Soudal - Quick-Step steht inzwischen im Schatten finanzstarker Teams wie UAE Team Emirates - XRG und weiterer Mannschaften, die das belgische Team budgetär deutlich übertreffen. Noch vor wenigen Jahren sah die Situation anders aus. Damals konnte das Team regelmäßig Stars auf ihrem Leistungshöhepunkt verpflichten. Heute braucht es deutlich mehr Scouting und auch etwas Fortune, um neue Leader für Siege auf höchstem Niveau zu finden.
Einer dieser möglichen Leader war
Paul Seixas. Der Franzose stand laut
Patrick Lefevere einst kurz vor einer Unterschrift bei Soudal - Quick-Step.
Lefevere berichtet von konkreten Gesprächen
Patrick Lefevere, langjähriger CEO von Soudal - Quick-Step, erlebte zahlreiche Generationen im Profi-Radsport. Er blieb zwar nicht immer unumstritten, galt jedoch stets als erfolgreicher Teammanager, der sportliche und geschäftliche Interessen effektiv miteinander verband. Seine direkten Beziehungen zu den Kapitänen halfen dem Team über Jahre, selbst mit mehreren Leadern stabil zu bleiben.
Sorgt auch im Ruhestand noch für Schlagzeilen: Patrick Lefevere
In den vergangenen Jahren prägte vor allem die Verpflichtung und Entwicklung von
Remco Evenepoel das Projekt. Gleichzeitig verlor das Team etwas von seiner früheren Rolle als dominierende Klassiker-Macht.
Die Investition zahlte sich sportlich aus. Doch am Ende der Saison 2025 wechselte Evenepoel zu Red Bull - BORA - hansgrohe. Trotzdem gab die Mannschaft ihre Ambitionen im Hochgebirge nicht auf. Mikel Landa, Valentin Paret-Peintre und Ilan van Wilder gehören weiterhin zu den starken Bergfahrern im Kader. Das Team will vorbereitet sein, falls der nächste große Kletterstar auftaucht.
Genau das hätte laut Lefevere mit Paul Seixas passieren können. Der Belgier berichtet, dass er bereits vor einigen Jahren konkret über eine Verpflichtung gesprochen habe.
„Das neue französische Wunderkind hätte tatsächlich für
Soudal Quick-Step fahren können“, schrieb Lefevere in seiner wöchentlichen Kolumne in Het Nieuwsblad. Dabei schilderte er Details, die zeigen, dass es sich nicht nur um loses Interesse handelte, sondern um einen ernsthaften Versuch, eine Unterschrift zu bekommen.
„Vor nicht allzu langer Zeit saß er zusammen mit seiner Mutter in meinem Büro in Wevelgem. Unser Scout Johan Molly hatte uns auf ihn aufmerksam gemacht. Manchmal irrt er sich, aber meistens liegt er richtig.“
In diesem Fall lag Molly richtig, doch Lefevere konnte letztlich kein Angebot platzieren. Quick-Step war nicht das erste Team, das aktiv wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Seixas bereits eng mit dem Decathlon-Team verbunden, das ihn schließlich unter Vertrag nahm.
„Eines der Probleme war die rechtliche Unsicherheit um seinen Vertragsstatus bei AG2R Citroen. Als Junior hatte er etwas unterschrieben, aber in diesem Alter braucht es die Unterschrift eines Elternteils. Diese fehlte. Es gab ein Foto, das zeigte, dass seine Eltern anwesend waren, aber auf dem Papier war der Vertrag unvollständig.“
Der neue Evenepoel?
Die komplizierte rechtliche Situation, weitere Hürden und das starke Interesse anderer Teams führten schließlich dazu, dass Seixas sich anders entschied. Er schloss sich dem Decathlon CMA CGM Team an, bei dem er inzwischen zum Profi aufgestiegen ist.
Mit nur 18 Jahren stand er im vergangenen Jahr zusammen mit Tadej Pogacar und Remco Evenepoel auf dem Podium der Europameisterschaften. Außerdem gewann er als U23-Neuling die Tour de l'Avenir und belegte an diesem Samstag bei seinem Debüt bei Strade Bianche den zweiten Platz hinter Pogacar.
Sein Potenzial gilt als außergewöhnlich, und die französische Mannschaft besitzt damit eine äußerst wertvolle Zukunftsoption. So sehr, dass trotz fast zwei verbleibender Vertragsjahre bereits Gerüchte kursieren, wonach UAE Team Emirates - XRG aktiv mit Seixas in Kontakt stehen soll, um in Zukunft ein Angebot vorzubereiten.
Rückblickend hätte Soudal - Quick-Step damit möglicherweise eines der größten Talente der Gegenwart verpflichten können. Lefevere sieht in Seixas sogar einen möglichen neuen Remco Evenepoel innerhalb der Quick-Step-Struktur.
„Schließlich fand AG2R mit Decathlon einen neuen Co-Sponsor und konnte finanziell zwei Gänge hochschalten. Damit war unsere Chance vertan. Schade, denn Seixas wäre der perfekte Ersatz für Remco Evenepoel gewesen.“