Trotz eines Rückstands von 3:36 Minuten auf
Tadej Pogacar glaubt
Visma - Lease a Bike weiter an den Toursieg von
Jonas Vingegaard. Teamchef
Richard Plugge sieht die Ausgangslage zwar schwieriger als erhofft, hält den Kampf um das Gelbe Trikot zur Halbzeit der
Tour de France 2026 jedoch keineswegs für entschieden.
Pogacar hat die erste Rennhälfte mit drei Etappensiegen dominiert und Vingegaard in den direkten Duellen der Klassementfahrer mehrfach distanziert. Besonders der Triumph des Slowenen am Tourmalet sorgte für einen empfindlichen Rückschlag, nachdem Visma - Lease a Bike dort eigentlich auf eine günstigere Ausgangslage gehofft hatte.
Visma - Lease a Bike hält am ursprünglichen Plan fest
Richard Plugge räumte gegenüber
De Telegraaf ein, dass der Rückstand größer ausgefallen sei als erwartet. Die Hoffnung auf eine Wende im weiteren Rennverlauf hat der CEO des Teams dennoch nicht aufgegeben.
Jonas Vingegaard und Visma - Lease a Bike glauben trotz des deutlichen Rückstands auf Tadej Pogacar weiter an den Toursieg.
„Vielleicht ein bisschen mehr, als wir wollten“, sagte Plugge mit Blick auf den Zeitverlust seines Kapitäns.
Bereits vor dem Grand Départ war Visma - Lease a Bike davon ausgegangen, dass Pogacar vor allem auf den kürzeren, explosiven Anstiegen und in punchigen Finals seine größten Vorteile ausspielen würde. Das Team setzt deshalb weiterhin darauf, dass sich das Kräfteverhältnis in den langen Hochgebirgsetappen und mit zunehmender Belastung der dritten Woche zugunsten von Vingegaard verschieben kann.
„Darauf freuen wir uns sehr“, erklärte Plugge.
Der Plan soll sich nicht geändert haben
Trotz des deutlichen Rückstands betont Plugge, dass Visma - Lease a Bike keinen Anlass sehe, von der vor der Tour entwickelten Strategie abzuweichen.
„Alles gut“, sagte er. „Wir haben dafür einen Plan.“
Wie dieser Plan konkret aussieht, verriet Plugge allerdings nicht. In den vergangenen Jahren setzte Visma - Lease a Bike häufig darauf, Bergetappen schon weit vor dem finalen Anstieg maximal schwer zu gestalten, um die Konkurrenz kontinuierlich unter Druck zu setzen. Statt auf eine einzelne Attacke zu hoffen, baut die Mannschaft traditionell auf ihre mannschaftliche Stärke und versucht, den Rennverlauf möglichst früh zu kontrollieren.
Genau hier droht allerdings ein Problem. Matteo Jorgenson, einer der wichtigsten Helfer Vingegaards im Hochgebirge, kämpft derzeit mit einer Erkrankung und wurde vorsorglich vom restlichen Team isoliert. Zwar berichtet Visma - Lease a Bike von einer leichten Besserung, doch sein Gesundheitszustand könnte für die geplante Taktik eine entscheidende Rolle spielen.
Auch Vingegaard selbst geht bei der Tour kein Risiko ein. Nachdem Krankheiten seine vergangenen beiden Tour-de-France-Teilnahmen beeinträchtigt hatten, trägt der Däne in stark frequentierten Bereichen vor und nach den Etappen regelmäßig eine Maske. Für Visma - Lease a Bike hat es höchste Priorität, den Tour-Sieger von 2022 und 2023 gesund zu halten und Jorgenson rechtzeitig wieder vollständig einsatzfähig zu bekommen.
Visma braucht jetzt eine erfolgreiche Offensive
Mit einem Rückstand von 3:36 Minuten bleibt Vingegaard kaum noch Spielraum. Kleine Zeitgewinne oder Bonifikationssekunden werden kaum ausreichen, um Pogacar noch ernsthaft unter Druck zu setzen. Stattdessen muss der Däne seinem Rivalen auf den schweren Bergetappen deutlich Zeit abnehmen und gleichzeitig verhindern, selbst weitere Sekunden einzubüßen.
Die Ausgangslage verschiebt auch die taktischen Rollen innerhalb des Rennens. UAE Team Emirates - XRG kann das Geschehen aus einer komfortablen Führungsposition kontrollieren, während Visma - Lease a Bike gezwungen ist, das Rennen offensiv und möglichst schwer zu gestalten.
„Wir kämpfen mit allem, was wir haben“, versprach Plugge.
Für Visma - Lease a Bike geht es nun darum, eine Rennsituation zu schaffen, in der Pogacar erstmals verwundbar wird. Die langen Anstiege und die besonders anspruchsvollen Bergetappen der zweiten Tourhälfte könnten dafür die beste Gelegenheit bieten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Vingegaard auf ein möglichst starkes Team bauen kann.
Der Glaube an Gelb bleibt bestehen
Trotz der schwierigen Ausgangslage bleibt das Ziel von Visma - Lease a Bike unverändert: Das Team denkt nicht an Schadensbegrenzung oder Platz zwei, sondern ausschließlich an den Gesamtsieg.
Plugges Optimismus basiert auf der Überzeugung, dass die erste Tourhälfte Pogacar entgegenkam und sich das Kräfteverhältnis mit zunehmender Renndauer noch verändern könnte.
Allerdings steht diese Hoffnung nun vor ihrer bislang größten Bewährungsprobe. Vingegaard geht mit einem Rückstand von 3:36 Minuten in die entscheidende Phase der Rundfahrt, Matteo Jorgenson kämpft sich nach seiner Erkrankung zurück und Pogacar zeigt bislang keinerlei Anzeichen einer Schwäche.
Dennoch hält Visma - Lease a Bike daran fest, dass der ursprüngliche Plan weiterhin funktionieren kann. Klar ist allerdings auch: Der Spielraum für weitere Rückschläge ist inzwischen nahezu aufgebraucht.