf ums Regenbogentrikot.