Kasia Niewiadoma entschuldigt sich bei Demi Vollering für ihren Ausbruch bei der Tour de France Femmes – FDJ-Suez-Kapitänin krönt ihr Comeback mit dem Gesamtsieg

Radsport
durch Nic Gayer
Montag, 10 August 2026 um 10:41
demi vollering wons stage 9 TDFF 2026
Drei Jahre musste Demi Vollering warten, nun hat die Niederländerin den Thron der Tour de France Femmes zurückerobert. Bei den beiden vorherigen Austragungen waren es häufig andere Faktoren als ihre Form, die einen weiteren Gesamtsieg verhinderten. 2026 ließ Vollering dagegen kaum Zweifel an ihren Ambitionen aufkommen – auch wenn sie auf der Königsetappe am Mont Ventoux möglicherweise nicht die stärkste Fahrerin im Rennen war.
So bedeutend der Triumph für Vollering persönlich ist, so wertvoll ist er auch für FDJ - SUEZ. Das französische Team ging mit ihrer Verpflichtung ein großes Risiko ein, kaufte die Niederländerin aus ihrem Vertrag bei SD Worx - Protime heraus und richtete alles auf einen historischen Gesamtsieg bei der Tour de France Femmes aus.

FDJ - SUEZ wird für sein großes Risiko belohnt

Bereits im vergangenen Jahr durften die französischen Radsportfans über den Sieg einer Landsfrau jubeln, allerdings nicht im Trikot eines französischen Teams. Pauline Ferrand-Prévot bescherte stattdessen einer niederländischen Mannschaft den dritten Titel bei der Tour de France Femmes.
Demi Vollering in Aktion.
Demi Vollering erobert 2026 den Thron der Tour de France Femmes zurück und beschert FDJ - SUEZ den ersehnten Gesamtsieg.
„Es ist etwas ganz Besonderes, dass wir dieses Rennen gewonnen haben“, sagte FDJ - SUEZ-Sportdirektor Lars Boom gegenüber WielerFlits nach der Schlussetappe, auf der Vollering ihre Führung behauptete und den Gesamtsieg endgültig perfekt machte.
Der Erfolg war das Resultat eines langen Prozesses, dessen entscheidende Phase 2025 mit Vollerings Wechsel zum Team begann. „Stephen (Teamchef Stephen Delcourt, Anm.) hat das vor ein paar Jahren angestoßen, als er Demi holte. Letztes Jahr sollte es nicht sein. Aber zum Glück hat es dieses Jahr geklappt“, erklärte Boom.

Mental stärker als zuvor

Vollering ist wohl die kompletteste Fahrerin im aktuellen Frauenpeloton – mit Ausnahme des Sprints, in dem Lorena Wiebes unangefochten das Maß der Dinge ist. Dennoch gewinnt die Niederländerin gemessen an ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten vergleichsweise selten. Nicht selten waren dafür in der Vergangenheit taktische Unschärfen verantwortlich.
Auch bei der Tour de France Femmes 2026 blieb Vollering nicht frei von Fehlern. Besonders am Mont Ventoux hatte ihr taktisches Geplänkel mit Konkurrentin Marlen Reusser Folgen: Kasia Niewiadoma, die Tour-Siegerin von 2024, konnte sich einen deutlichen Vorsprung erarbeiten und das Gelbe Trikot übernehmen. Auf den beiden letzten Etappen hielt sie Vollerings Attacken jedoch nicht mehr stand.
„Was hat den Unterschied gemacht? Wir sind zurück ans Reißbrett. Wir haben angeschaut, was nicht gut lief. Wir haben versucht, Demi mental frisch zu halten. Dann kann sie viel mehr, als sie denkt.“
Schon vor dem Start der Tour hatte Boom keine Zweifel daran, dass Vollering ihre Serie von zweiten Plätzen beenden würde. Der Triumph beim Giro d'Italia Women in diesem Frühjahr lieferte offenbar die letzte Bestätigung dafür, dass die Niederländerin bereit war.
„Man sah das ganze Jahr, dass Demi sehr frisch ist. Mental kann sie immer leiden. Das ist das Wichtigste. Aber ein Athlet zweifelt natürlich immer mal. Wir haben sie wieder auf den richtigen Kurs gebracht.“

Vollerings Sieg beendet die Diskussionen

Der entscheidende Triumph am letzten Tag der Tour hatte für FDJ - SUEZ noch eine weitere Bedeutung: Er sollte auch dem Verschwörungsgerede nach den Ereignissen auf der vorletzten Etappe ein Ende setzen. Vollering und ihre Teamkollegin Celia Gery waren wegen eines taktischen Manövers in die Kritik geraten, bei dem sie sich am letzten Anstieg von Niewiadoma abgesetzt hatten und Vollering dadurch ins Gelbe Trikot gefahren war.
Mit ihrem Sieg auf der Schlussetappe unterstrich Vollering allerdings, dass sie den Gesamtsieg aller Wahrscheinlichkeit nach auch ohne die dort herausgefahrenen 23 Sekunden inklusive Zeitbonifikationen errungen hätte.
„Ganz sicher. Das hat enorme Auswirkungen, weil jedes Detail riesige mediale Wellen schlägt. Celia bricht darunter fast zusammen. Das willst du für so eine Fahrerin nicht, denn Celia ist eine fantastische Person und hat eine großartige Tour gefahren. Eine fantastische Fahrerin im Entstehen. Demi sagte auch im Funk: ‚Das ist für Celia.‘ Was sie gestern durchmachen musste, ist inakzeptabel.“

Niewiadoma entschuldigt sich für ihre Äußerungen

Nach der Schlussetappe bestätigte Niewiadoma, dass sie sich bei Vollering sowie bei Boom und FDJ-Suez für ihre Äußerungen über Gery und das Team entschuldigt hatte.
In einem Video von WielerFlits ist zu sehen, wie die polnische Zweitplatzierte ihre Entschuldigung ausspricht und sich mit dem Team versöhnt. Zudem wurde berichtet, dass sie auch das Gespräch mit Vollering gesucht habe.
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