„Nächstes Jahr komme ich ein Stück schärfer zurück“ – Paula Blasi sorgt bei Tour-Debüt für Aufsehen

Radsport
durch Nic Gayer
Montag, 10 August 2026 um 12:30
Paula Blasi bei den Strade Bianche Donne 2026
Paula Blasi hat ihre erste Tour de France Femmes mit einer Leistung beendet, die ihren Namen endgültig unter den größten Talenten des internationalen Pelotons verankert. Die 23-jährige Katalanin schloss die Rundfahrt auf dem fünften Gesamtrang ab, nachdem sie auf der spektakulären Schlussetappe in Nizza Zweite geworden war und dadurch noch zwei Positionen gutgemacht hatte. Das Ergebnis krönt eine herausragende Saison – und leitet zugleich eine entscheidende Woche ein, in der sich klären könnte, bei welchem Team Blasi ihre Karriere fortsetzen wird.
Die Fahrerin von UAE Team L'IMAD war als Gesamt-Siebte in den letzten Renntag gegangen, wollte sich mit dieser Position jedoch nicht zufriedengeben. Blasi ging in die Offensive und wurde dafür gleich doppelt belohnt: mit Rang zwei auf der Etappe und dem Sprung auf Platz fünf im Endklassement. Das vom Team anvisierte Podium blieb zwar außer Reichweite, dennoch verlässt Blasi Frankreich bei ihrem Debüt mit einem Top-5-Ergebnis – nach neun Tagen, an denen sie sich mit einigen der weltbesten Fahrerinnen auf Augenhöhe präsentierte.

Blasi kündigt bereits ihre Rückkehr an

„Ich nehme viele Lehren für das nächste Jahr mit“, sagte Blasi noch vor der Schlussetappe bei Eurosport. Von den Erfahrungen ihrer ersten Tour-Teilnahme will sie bei ihrer Rückkehr nach Frankreich profitieren: „Nächstes Jahr komme ich ein Stück schärfer zurück.“
Paula Blasi, Star des UAE Team ADQ.
Paula Blasi sorgt bei ihrer ersten Tour de France Femmes mit Gesamtrang fünf für Aufsehen und zählt nach einer herausragenden Saison zu den begehrtesten Talenten im Peloton.
Dabei war Blasi keineswegs als Kapitänin in die Tour gestartet. Elisa Longo Borghini führte UAE Team L'IMAD als Teamleaderin an, auch Dominika Wlodarczyk stand in den ursprünglichen Planungen zunächst vor der Katalanin. Blasis Aufgabe bestand darin, für ihre Teamkolleginnen zu arbeiten und gleichzeitig jene Chancen zu nutzen, die sich ihr im Verlauf der Rundfahrt bieten würden.
Genau auf diese Weise rückte die 23-Jährige von Etappe zu Etappe stärker in den Mittelpunkt und entwickelte sich zu einer der auffälligsten Fahrerinnen ihres Teams. Bereits nach der ersten Etappe übernahm sie im Weißen Trikot die Führung in der Nachwuchswertung und hielt sich während der ersten Tage konstant in unmittelbarer Nähe zu den besten Fahrerinnen.
Das Zeitfahren auf der vierten Etappe bestätigte ihr hohes Niveau zusätzlich und hielt Blasi im Rennen um die vorderen Positionen der Gesamtwertung. Anschließend folgte die Etappe ins Beaujolais, auf der sie nach intensiver Helferarbeit für ihre Teamkolleginnen Zeit einbüßte. Das Profil der noch ausstehenden Etappen bot allerdings weiterhin genügend Möglichkeiten, verlorenen Boden wieder gutzumachen.

Nizza verändert Blasis Endergebnis noch einmal

Auch die Passage über den Mont Ventoux wurde zu einem weiteren großen Härtetest. Erneut hielt Blasi dagegen und behauptete sich an der Seite von Fahrerinnen wie Marlen Reusser und Elisa Longo Borghini. Für eine Athletin, die ihre erste Tour bestritt und gerade erst ihre erste vollständige Profisaison absolviert, brachte jeder dieser anspruchsvollen Tage wertvolle neue Erkenntnisse.
Die endgültige Entscheidung über Blasis Platzierung fiel schließlich am letzten Tag. Als Gesamt-Siebte ging sie in die Schlussetappe und wusste, dass sie etwas riskieren musste, um dem vom Team ausgegebenen Ziel noch näherzukommen.
Blasi lieferte in Nizza eine herausragende Vorstellung ab. Mit ihrem zweiten Platz auf der Etappe verbesserte sie sich um zwei Positionen und beendete die Tour auf Gesamtrang fünf. Ein Platz auf dem Podium war eines der erklärten Ziele von UAE Team L'IMAD gewesen. Schon vor dem Start hatte Blasi eingeräumt, dass die Mannschaft „richtig hungrig auf dieses Podium“ gewesen sei.
Dieser Erfolg blieb dem Team letztlich verwehrt, am hohen Wert von Blasis Tour-Debüt ändert das jedoch nichts. Die Katalanin beendete die Rundfahrt zudem als zweitbeste Fahrerin ihrer Mannschaft in der Gesamtwertung.
Ihre starken neun Tage in Frankreich runden eine Saison ab, in der Blasi auf nahezu jeder neuen Bühne die nächste Bestätigung ihrer Entwicklung geliefert hat. Sie gewann das Amstel Gold Race, triumphierte bei LaVuelta und feierte darüber hinaus Siege bei der Volta a Catalunya, der Tour des Pyrenees und in Durango.
Die Tour de France Femmes stellte die 23-Jährige allerdings vor eine völlig andere Herausforderung. Es war ihre erste Grand Tour außerhalb Spaniens: neun Etappen, ein Zeitfahren, der Mont Ventoux und dazu eine Teamstruktur, in der sie ursprünglich nicht als erste Option vorgesehen war. Blasi wuchs an diesen Aufgaben – und beendete ihre erste Tour prompt unter den besten fünf Fahrerinnen.

Entscheidende Wochen für Blasis Zukunft

Das herausragende Ergebnis in Frankreich fällt zudem unmittelbar in eine Phase, die für Blasis weitere Karriere wegweisend werden könnte. Die Katalanin besitzt bei UAE Team L'IMAD noch einen Vertrag für ein weiteres Jahr. Entsprechend groß ist das Interesse der Mannschaft, eine der Entdeckungen dieser Saison langfristig zu halten.
Doch Blasi hat Alternativen. Auch Lidl-Trek und Movistar Team bemühen sich intensiv um ihre Unterschrift. Die Entscheidung liegt bei der Fahrerin und ihrem Agenten Alex Carera und dürfte noch im Laufe des August fallen.
Insbesondere Movistar Team gilt dabei als starke Option. Die von einem Telekommunikationskonzern unterstützte Struktur möchte ihr Frauenprojekt weiter verstärken. Blasi passt mit ihrer Entwicklung genau in das Profil einer jungen und vielseitigen Fahrerin, die sowohl bei Grand Tours als auch in den Klassikern konkurrenzfähig sein kann.
Vorerst verlässt die Katalanin die Tour de France Femmes jedoch mit einer wichtigen Erkenntnis: Ihr erster Kontakt mit dem größten Etappenrennen im Frauenradsport war weit mehr als ein vorsichtiges Herantasten. Blasi wurde Gesamtfünfte, kam dem Podium nahe und bewies, dass sie eine Grand Tour an der Spitze aktiv mitgestalten kann.
„Nächstes Jahr komme ich ein Stück schärfer zurück“, kündigte Blasi an. Bevor sie allerdings über ihre nächste Tour de France Femmes nachdenken kann, steht eine andere richtungsweisende Entscheidung bevor: Mit welchem Team will sie die nächste Etappe ihrer Karriere in Angriff nehmen?
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