„Sie machen sich darüber überhaupt keine Sorgen“ – Chris Horner erkennt bei Tadej Pogačar ein Detail, das Jonas Vingegaard beunruhigen sollte

Radsport
Sonntag, 05 Juli 2026 um 17:00
pogacar-tour-de-francia-1278115661
Jonas Vingegaard hätte sich kaum einen besseren Auftakt zur Tour de France 2026 wünschen können. Team Visma | Lease a Bike gewann das eröffnende Mannschaftszeitfahren in Barcelona, der Däne zog Gelb über, und Tadej Pogacar lag nach nur einer Etappe bereits 12 Sekunden zurück.
Chris Horner sah Pogacars Tag jedoch nicht als frühes Alarmsignal für UAE Team Emirates – XRG. In seiner Etappenanalyse bei The Butterfly Effect verwies der frühere Vuelta-a-España-Sieger zunächst auf Pogacars Fahrt am Schlussanstieg. „Sie sind überhaupt nicht besorgt“, sagte Horner mit Blick auf Pogacar und UAE nach Etappe 1. „Denn Tadej Pogacar war am finalen Anstieg der schnellste Fahrer, drei Sekunden schneller als Jonas Vingegaard.“
Vingegaard war von Visma perfekt lanciert worden, mit Matteo Jorgenson und Davide Piganzoli als Schlüssel im finalen Antritt. Pogacar hingegen hatte über weite Teile der Etappe in der UAE-Formation gearbeitet, bevor er in den letzten Metern von Isaac del Toro freigelassen wurde.
„Wenn man alles taktisch betrachtet, hat Tadej Pogacar die ganze Etappe über geführt“, erklärte Horner. „Jonas Vingegaard saß taktisch klug hinten im Team.“

„Das ist eine wunderschöne Taktik“ – Horner lobt Vismas perfekten Start

Horner wollte das nicht als Kritik an Vingegaard verstanden wissen. Er sah Vismas Auftritt auf Etappe 1 als idealen Einsatz eines Mannschaftszeitfahrens, das eine punktgenaue Leader-Lancierung am Schlussanstieg belohnt.
„Jonas, du fährst brillant“, sagte Horner. „Ich zerrede hier keine Taktik. Ihr wart brillant. Brillant beim Giro und jetzt brillant auf der ersten Etappe der Tour de France. Ruhig hinten sitzen. Lasst eure großen Jungs vorne fahren und setzt dann den entscheidenden Schlag, um hier auf Etappe eins zu gewinnen und Zeit auf Tadej Pogacar gutzumachen. Das ist eine wunderschöne Taktik und sie wurde perfekt umgesetzt.“
Vingegaard beendete den Tag in Gelb, Filippo Ganna lag acht Sekunden zurück auf Rang zwei, Pogacar 12 Sekunden dahinter auf Rang drei, Juan Ayuso bei 16 Sekunden und Remco Evenepoel bei 19 Sekunden. Visma holte den Etappensieg, das Trikot und die erste Lücke zwischen den beiden Hauptfavoriten.
Jonas Vingegaard während des Mannschaftszeitfahrens der 1. Etappe bei der Tour de France 2026
Vingegaard in Aktion auf Etappe 1 

Pogacars Schlussanstieg sorgt für Ruhe bei UAE

Für Horner war UAE nicht fehlerfrei, aber auch weit entfernt von Panik. Ein Punkt war der Ausfall von Adam Yates vor dem entscheidenden Abschnitt, wodurch Pogacar und Del Toro die erwartete Zusatzhilfe im Finale fehlte.
„UAE Team Emirates war brillant“, sagte Horner. „Sie hatten nur die kleine Panne, dass Adam Yates früh abreißen lassen musste, der am vorletzten Anstieg dabei sein und dann Tadej Pogacar und Isaac del Toro in den Schlussanstieg führen sollte, damit sie mit zwei Fahrern 500 Meter vor dem Ziel starten können. Aber das passiert, dagegen kann man nichts machen.“
Pogacar fuhr dennoch die schnellste Teilzeit am finalen Anstieg. Horner bemerkte zudem, dass Del Toro danach lächelte – ein weiteres Zeichen, dass UAE den Zeitverlust nicht als großen Rückschlag wertete. „Sie sind überhaupt nicht besorgt“, wiederholte er. „Denn Tadej Pogacar war am finalen Anstieg der schnellste Fahrer.“

Horner warnt Visma, nicht auf den Köder hereinzufallen

Das Gelbe Trikot sitzt nun auf Vingegaards Schultern, doch Horner warnte Visma davor, aus einem kleinen frühen Vorteil unnötige Arbeit zu machen. Da Pogacar für ihn weiterhin der klare Topfavorit ist, soll UAE das Rennen tragen.
„Lasst euch nicht davon tragen, vor Tadej Pogacar zu liegen“, sagte Horner über Visma. „UAE Team Emirates muss verteidigen, weil sie hier den klaren Favoriten auf den Tour-de-France-Sieg haben. Nutzt also den Vorteil dieser wenigen Sekunden aus Etappe eins und setzt sie sinnvoll ein – und lasst Tadej Pogacar erst alles von vorne fahren, bevor ihr eure Teamkollegen nach vorn schickt.“
Etappe 2 führt nun zurück in ein welliges Barcelona-Finale statt einer Bergankunft, mit genug Terrain für Angriffe, Konter und klassisches Rennkino. Horner nannte Mathieu van der Poel als möglichen Animierer, ließ aber auch Raum für ein frühes UAE-Manöver.
„Könnten wir Fahrer wie Mathieu van der Poel morgen auf einem klassikerähnlichen Finale in Aktion sehen? Könnte sein“, sagte er. „Wird Tadej Pogacar zünden wollen? UAE Team Emirates hat gesagt, sie würden gerne das Gelbe Trikot übernehmen. Vielleicht sehen wir also etwas von Isaac del Toro.“

Vingegaard in Gelb, Pogacar bereits im Hintertreffen

Visma hat das erste Gelbe Trikot der Tour und den frühen Score-Vorteil. Pogacar hat 12 Sekunden aufzuholen, aber auch die Schlussanstiegs-Zeit, die UAE laut Horner ruhig schlafen lässt.
Vingegaard setzte in Barcelona den ersten Stich. Etappe 2 wird zeigen, wie schnell Pogacar antworten will.
Klatscht 1Besucher 1
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Loading