Paul Seixas hat bei der
Lombardei-Rundfahrt mit seinem enormen Tempo am entscheidenden Anstieg die gesamte Konkurrenz distanziert. Doch ob der junge Franzose mit dieser Fahrweise auch
Tadej Pogacar gefährlich werden könnte, steht auf einem anderen Blatt. Radsport-Analyst Thijs Zonneveld ist überzeugt, dass Seixas trotz seines beeindruckenden Triumphs noch einen erheblichen Rückstand auf den slowenischen Superstar aufholen muss.
Mit seinem ersten Sieg bei einem Monument sorgte der erst 20-jährige Profi von Decathlon CMA CGM erneut für Vergleiche mit den beiden dominierenden Rundfahrern Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard. Der Erfolg bei der Lombardei-Rundfahrt bildete den vorläufigen Höhepunkt einer außergewöhnlichen Durchbruchssaison, in der Seixas unter anderem den vierten Gesamtrang bei der Tour de France belegte und mehrere Siege feierte.
Seixas setzt auf konstanten Druck statt auf explosive Attacken
Besonders die Art und Weise seines entscheidenden Angriffs erinnerte an Pogacars Fähigkeit, selbst im Sitzen enorme Leistungen zu entwickeln. Allerdings gibt es zwischen den beiden Fahrern einen entscheidenden Unterschied: Während Pogacar seine Konkurrenten häufig mit einer explosiven Beschleunigung abschüttelt und anschließend ein hohes Tempo aufrechterhält, erhöht Seixas die Belastung eher kontinuierlich, bis seine Gegner nicht mehr folgen können.
Paul Seixas (links) und Tadej Pogacar (rechts): Der junge Franzose beeindruckt mit seinem historischen Sieg bei der Lombardei-Rundfahrt. Doch Radsport-Experte Thijs Zonneveld sieht vor allem bei der Explosivität und an langen Anstiegen noch deutliche Unterschiede zum slowenischen Superstar.
„Das zeigt er vor allem auf dem Terrain, das ihm derzeit am besten liegt: an Anstiegen mit einer Dauer von fünf bis 15 Minuten“, erklärte Zonneveld im Podcast
In de Waaier.
„Er attackiert nicht wie Pogacar, der mit einer Billion Watt beschleunigt und dieses Tempo anschließend hält. Seixas nimmt seinen Gegnern vielmehr ganz langsam die Luft zum Atmen.“
Mehr als sieben Watt pro Kilogramm – Seixas beeindruckt mit enormer Kletterleistung
Besonders beeindruckt zeigte sich Zonneveld von den Leistungswerten, die Seixas am Civiglio erreichte. Der Franzose soll den entscheidenden Anstieg mit mehr als sieben Watt pro Kilogramm bewältigt haben. Eine außergewöhnliche Leistung, die verdeutlicht, weshalb seine Konkurrenten letztlich keine Chance hatten. Dennoch bezweifelt der Analyst, dass sich ein Fahrer wie Pogacar allein mit einem konstant hohen Tempo entscheidend distanzieren lässt.
„Man fragte sich zunächst: Was hast du eigentlich vor, Paul? Doch dann fuhr er diesen Anstieg mit mehr als sieben Watt pro Kilogramm hinauf, bis schließlich niemand mehr an seinem Hinterrad war.“
„Pogacar auf diese Weise müde zu fahren, ist natürlich unglaublich schwierig. Vor genau diesem Problem steht auch Jonas Vingegaard jedes Jahr. Ihm fehlt die Explosivität, um unmittelbar auf Pogacars Attacken reagieren zu können. Gleichzeitig kann er mit seiner eigenen Fahrweise keinen entscheidenden Unterschied herausfahren. So wird es schwer, Pogacar in Bedrängnis zu bringen.“
„Wir erleben ein Phänomen“ – Doch zur Weltspitze um Pogacar fehlt noch ein Stück
Trotz seiner Begeisterung für die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Franzosen warnt Zonneveld davor, Seixas bereits als gleichwertigen Gegner für einen Tadej Pogacar in Bestform zu betrachten. Besonders bei der Tour de France seien die Unterschiede zwischen dem jungen Nachwuchsstar und den beiden etablierten Ausnahmekönnern Pogacar und Vingegaard noch deutlich sichtbar gewesen. An den langen Anstiegen und vor allem in der Schlusswoche habe Seixas noch nicht über dieselbe Leistungsfähigkeit verfügt.
„Abgesehen davon, dass er für einen 20-Jährigen unglaublich stark ist, haben wir dort noch nichts wirklich Außergewöhnliches von ihm gesehen. Er befindet sich schlicht noch nicht auf dem Niveau von Vingegaard und Pogacar. Trotzdem gehört er bereits jetzt zur absoluten Weltklasse. Wir erleben ein Phänomen.“
„Die Franzosen sehen in ihm ein neues Phänomen. Einen Fahrer, der Pogacar Konkurrenz machen kann. Er gilt als derjenige, der ihm tatsächlich Paroli bieten könnte. Andererseits war der Abstand bei der Tour de France noch beträchtlich. Pogacar absolvierte die Schlusswoche scheinbar mühelos, während Seixas auf jeder Bergetappe den Anschluss verlor. Gebt dem Jungen noch ein paar Jahre …“