Remco Evenepoels minutiös geplanter Aufbau Richtung
Tour de France 2026 hat eine unerwartete und potenziell bedeutende Störung erlitten: Der Belgier sitzt aktuell auf dem Teide fest, nachdem starker Schneefall die Zu- und Abfahrten zu seinem Höhentrainingslager blockiert hat.
Der Red Bull - BORA - hansgrohe-Profi wollte auf Teneriffa einen entscheidenden Trainingsblock vor der Volta a Catalunya abschließen, die allgemein als sein erster echter Kletter-Benchmark der Saison gilt. Stattdessen ist nun unklar, ob er überhaupt rechtzeitig an den Start kommt.
Diese Ungewissheit wurde in mehreren Instagram-Storys seiner Frau Oumi deutlich, die ihn im Camp begleitet. „Nicht sicher, ob wir es schaffen“, schrieb sie, während das Paar bereits am zweiten Tag festsaß. In einer weiteren Story hieß es: „Wir stecken den zweiten Tag auf dem Teide fest wegen des Schnees… niemand kann hoch oder runter.“
Mit gesperrten Straßen am Vulkan und ohne klaren Weg zum Flughafen sind Evenepoels Reisepläne ausgerechnet in einem heiklen Moment seines Frühjahrsprogramms ins Wanken geraten.
Ein entscheidender Test in Gefahr
Das Timing der Störung macht aus einem simplen Reiseproblem eine sportlich relevante Angelegenheit.
Die Volta a Catalunya war für Evenepoel nicht nur ein weiteres Etappenrennen. Mit mehreren Bergankünften in den Pyrenäen sollte sie den bislang klarsten Hinweis liefern, wo sein Kletterniveau im Jahr 2026 steht. Zudem lockte ein mögliches Direktduell mit
Jonas Vingegaard, einem der prägenden GC-Referenzen im Peloton.
Diese Kombination machte Katalonien zu einem entscheidenden Zwischenstopp in Evenepoels Entwicklung zum Tour-Anwärter. Nach einem Winter, der im neuen Red Bull-Setup auf Struktur, Effizienz und langfristige Entwicklung ausgerichtet war, sollte hier der Fortschritt in Terrain gemessen werden, das zuvor seine Grenzen offengelegt hatte. Nun droht diese Chance zu verpuffen, bevor sie beginnt.
UAE Tour ließ Fragen offen
Die Bedeutung von Katalonien wuchs zusätzlich nach seinem jüngsten Auftritt.
Bei der UAE Tour dominierte er wie gewohnt im Zeitfahren, übernahm früh die Kontrolle über das Rennen und untermauerte erneut seinen Status als einer der stärksten Fahrer gegen die Uhr.
In den Bergen kippte die Erzählung jedoch abrupt. Am entscheidenden Anstieg wurde er distanziert und verlor deutlich Zeit, später sagte er: „Ich kann keine Ausreden machen.“
Für einen Fahrer, dessen Tour-Ambitionen davon abhängen, in langen Kletterabschnitten mit den Besten mitzuhalten, blieb damit eine klare, unvermeidliche Frage: Ist die Lücke wirklich geschlossen? Katalonien sollte der erste ernsthafte Versuch sein, darauf eine Antwort zu geben.
Red-Bull-Projekt trifft auf unerwartete Störung
Evenepoels Wechsel zu Red Bull - BORA - hansgrohe kreist um ein zentrales Ziel: Potenzial in eine vollständige Tour-de-France-Herausforderung zu überführen.
Der Schritt brachte einen kontrollierteren, teamgetriebenen Ansatz, mit Höhentrainingslagern und gezielt gewählten Etappenrennen als Bausteinen eines langfristigen Plans statt isolierter Ziele. Der Teide-Block war ein Kernstück dieser Struktur, gedacht, um Ausdauer zu stärken und den Kletterrhythmus vor einer kritischen Saisonphase zu schärfen.
Stattdessen zeigt die Situation, wie schnell selbst ein akribisch geplanter Ablauf aus der Spur geraten kann. Schneefälle in Höhenlagern sind nicht unbekannt, doch die Härte der aktuellen Bedingungen und die komplette Sperrung der Zufahrten stellen ein seltenes, stark störendes Szenario dar.
Ob Evenepoel letztlich nach Katalonien reist oder seinen Plan anpassen muss, bringt dieser Vorfall ein Element der Unsicherheit in einen bis dahin kontrollierten, zielgerichteten Start seiner Saison 2026.
Und da sein erster echter Bergtest des Jahres auf der Kippe steht, dürfte die übergeordnete Frage nach seinem Status mit Blick auf die Tour noch etwas länger unbeantwortet bleiben.