Red Bull - BORA - hansgrohe geht bei der Suche nach den Radsportstars der Zukunft neue Wege. Der deutsche WorldTour-Rennstall erweitert seine Nachwuchsförderung um ein eigenes
Cyclocross-Programm, mit dem vielversprechende Talente frühzeitig entdeckt und gezielt entwickelt werden sollen. Im Mittelpunkt steht dabei ein disziplinübergreifender Ansatz: Junge Fahrer sollen durch Erfahrungen auf unterschiedlichen Untergründen ihre technischen Fähigkeiten verbessern und sich so optimal auf die Anforderungen des modernen Profiradsports vorbereiten.
Unterstützt wird das ambitionierte Projekt von Red Bull und Teammanager Ralph Denk. Die sportliche Koordination übernimmt Sven Vanthourenhout, der die Entwicklung des neuen Programms maßgeblich vorantreiben soll.
Vier Nachwuchstalente bilden den Grundstein der neuen Cyclocross-Initiative
Für den Auftakt hat Red Bull - BORA - hansgrohe bereits vier vielversprechende Talente ausgewählt. Zum ersten Aufgebot gehören Junioren-Weltmeister Delano Heeren, U17-Europameister Lars Peers, das vielseitige italienische Nachwuchstalent Matteo Gualtieri und der junge Deutsche Benjamin Huber. Sie sollen von den neuen Fördermöglichkeiten profitieren und sich innerhalb der professionellen Strukturen sportlich weiterentwickeln.
Dabei setzt die Mannschaft zunächst bewusst auf einen schrittweisen Aufbau. Anstatt sofort ein großes, eigenständiges Cyclocross-Team ins Leben zu rufen, sollen die jungen Fahrer Zugang zu den Ressourcen einer etablierten WorldTour-Organisation erhalten. Auf diese Weise möchte Red Bull - BORA - hansgrohe optimale Entwicklungsbedingungen schaffen, ohne bereits in der Anfangsphase eine umfangreiche zusätzliche Teamstruktur aufzubauen.
Die Philosophie hinter dem Projekt orientiert sich an einer Entwicklung, die einige der erfolgreichsten Radsportprofis der vergangenen Jahre geprägt hat. Fahrer wie
Mathieu van der Poel, Wout Van Aert, Tom Pidcock und Thibau Nys haben eindrucksvoll gezeigt, welchen Wert die Kombination verschiedener Disziplinen haben kann. Cyclocross und Mountainbike spielten in ihrer sportlichen Entwicklung eine wichtige Rolle. Genau diese Vielseitigkeit möchte Red Bull - BORA - hansgrohe künftig systematisch fördern und damit neue Möglichkeiten bei der Talentsuche erschließen.
Mathieu van der Poel gilt als Paradebeispiel für den Erfolg disziplinübergreifender Nachwuchsförderung. Mit seinem neuen Cyclocross-Projekt verfolgt Red Bull - BORA - hansgrohe eine ähnliche Philosophie, will das Modell von Alpecin-Premier Tech jedoch nicht kopieren.
Sven Vanthourenhout erklärt: „Cyclocross ist eine äußerst wichtige Disziplin“
Das neue Programm soll weit über die bloße Teilnahme an Cyclocross-Rennen hinausgehen. Die Nachwuchsfahrer erhalten Zugang zu spezialisierten Mechanikern, professioneller Ausrüstung und umfassender logistischer Unterstützung. Dadurch können sie sowohl im Training als auch im Wettkampf auf Ressourcen zurückgreifen, wie sie normalerweise einer professionellen Mannschaft zur Verfügung stehen.
Für Sven Vanthourenhout ist die Integration des Cyclocross-Sports in die Nachwuchsarbeit eine grundlegende Investition in die Zukunft. Der Belgier betrachtet die Disziplin als wichtigen Bestandteil einer umfassenden Fahrerausbildung und ist überzeugt, dass ihre Vorteile bereits in jungen Jahren gezielt genutzt werden sollten. Diese Überzeugung brachte er auch in die ersten Gespräche mit Ralph Denk über die Entwicklung des Projekts ein.
„Als ich Ralph zum ersten Mal traf, fragte er mich nach meiner Vision für den Radsport insgesamt“, erklärte Vanthourenhout gegenüber
WielerFlits. „Ich machte sofort deutlich, dass ich Cyclocross für eine äußerst wichtige Disziplin in der Entwicklung junger Fahrer halte.“
Mit dieser Einschätzung stieß Vanthourenhout bei den Verantwortlichen auf offene Ohren. Sowohl innerhalb der Teamführung als auch bei den Sponsoren fand die Idee großen Zuspruch. Selbst die Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Mittel stellte nach seinen Angaben kein größeres Hindernis dar.
„Ehrlich gesagt mussten wir nicht besonders viel Druck machen“, berichtete der Belgier. „Es mussten zusätzliche Budgets bereitgestellt werden, doch Red Bull und die anderen Sponsoren waren sofort bereit, das Projekt zu unterstützen.“
Bereits im Laufe des Winters soll die Initiative personell weiter verstärkt werden. Mit Gianni Vermeersch und Michiel Mouris, der zu den stärksten Nachwuchsfahrern der U23-Kategorie zählt, sollen zwei weitere Fahrer hinzukommen. Dadurch gewinnt das Projekt nicht nur zusätzliche Qualität, sondern wird künftig auch auf unterschiedlichen Wettkampfebenen breiter aufgestellt sein.
Von der Talentsuche bis zur WorldTour: Red Bull baut seine Nachwuchsstruktur weiter aus
Das Cyclocross-Programm ist kein isoliertes Vorhaben, sondern ein weiterer Baustein einer umfassenden Nachwuchsstrategie, die Red Bull gemeinsam mit der Struktur von BORA - hansgrohe bereits seit mehreren Jahren verfolgt. Ein wichtiger Schritt erfolgte 2023 mit dem Start der Red Bull Junior Brothers. Das internationale Talentsichtungsprogramm verfolgt einen innovativen Ansatz und nutzt unter anderem Leistungsdaten von Plattformen wie Strava und Zwift, um vielversprechende Nachwuchsfahrer zu identifizieren.
Damit sollen auch Talente entdeckt werden, die außerhalb der etablierten Renn- und Förderstrukturen bislang nur begrenzte Möglichkeiten hatten, auf sich aufmerksam zu machen. Die ausgewählten Fahrer erhalten die Gelegenheit, ihre Fähigkeiten unter professionellen Bedingungen unter Beweis zu stellen. Im Rahmen des Programms wurden zwei Talente mit Verträgen für die Nachwuchsstruktur der Mannschaft belohnt.
Seither hat Red Bull - BORA - hansgrohe seine Nachwuchsförderung konsequent weiterentwickelt. Mit dem Juniorenteam Grenke Auto Eder und dem U23-Team Red Bull-Bora-Hansgrohe Rookies bestehen inzwischen wichtige aufeinander aufbauende Entwicklungsstufen. Die 2025 gegründeten Rookies sollen insbesondere den Übergang vom Juniorenbereich in den professionellen Straßenradsport erleichtern und jungen Fahrern eine gezielte Vorbereitung auf die Anforderungen der höchsten Rennklasse ermöglichen.
Dass diese Investitionen bereits Früchte tragen, zeigen die ersten Aufstiege in die WorldTour-Mannschaft. Nach der Saison 2025 schafften Adrien Boichis, Luke Tuckwell und Callum Thornley für 2026 den Sprung auf WorldTour-Niveau. Gleichzeitig rückten vier weitere Talente aus dem Juniorenprogramm in die U23-Kategorie auf.
Luke Tuckwell gehört zu den ersten Nachwuchstalenten, die über die Förderstrukturen von Red Bull - BORA - hansgrohe den Sprung in die WorldTour geschafft haben. Der Australier rückte zur Saison 2026 in die Profimannschaft auf.
Auch für die kommende Saison sind bereits weitere Beförderungen vorgesehen. Mit Lorenzo Finn, Sebastian Putz, Alessio Magagnotti und Davide Donati sollen gleich vier Fahrer aus dem Rookies-Team den nächsten Karriereschritt machen und in die WorldTour-Mannschaft aufsteigen.
Durch die Einbindung des Cyclocross-Sports erhält dieses Nachwuchssystem nun eine zusätzliche Dimension. Die Disziplin soll nicht nur neue Wege bei der Talentsichtung eröffnen, sondern auch die Ausbildung der Fahrer verbessern. Insbesondere die technischen Anforderungen auf wechselnden Untergründen können dazu beitragen, junge Profis vielseitiger zu machen und ihnen beim späteren Übergang auf die Straße wertvolle Vorteile zu verschaffen.
Das Erfolgsmodell von Mathieu van der Poel als Vorbild? Vanthourenhout widerspricht
Der neue Ansatz von Red Bull - BORA - hansgrohe weckt unweigerlich Erinnerungen an die erfolgreiche Philosophie von Alpecin-Premier Tech. Die Brüder Philip und Christoph Roodhooft haben über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg eine Struktur aufgebaut, die verschiedene Radsportdisziplinen miteinander verbindet und sich zu einer festen Größe im internationalen Profiradsport entwickelt hat.
Das prominenteste Beispiel für den Erfolg dieses Konzepts ist Mathieu van der Poel. Der Niederländer gehört sowohl im Cyclocross als auch auf der Straße zur absoluten Weltspitze und hat in beiden Disziplinen zahlreiche bedeutende Titel und Rennen gewonnen. Seine außergewöhnliche Karriere sowie die Erfolge anderer vielseitiger Profis haben das Interesse an Nachwuchsmodellen verstärkt, die sich nicht ausschließlich auf den Straßenradsport konzentrieren.
Vanthourenhout möchte die neue Initiative dennoch ausdrücklich nicht als Versuch verstanden wissen, das Konzept von Alpecin-Premier Tech zu kopieren. Zwar gebe es deutliche Gemeinsamkeiten in der grundsätzlichen Überzeugung, dass unterschiedliche Disziplinen die Entwicklung junger Fahrer fördern können. Daraus lasse sich jedoch nicht ableiten, dass Red Bull - BORA - hansgrohe denselben Weg einschlagen wolle.
„Wir teilen vielleicht dieselbe Philosophie, aber das heißt nicht, dass wir nachahmen wollen, was sie erreicht haben“, stellte der Belgier klar.
Stattdessen setzt die deutsche Mannschaft zunächst auf eine kontrollierte und langfristig angelegte Entwicklung. Vorrang hat es, den jungen Talenten bestmögliche sportliche und organisatorische Bedingungen zu bieten und das neue Programm Schritt für Schritt zu etablieren. Erst auf dieser Grundlage soll über eine mögliche größere Erweiterung entschieden werden.
Mit der Cyclocross-Initiative schließt Red Bull - BORA - hansgrohe damit eine weitere Lücke in seinem Nachwuchskonzept, das bereits den Juniorenbereich, die U23-Kategorie und die WorldTour miteinander verbindet. Das übergeordnete Ziel bleibt unverändert: Möglichst viele talentierte Fahrer entdecken, ihnen unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen und sie gezielt auf die Herausforderungen des modernen Spitzenradsports vorbereiten. Dabei könnte gerade die Kombination verschiedener Disziplinen künftig zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor auf dem Weg in die Weltspitze werden.