Vor einem Jahr legten die Frühjahrsklassiker ein Problem bei
Red Bull - BORA - hansgrohe offen. Trotz gezielter Verstärkung mit Kopfsteinpflaster-Spezialisten blieb das deutsche Team die gesamte Kampagne ohne Podium. Zwölf Monate später ist der Ton rund um die Mannschaft deutlich ein anderer.
Analyse zu Red Bulls Klassiker-Reset und Aufschwung unter Zak Dempster
Das Opening Weekend brachte greifbare Resultate und das Gefühl, dass der interne Reset über den Winter auf der Straße ankommt.
Ein zweiter Platz von Tim van Dijke bei Omloop Het Nieuwsblad wurde wenige Tage später von
Jordi Meeus’ Sieg bei Le Samyn gefolgt, womit Red Bull die meisten UCI-Punkte aller Teams am Wochenende sammelte.
Im Team herrscht dennoch kein Eindruck, die Arbeit sei erledigt. Sportchef Zak Dempster hält die Auftritte für ermutigend, betont aber, dass die eigentliche Herausforderung erst noch komme.
Ein anderes Gefühl innerhalb der Mannschaft
Für Dempster ist die wichtigste Veränderung seit dem Vorjahr weniger taktischer, sondern kultureller Natur. Gespräche mit der Klassiker-Gruppe begannen bereits im Oktober, Fahrer und Staff analysierten offen, warum das vergangene Frühjahr hinter den Erwartungen blieb.
„Alle Fahrer unserer Klassiker-Gruppe haben große Selbstreflexion gezeigt, wodurch wir sehr zielgerichtet besser werden konnten“, erklärte er. „Nicht nur die Fahrer, auch der Staff wollte positiv Einfluss nehmen.“
Die Diskussionen gingen bald über die Leistungsanalyse hinaus und berührten Grundsätzliches.
„Mentalität ist das Wichtigste“, sagte Dempster. „Im Dezember führten wir erste Gespräche darüber, wie wir als Gruppe wahrgenommen werden wollen. Es ist großartig, diesen Teamgeist bereits im Rennen zu sehen, das gibt uns viel Vertrauen für den restlichen Frühling.“
Omloop signalisiert frühen Fortschritt
Der erste Beleg für den Wandel kam schnell bei Omloop Het Nieuwsblad, wo Van Dijke hinter Van der Poel auf Rang zwei sprintete. Ebenso bedeutsam wie das Podium war die gezeigte Breite: Mehrere Red-Bull-Fahrer waren in den entscheidenden Phasen vorne präsent.
Für ein Team, das 2025 Schwierigkeiten hatte, Rennen konstant zu prägen, zählte diese Sichtbarkeit.
Dempster verwies neben dem Gefühl in der Gruppe auch auf die Zahlen. „Dass wir Omloop mit drei Fahrern in den Top 15 beendet haben, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagte er.
Erfahrung und Kollektivstärke
Eine weitere Winterveränderung war die Verpflichtung des erfahrenen Klassiker-Spezialisten Gianni Vermeersch, dessen Rennintelligenz sich in den frühen Rennen rasch zeigte.
„Wenn Gianni irgendwo sein muss, ist er da“, sagte Dempster. „Und Jarrad Drizners war bei Omloop konstant an der Spitze. Die beiden haben zwar selbst kein Ergebnis eingefahren, aber eine sehr wichtige Rolle gespielt.“
Für den Australier unterstreichen diese Beiträge, warum das Team weniger auf individuelle Heldentaten und stärker auf kollektive Kontrolle setzt. „Als Kollektiv bist du stärker als allein“, sagte er.
Der Wandel ist teilweise eine Reaktion auf eine Bemerkung von Laurence Pithie in der vergangenen Saison, die Dempster lange nach den Klassikern nicht losließ. „Letztes Jahr sagte Laurence, wir seien nur eine Gruppe von Fahrern im selben Trikot, aber kein Team“, erinnerte er sich. „Dieser Satz ist wirklich hängen geblieben.“
Red Bull - BORA - hansgrohe
Ermutigung, aber Realismus
Das Opening Weekend verlief nicht fehlerfrei. Bei Kuurne-Brüssel-Kuurne konnte Meeus nach gestörter Vorbereitung den Sprint nicht richtig bestreiten und landete schließlich außerhalb der Entscheidung.
Dempster wertet jedoch die Reaktion innerhalb der Mannschaft als weiteres Fortschrittssignal.
„Unsere Fahrer bewerten Dinge jetzt ehrlicher“, sagte er. „Dadurch können wir viel gezielter besser werden. Und dann sieht man, dass wir zwei Tage später schon gewinnen.“
Trotz früher Anzeichen der Verbesserung bleibt die Hierarchie der Klassiker klar. Fahrer wie Van der Poel und Pogacar bleiben der Maßstab für die größten Rennen.
Die Aufgabe von Red Bull ist es nun, nicht nur stärker, sondern auch smarter zu fahren. „Nicht alles war perfekt“, räumte Dempster ein. „Aber wir sind auf dem richtigen Weg.“