Die Tour de France 2026 verspricht eine Ausgabe mit reichlich Chancen für Sprinter, nachdem die Organisatoren eine entscheidende Änderung an der Punktewertung vorgenommen haben. Mit der Rückkehr der Punktewertung zugunsten der Sprinter stehen viele der besten schnellen Männer der Welt am Start.
Die Tour 2026 vergibt auf klassisch flachen Etappen mit erwartetem Massensprint mehr Punkte, zudem zählen die diesjährigen Zwischensprints stärker für das prestigeträchtige Grüne Trikot – ihre Platzierung im Etappenprofil rückt den Kampf ebenfalls näher an die Sprinter heran.
Während die Gefahr, dass Klassementfahrer versehentlich entscheidende Zähler abräumen, gesunken ist, wirkt das Feld der Anwärter auf Grün so umkämpft wie selten. Viele der weltbesten Sprinter stehen am Samstag beim Grand Départ bereit. Wir analysieren die Topfavoriten, die Mitstreiter und einige echte Außenseiter.
Favoriten für das Grüne Trikot
Mit einem Namen verbinden viele Fans die Sprintankünfte der Tour de France 2026 besonders – Tim Merlier. Der belgische Routinier gewann im Vorjahr zwei Etappen und reist in guter Form an, nachdem er weite Teile des Saisonstarts verletzt verpasste. In reinen Massensprints ist Merlier der Siegkandidat Nummer eins.
Sein Hauptgegner in Massen- wie Zwischensprints dürfte der Ex-Teamkollege Jasper Philipsen sein. Der Alpecin - Premier Tech-Profi sprintet 2026 wechselhaft, hat aber auf anspruchsvolleren Tagen bereits zugeschlagen. Zwar sind Massensprints für Grün zentral, doch auf welligerem Terrain hat Philipsen im Vergleich zu Merlier die besseren Karten, kontinuierlich zu punkten.
Eine Stufe darüber steht Mads Pedersen, einer der großen Anführer bei Lidl-Trek. Pedersen hat das Grüne Trikot noch nie gewonnen und setzt darauf, dass seine Stärke an kurzen Anstiegen und in schnellen Finals reicht, um die reinen Sprinter auszustechen. Er kommt aus einem langen Trainingsblock, in dem er seit Paris-Roubaix in fast drei Monaten nur Boucles de la Mayenne und die Dänischen Meisterschaften bestritt.
Im erweiterten Kreis
Der Gewinner des Grünen Trikots 2024, Biniam Girmay, ist nach seinem Durchbruchssommer mit drei Etappensiegen nicht zu übersehen. Er zeigte 2026 zwar noch nicht konstant Topform, bringt aber ein starkes NSN-Team zu seinem Schutz und für den Sprintzug mit. Ebenfalls mit Chancen: Olav Kooij.
Kooij gibt nach Siegen beim Giro d’Italia und der Vuelta a España in den jüngeren Saisons sein Tour-Debüt. Nach dem Wechsel zu Decathlon CMA CGM kann der Niederländer das Grand-Tour-Siegtriple komplettieren und sich damit unmittelbar in die Grün-Diskussion fahren. Arnaud De Lie jagt ebenfalls seinen ersten Tour-Etappensieg. Nach Enttäuschungen beim Giro zeigte er bei der Tour de Wallonie Ansätze von Topform. Trifft er in Frankreich seinen Punch, macht ihn seine Klassikerstärke zu einem ernsthaften Kandidaten für das Grüne Trikot.
Ein Faktor, der für Grün nicht zu unterschätzen ist: Konstanz. Ein Etappensieg und wenige Platzierungen reichen oft nicht, wenn Rivalen regelmäßig Podien holen und um Zwischensprints kämpfen – so sammeln sie stetig Punkte. Max Kanter und Pavel Bittner brauchen zwar Fortune für einen Etappensieg, verfügen aber über Lead-outs und Teams, die sie auf flachen Tour-Etappen weit nach vorn bringen können.
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um in der Rangliste mitzumachen.
Außenseiter und Geheimtipps
Weitere Außenseiter für Grün könnten sich realistische Podiumschancen in Paris erarbeiten. In der offensiv ausgerichteten Mannschaft von Netcompany INEOS fährt Dorian Godon. Der Ex-Französische Meister hat mit Pippo Ganna und Josh Tarling Motoren, die Ausreißer kontrollieren und ihn lancieren können, zudem punktet er mit seinem schnellen Finish auf hügeligeren Etappen.
Weitere Namen, die bei schnellen Finals auffallen und sich im Klassement weit vorn einreihen könnten, sind Magnus Cort, Pascal Ackermann, Milan Fretin und Phil Bauhaus. Ausgewiesene Anfahrer wie Davide Ballerini und Cees Bol bringen qua Rolle ebenfalls Argumente mit, um im Kampf um Grün mitzureden.
Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.