OFFIZIELL: Deutsches Top-Talent verlässt Red Bull - BORA - hansgrohe – EF Education-EasyPost verpflichtet Junioren-Weltmeister als Carapaz-Nachfolger

Radsport
durch Nic Gayer
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EF Education-EasyPost treibt seinen personellen Umbruch für die Saison 2027 weiter voran und hat mit Emil Herzog ein vielversprechendes deutsches Talent verpflichtet. Der 22-Jährige verlässt Red Bull - BORA - hansgrohe nach drei Jahren auf WorldTour-Niveau und soll beim US-amerikanischen Rennstall eine wichtige Rolle im Neuaufbau nach dem Abschied von Richard Carapaz übernehmen. Für den ehemaligen Junioren-Weltmeister steht dabei vor allem eines im Mittelpunkt: Er möchte künftig häufiger auf eigene Rechnung fahren und endlich seinen ersten Profisieg feiern.
„Ich will anfangen zu gewinnen. Das ist mein Hauptziel: wieder Siege zu holen, aus Ausreißergruppen heraus und mit offensivem Rennstil“, erklärte Herzog in der offiziellen Mitteilung seines neuen Teams. „Ich bin keiner, der den ganzen Tag im Feld sitzen und auf den letzten Anstieg warten will.“

Emil Herzog soll bei EF Education-EasyPost mehr Freiheiten erhalten

Die Verpflichtung des Deutschen folgt unmittelbar auf den am Montag bestätigten Transfer von Tao Geoghegan Hart. Während der frühere Giro-d'Italia-Sieger vor allem für anspruchsvolle Rundfahrten zusätzliche Qualität mitbringt, soll Herzog die Möglichkeiten des Teams bei schweren Eintagesrennen und selektiven Etappenankünften erweitern. Dass er dort bereits mit den Besten mithalten kann, bewies er in dieser Saison unter anderem mit Platz vier beim Bretagne Classic und Rang zwei auf der Schlussetappe der Volta a la Comunitat Valenciana.
Emil Herzog im Einsatz für Red Bull - BORA - hansgrohe.
Emil Herzog sucht nach drei Jahren bei Red Bull - BORA - hansgrohe eine neue Herausforderung. Der 22-jährige ehemalige Junioren-Weltmeister wechselt 2027 zu EF Education-EasyPost und möchte dort mit offensivem Rennstil seinen ersten Profisieg feiern.
Besonders beim Bretagne Classic im August hinterließ Herzog einen starken Eindruck. Bereits mehr als 100 Kilometer vor dem Ziel gestaltete er das Rennen aktiv mit und behauptete sich bis weit in die entscheidende Phase hinein in aussichtsreicher Position. Den Sieg sicherte sich schließlich Alex Aranburu. Auch bei der Volta a la Comunitat Valenciana fehlte Herzog nicht viel zum ersten Profierfolg: Auf der letzten Etappe musste er sich lediglich Raul Garcia Pierna geschlagen geben, während sein damaliger Teamkollege Remco Evenepoel die Gesamtwertung gewann.
Der Wechsel bringt zudem eine interessante personelle Konstellation mit sich. Während Herzog Red Bull - BORA - hansgrohe verlässt und künftig für EF Education-EasyPost fährt, schlägt Georg Steinhauser den umgekehrten Weg ein. Der Deutsche wechselt nach seinem Podestplatz bei Paris-Nizza vom US-Team zum deutschen WorldTour-Rennstall.
Was Herzog an seiner neuen Mannschaft besonders reizt, wurde bereits im Sommer deutlich. „Als ich die Tour de France in diesem Jahr verfolgt habe, war das Team wirklich stark, und ich möchte dazu beitragen“, sagte er. „Ich bin noch jung und glaube, dass ich Talent habe. Das habe ich bei den Junioren gezeigt. Ich denke, dass ich hier mehr Chancen bekomme. Ich freue mich sehr darauf.“
Auch EF-Geschäftsführer Jonathan Vaughters verbindet große Erwartungen mit dem Neuzugang. Er bezeichnete Herzog als „ein riesiges Talent“ und hob dessen Entwicklung seit dem Gewinn des Junioren-Weltmeistertitels hervor. „In dieser Saison war er seinem ersten Profisieg ganz nahe. Ich glaube, dass er sich in den kommenden Jahren hervorragend entwickeln wird“, erklärte Vaughters. „Er fährt offensiv und passt damit sehr gut zu unserem Stil. Wir werden ihm jede Gelegenheit geben, seine Fähigkeiten und seine Stärke zu zeigen.“

Vom Junioren-Weltmeister zum vielseitigen Angreifer: Herzog will seine Explosivität zurückgewinnen

Sein außergewöhnliches Potenzial hatte Herzog bereits 2022 bei der Radsport-WM in Wollongong unter Beweis gestellt. Im Straßenrennen der Junioren schloss er in der Schlussphase zu Antonio Morgado auf und setzte sich anschließend im Sprintduell gegen den Portugiesen durch. Damit sicherte er sich das Regenbogentrikot. Im Einzelzeitfahren gewann er zudem die Bronzemedaille. Nach seiner Zeit bei Auto Eder wechselte er 2023 zu Hagens Berman Axeon, bevor 2024 der Aufstieg in die WorldTour mit Bora folgte.
Seither hat sich sein Fahrerprofil allerdings spürbar verändert. Während Herzog in seiner Juniorenzeit vor allem durch seine Endschnelligkeit und seine Qualitäten bei Klassikern überzeugte, entwickelte er sich in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Fahrer für anspruchsvolles Terrain.
„Bei den Junioren war ich eher Sprinter und ein bisschen mehr Klassikerfahrer. Inzwischen bin ich mehr zum Kletterertyp geworden. Harte Eintagesrennen liegen mir, ebenso Etappenrennen mit einem schweren Schlussanstieg“, erklärte der 22-Jährige.
Für seine weitere Entwicklung hat Herzog deshalb ein klares Ziel formuliert: Er möchte seine gewachsene Ausdauer mit jener Explosivität verbinden, die ihn einst zum Junioren-Weltmeister machte. „Mein Ziel sollte aber sein, meine Explosivität zurückzugewinnen. Ich fahre gern in Ausreißergruppen, und wenn eine Gruppe gemeinsam ins Ziel kommt, möchte ich den Sprint gewinnen können“, betonte er. „Meine Ermüdungsresistenz ist ziemlich gut. Deshalb liegt es mir, wenn wir den ganzen Tag Druck machen müssen.“
Dass seine Ausdauer nicht nur auf der Straße zu seinen größten Stärken zählt, bewies Herzog auch abseits des klassischen Straßenradsports. Bei seinem Debüt beim renommierten Unbound Gravel belegte er in diesem Jahr den achten Platz. Darüber hinaus krönte er sich zum deutschen Gravel-Meister. Die Grundlagen für seine Vielseitigkeit legte er bereits in seiner Kindheit nahe den Bayerischen Alpen, wo er Mountainbiken und Skilanglauf miteinander kombinierte.
Diese Abwechslung möchte Herzog auch künftig beibehalten. „Wenn ich auf dem Gravelbike trainieren und gelegentlich Gravelrennen fahren kann, bringt mir das mental neue Frische. Davon profitiere ich, glaube ich, in beiden Disziplinen“, erklärte er. „Ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr einige Gravelrennen bestreiten kann. Das wäre richtig cool und motivierend.“

EF Education-EasyPost im Umbruch: Herzog und Geoghegan Hart sollen Abgänge auffangen

Die Verpflichtung des Deutschen ist Teil einer umfassenderen personellen Neuausrichtung bei EF Education-EasyPost. Mit Richard Carapaz und Kasper Asgreen verliert die Mannschaft zwei namhafte Fahrer an NSN Cycling. Markel Beloki und James Shaw schließen sich Netcompany INEOS an, während Madis Mihkels künftig für Alpecin-Premier Tech fährt. Hinzu kommt der Wechsel von Georg Steinhauser zu Red Bull - BORA - hansgrohe. Insgesamt schwächen diese Abgänge sowohl die Besetzung für anspruchsvolle Bergetappen als auch die Optionen bei den Klassikern.
Gleichzeitig arbeitet die Teamführung daran, wichtige Leistungsträger langfristig zu halten. Ben Healy und Neilson Powless stehen bereits bis Ende 2029 unter Vertrag, während Sean Quinn seine Zusammenarbeit um weitere drei Jahre verlängert hat. Mit seiner Vorliebe für die Ardennen-Klassiker und anspruchsvolle Etappenankünfte passt Herzog gut in dieses Fahrerprofil. Seine jüngsten Ergebnisse sprechen zudem dafür, dass er künftig auch selbst um Siege kämpfen kann.
Während Tao Geoghegan Hart bei EF Education-EasyPost zu jener Form zurückfinden möchte, die ihn einst zum Giro-d'Italia-Sieger machte, verfolgt Herzog ein anderes sportliches Ziel. Seine bislang stärksten Ergebnisse im Profibereich erzielte er bei selektiven Eintagesrennen und durch offensive Fahrweise aus Ausreißergruppen heraus. Im Gegensatz zu seinem neuen Teamkollegen steht für ihn deshalb weniger die Gesamtwertung einer Grand Tour als vielmehr der Durchbruch zum siegfähigen Klassiker- und Etappenjäger im Vordergrund.
Mit den Verpflichtungen von Herzog und Geoghegan Hart setzt EF Education-EasyPost beim Neuaufbau nicht mehr ausschließlich auf Nachwuchsfahrer aus dem eigenen Entwicklungsteam. Die Saison 2027 wird zeigen, ob beide Transfers die erhoffte Wirkung entfalten: Geoghegan Hart will an seine frühere Klasse anknüpfen, während Herzog seine stetig verbesserten Leistungen endlich mit dem ersten Profisieg auf der Straße krönen möchte.
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