Der Radsport-Weltverband
UCI treibt seine Pläne für ein Echtzeit-Tracking von Fahrerinnen, Fahrern und Rennfahrzeugen bei Straßenrennen weiter voran. Im nächsten Schritt sollen nun die notwendigen Protokolle sowie der regulatorische Rahmen ausgearbeitet werden, der den Einsatz der Technologie künftig regeln soll.
Das Thema gehörte zu den zentralen Punkten der
Sitzung des Professional Cycling Council (PCC) am 1. und 2. September in Aigle – in einer besonders sensiblen Phase der Diskussion um die Sicherheit im professionellen Radsport. Zu Beginn der Sitzung wurde des 19 Jahre alten Briten Finlay Tarling gedacht, der am 14. August 2025 bei der Volta a Portugal nach einer Kollision mit einem Lieferwagen verstarb.
UCI arbeitet an Regeln für Echtzeit-Tracking im Profi-Radsport
Im Anschluss beschäftigte sich der PCC mit der Notwendigkeit eines speziell entwickelten Systems, mit dem sich bei professionellen Straßenrennen die Positionen von Fahrerinnen, Fahrern und Rennfahrzeugen in Echtzeit verfolgen lassen. Nach Angaben der UCI soll die Einführung zunächst auf die WorldTour der Männer und Frauen ausgerichtet werden. Einen konkreten Zeitplan dafür, ab wann ein solches System verpflichtend zum Einsatz kommen könnte, nannte der Weltverband bislang jedoch nicht.
UCI-Präsident David Lappartient treibt die Pläne für ein Echtzeit-Tracking voran, das die Sicherheit von Fahrerinnen und Fahrern im Profi-Radsport verbessern soll.
Damit geht die UCI einen entscheidenden Schritt über ihre bisherigen Diskussionen zum GPS-basierten Safety-Tracking hinaus. Statt lediglich den Einsatz bereits vorhandener Technologien zu empfehlen, arbeitet der Verband nun an verbindlichen Regeln, die festlegen sollen, wie entsprechende Systeme im professionellen Radsport funktionieren und eingesetzt werden müssen.
UCI strebt gemeinsamen Rahmen für GPS-Systeme an
Ausgangspunkt der aktuellen Initiative ist ein Vorstoß von UCI-Präsident
David Lappartient aus dem März. Damals forderte er den Teams-Verband AIGCP, den Organisatoren-Verband AIOCC sowie die Fahrergewerkschaft CPA dazu auf, gemeinsam Vorschläge für ein GPS-basiertes Safety-Tracking zu erarbeiten.
Lappartient ließ bereits damals keinen Zweifel daran, wohin die Entwicklung langfristig führen soll. „Es wird verpflichtend werden müssen und klassenweise eingeführt“, schrieb der UCI-Präsident in einem Schreiben vom 13. März 2025.
Die beteiligten Interessengruppen sollten anschließend Vorschläge zu Hardware, Software und den operativen Anforderungen eines möglichen Systems vorlegen. Beim PCC-Treffen in Aigle lag nach Angaben der UCI allerdings noch kein gemeinsamer Vorschlag der drei Gruppen vor.
Von Bedeutung ist dabei auch die Frage nach den eingesetzten Anbietern. Die UCI hatte zuvor betont, keinen bestimmten Technologieanbieter verpflichtend vorschreiben zu wollen. Teams, Rennveranstalter sowie Fahrerinnen und Fahrer sollen ihre Anbieter demnach grundsätzlich frei wählen können – vorausgesetzt, die jeweiligen Systeme erfüllen den von der UCI vorgegebenen technischen Rahmen.
Sicherheitsbedenken treiben die Tracking-Pläne voran
Die Entwicklung eines einheitlichen UCI-Rahmens findet vor dem Hintergrund einer umfassenderen Debatte darüber statt, wie ein solches Fahrer-Tracking in der Praxis funktionieren soll und insbesondere, wer die dabei entstehenden Daten kontrolliert.
Dass diese Fragen Konfliktpotenzial bergen, hatten bereits frühere Tests gezeigt. Ein Tracking-Versuch der UCI bei der Tour de Romandie Féminin 2025 führte zu Differenzen mit mehreren Teams über die Bedingungen, unter denen die neue Technologie getestet wurde.
Diese Gräben möchte die UCI nun überwinden und stattdessen gemeinsame Regeln etablieren. Lappartient unterstrich nach der PCC-Sitzung erneut, dass sämtliche Interessengruppen bei der Verbesserung der Fahrersicherheit zusammenarbeiten müssten und kommerzielle Interessen nicht über dem Schutz der Fahrerinnen und Fahrer stehen dürften.
Echtzeit-Positionsdaten könnten insbesondere nach Stürzen einen entscheidenden Sicherheitsgewinn bringen. Kommissäre und Rettungsdienste würden dadurch einen besseren Überblick darüber erhalten, wo sich die betroffenen Fahrerinnen und Fahrer befinden. Gleichzeitig könnten die Positionen der Rennfahrzeuge und weiterer Bestandteile des Rennkonvois sichtbar gemacht werden. Das übergeordnete Ziel besteht darin, die Zeitspanne zwischen einem Zwischenfall und dem Eintreffen der notwendigen Hilfe zu verkürzen.
Parallel zum geplanten Tracking-System arbeitet die UCI an einer weiteren Sicherheitsmaßnahme. Der PCC unterstützt die Einführung neuer Standards für Absperrgitter auf den letzten Hunderten Metern eines Rennens. Diese sollen in Kraft treten, sofern das UCI Management Committee den vorgeschlagenen Regeln zustimmt.
Im Falle einer Zustimmung sollen die neuen Vorgaben für Absperrgitter ab der Saison 2027 schrittweise eingeführt werden. Zunächst würden sie bei Rennen der WorldTour und Women's WorldTour gelten, ehe die Standards anschließend auf weitere Kategorien ausgeweitet werden.
Beide Sicherheitsinitiativen gehen in die nächste entscheidende Phase, wenn das UCI Management Committee vom 20. bis 22. September 2025 in Montreal zusammenkommt. Die Sitzung dürfte damit maßgeblich darüber entscheiden, wie aus den bisherigen Plänen der UCI zum Echtzeit-Tracking und zur Verbesserung der Rennsicherheit künftig verbindliche Regularien werden.