Ein frischer Einblick in die Reha von
Wout van Aert liefert das bislang klarste Zeichen, dass sein Comeback im Rennbetrieb planmäßig verläuft. Nach einer Physio-Einheit im LAB Antwerp mit Kinesiologe Thijs Hertsens fuhr der Visma-Profi nicht mit dem Auto nach Hause. Er fuhr mit dem Rad.
Van Aert lud die Einheit auf Strava hoch mit der Bildunterschrift „Niet doelloos“, ein spielerischer Verweis auf den Umweg über Doel bei einer 102,6-Kilometer-Ausfahrt, die etwas mehr als drei Stunden dauerte.
Das ist nicht das erste positive Signal der letzten Wochen, aber das bislang anschaulichste.
Die Erzählung verlagert sich damit von Indoor-Reha und kontrollierten Trainingsumgebungen zurück auf belgische Straßen, wo die Anforderungen wieder an Rennbelastung heranreichen.
Von der Operation über Spanien auf die Straßen Antwerpens
Der Kontext ist entscheidend.
Van Aert brach sich beim Zilvermeercross in Mol den Knöchel, eine Verletzung, die seine Cross-Saison sofort beendete und seine gesamte Straßen-Vorbereitung zu gefährden schien. Es folgte eine Operation. Beim Visma-Mediatag kurz darauf trug er noch einen Schutzstiefel.
Wenige Tage später saß er wieder auf dem Rad. Nach einigen Wochen reiste er mit dem Team ins Trainingslager nach Spanien, wo er bereits lange Grundlageneinheiten absolvieren konnte. Später verriet er, dort eine Sechs-Stunden-Einheit geschafft zu haben, wenn auch mit Einschränkungen im letzten Bewegungsumfang des Sprunggelenks und ohne Vollsprints.
In dem Podcast Live Slow Ride Fast erklärte er anschließend, die Schwellung sei deutlich zurückgegangen, Gehen nahezu normal, und er beginne, aus Kurven wieder zu beschleunigen. Die Botschaft aus dem Umfeld blieb konsistent. Sein Saisonstart sei nicht in Gefahr.
Dieses jüngste Update fügt sich nahtlos ein. Kraftarbeit mit getaptem Sprunggelenk. Kontrollierte Reha unter Aufsicht. Danach direkt eine gleichmäßige dreistündige Straßeneinheit.
Belastung kehrt zurück, noch ohne volle Intensität
Auffällig ist das Muster der Steigerung.
Zuerst kam die Grundbeweglichkeit. Dann das Pedalieren drinnen. Es folgten lange Grundlagenausfahrten in Spanien. Jetzt steht normales Straßenfahren in Belgien an, unmittelbar nach der Physio, mit getaptem, aber offensichtlich belastbarem Sprunggelenk für längere Distanzen.
Der einzige Baustein, der laut Van Aert noch fehlt, sind Vollsprints. Das ist bei Sprunggelenksverletzungen typischerweise der letzte Schritt. Alles andere greift bereits ineinander.
Der Strava-Post ist daher mehr als ein lockeres Trainings-Update. Er markiert den Wechsel in eine Phase der Reha, in der Last, Balance und Stabilität unter Alltagsbedingungen statt in kontrollierten Setups geprüft werden.
Alle Wege führen weiter zum Omloop
Während der gesamten Genesung blieb ein Datum unverändert. Omloop Het Nieuwsblad am 28.02.
Dieses Ziel wurde nie öffentlich verschoben. Jedes Update, von Spanien über den Podcast bis zur jüngsten Antwerpen-Ausfahrt, bestätigt den Fahrplan, statt Zweifel daran zu säen.
Das getapte Sprunggelenk ist noch da. Die Vorsicht ist erkennbar. Aber ebenso das Vertrauen, nach einer Physio-Einheit 100 Kilometer auf offenen Straßen zu absolvieren.
Für einen Fahrer, dessen Winter nach einem kuriosen Cross-Sturz zunächst entgleist schien, ist die Richtung nun eindeutig. Van Aert ist nicht mehr nur in der Genesung. Er baut gezielt auf das Rennniveau auf.