Großer Umbruch bei Movistar: Vier prominente Abgänge sorgen vor der Saison 2027 für Veränderungen

Radsport
durch Nic Gayer
movistar
Beim Movistar Team zeichnet sich vor der Saison 2027 ein tiefgreifender personeller Umbruch ab. Gleich vier wichtige Mitarbeiter sollen die spanische WorldTour-Mannschaft verlassen und damit eine umfassende Neuordnung der sportlichen Führung und des Leistungsbereichs erforderlich machen. Betroffen sind die Sportlichen Leiter Max Sciandri und Matthew White sowie die Leistungsspezialisten Xabier Muriel und Leonardo Piepoli. Für das traditionsreiche Team bedeutet dies einen erheblichen Einschnitt in die bestehenden Strukturen.
Die bevorstehenden Veränderungen sind Teil einer erneuten Überprüfung der internen Abläufe bei Movistar. Dabei steht nicht nur die sportliche Leitung auf dem Prüfstand, sondern auch die Organisation der Trainingssteuerung und Leistungsentwicklung. Besonders die Betreuung der Fahrer und deren körperliche Vorbereitung müssen angesichts der erwarteten Abgänge teilweise neu strukturiert werden.

Zwei Sportliche Leiter vor dem Abschied: White und Sciandri verlassen Movistar

Für Matthew White würde das Engagement bei Movistar bereits nach einer einzigen Saison enden. Der Australier war erst 2026 zur spanischen Mannschaft gestoßen, nachdem er Jayco-AlUla Mitte 2025 verlassen hatte. Sein bevorstehender Abschied käme damit überraschend früh und würde eine vergleichsweise kurze Zusammenarbeit beenden.
Enric Mas bei der Vuelta a Espana 2026.
Beim Movistar Team stehen vor der Saison 2027 weitreichende personelle Veränderungen bevor. Auch die Betreuung von Kapitän Enric Mas könnte von der geplanten Neuorganisation betroffen sein.
Deutlich länger gehört Max Sciandri zur Führungsriege des Teams. Der Brite wechselte 2019 von BMC zu Movistar und entwickelte sich seither zu einer festen Größe innerhalb der sportlichen Leitung. Besonders bei der Gestaltung des italienischen Rennkalenders spielte er eine zentrale Rolle. Zu seinen wichtigsten Verantwortungsbereichen zählte dabei die Planung und Betreuung des Giro d'Italia.
Mit dem möglichen Verlust beider Sportlicher Leiter steht Movistar vor der Aufgabe, die Zuständigkeiten für die Saison 2027 neu zu verteilen. Insbesondere die Organisation des Rennkalenders und die Betreuung der Mannschaft bei den verschiedenen Wettbewerben müssen auf neue Schultern verteilt werden. Da mit Xabier Muriel und Leonardo Piepoli zugleich zwei Mitarbeiter aus dem Leistungsbereich vor dem Abschied stehen, reichen die personellen Veränderungen weit über die sportliche Rennplanung hinaus.

Auch im Leistungsbereich droht ein erheblicher personeller Einschnitt

Xabier Muriel war 2023 zu Movistar gewechselt, nachdem er zuvor bei Caja Rural-Seguros RGA gearbeitet hatte. Dort war der Baske in den Jahren 2020 und 2021 sowohl als Sportlicher Leiter als auch als Trainer tätig gewesen. Bei Movistar übernahm er im Laufe der Zeit zunehmend Verantwortung, insbesondere nach dem Abschied von Patxi Vila, der das Team 2024 verließ und sich Red Bull - BORA - hansgrohe anschloss.
In der Folge entwickelte sich Muriel zu einer der zentralen Figuren im Leistungsbereich der spanischen Mannschaft. Er koordinierte die Arbeit der Trainer und übernahm gelegentlich auch Aufgaben als Sportlicher Leiter. Wie die spanische Zeitung Diario de Navarra berichtet, könnte Muriel künftig eine Lehrtätigkeit an einer Universität aufnehmen.
Sein bevorstehender Abschied würde eine empfindliche Lücke hinterlassen, zumal er sich die Verantwortung für den Leistungsbereich bislang mit Ivan Velasco teilte. Während Muriel vor allem die Trainer koordinierte, lag Velascos Schwerpunkt auf der Zeitfahrvorbereitung, der Biomechanik und dem gezielten Einsatz moderner Technologien zur Leistungsoptimierung.
Auch Leonardo Piepoli steht offenbar vor dem Ende seiner Tätigkeit bei Movistar. Der Italiener war 2024 zur Mannschaft gestoßen, verfügt allerdings über eine deutlich längere Verbindung zur Organisation. Bereits während seiner aktiven Laufbahn fuhr er für Banesto, einen Vorgänger des heutigen Movistar Teams. Nach dem Ende seiner Karriere als Radprofi widmete er sich der Trainingsarbeit und der gezielten Vorbereitung von Fahrern.
Piepolis Vergangenheit ist allerdings auch von einem Dopingskandal geprägt. Während seiner Zeit bei Saunier Duval wurde er wegen EPO-Dopings für zwei Jahre gesperrt. Später kehrte der Italiener als Leistungstrainer in den professionellen Radsport zurück, ehe er sich 2024 erneut der Movistar-Organisation anschloss.
Sollten sowohl Muriel als auch Piepoli das Team verlassen, müsste Movistar wesentliche Aufgaben in der Trainingssteuerung und Fahrerbetreuung neu organisieren. Dabei geht es insbesondere um die Koordination der körperlichen Vorbereitung und die kontinuierliche Begleitung der Profis während der Saison. Bislang hat die Mannschaft weder öffentlich mitgeteilt, wer die beiden Spezialisten ersetzen könnte, noch erläutert, wie ihre bisherigen Zuständigkeiten künftig aufgeteilt werden sollen.

Nächste Umstrukturierung nach weniger als einem Jahr: Movistar muss erneut reagieren

Wie tiefgreifend der bevorstehende Umbau ausfallen könnte, zeigt ein Blick auf die erst kürzlich vorgenommene Neuorganisation. Am 29. Oktober 2025 hatte Movistar eine umfassende Umstrukturierung bekannt gegeben, in deren Zuge Sebastian Unzue zum Sportchef ernannt wurde. Gleichzeitig teilte das Team seine internen Abläufe in vier zentrale Verantwortungsbereiche auf, um die Zusammenarbeit innerhalb der Organisation neu zu ordnen.
Im Rahmen dieser Neuaufstellung übernahmen Ivan Velasco und Xabier Muriel die Leitung des Leistungsbereichs. Chente Garcia Acosta und Matthew White wurden mit der Führung der Rennabteilung betraut, während Inigo Mitxelena die Verantwortung für den Gesundheitsbereich erhielt. Ergänzend richtete Movistar eine eigenständige Fahrerabteilung ein, die als Bindeglied zwischen den verschiedenen Bereichen fungieren und deren Zusammenarbeit koordinieren sollte.
Nicht einmal zwölf Monate später könnte diese Struktur bereits wieder grundlegend verändert werden. Die erwarteten Abgänge von White, Sciandri, Muriel und Piepoli treffen ausgerechnet zwei zentrale Säulen der Organisation: die sportliche Rennleitung und den Leistungsbereich. Damit steht Movistar erneut vor der Herausforderung, wichtige Führungspositionen zu besetzen und interne Abläufe anzupassen.
Besonders dringlich erscheint die Nachfolgeplanung für White und Sciandri, da ihre Aufgaben unmittelbar die Renntaktik, die Gestaltung des Rennkalenders und die tägliche Betreuung der Fahrer betreffen. Gleichzeitig muss die Teamführung klären, wer künftig Muriels koordinierende Funktion im Trainerstab übernimmt und wie Piepolis bisherige Arbeit in die verbleibenden Betreuungsstrukturen eingebunden werden kann. Für Movistar zeichnet sich damit vor der Saison 2027 eine weitere umfassende organisatorische Neuaufstellung ab.
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